Kneipenkulttour Güstrow: Vom großen Festival zum Osterkonzert-Duo
Kneipenkulttour Güstrow: Vom Festival zum Oster-Duo

Vom pulsierenden Festival zum bescheidenen Osterkonzert-Duo

Was einst als pulsierendes Kneipenfestival die Güstrower Innenstadt in eine einzige Partymeile verwandelte, ist heute nur noch ein bescheidener Abglanz früherer Größe. Die legendäre Kneipenkulttour, die über viele Jahre das feste Osterprogramm der Barlachstadt prägte, findet am Ostersamstag 2026 lediglich in zwei Lokalen statt: im "Schnick Schnack" und im "Barocktikum".

Eine Ära geht zu Ende

Noch vor wenigen Jahren war auf der Facebookseite des Studentenkellers StuK zu lesen: "Ostern ist Kneipenkulttour-Zeit in der Barlachstadt. Sonnabend ab 21 Uhr geht das beliebte Güstrower Kneipenfestival bereits in die 18. Runde. Acht Bands spielen in sieben Kneipen." Über viele Jahre hinweg verwandelte sich am Ostersamstag die Innenstadt am Abend in eine einzige Musikmeile. In mehreren Kneipen spielten gleichzeitig Bands, die Besucher wechselten mit Eintrittsbändchen von Tür zu Tür.

Seit Mitte der 1990er-Jahre gehörte das Format zum festen Osterprogramm. Die Kneipenkulttour zählte zu den größten wiederkehrenden Veranstaltungen im Güstrower Nachtleben. Beteiligt waren neben den Musikkneipen "Schnick Schnack", "Barocktikum" und dem Studentenkeller "Stuk" das "Heizhaus", der "Ratskeller", das Restaurant "Zur Post" und die "Wunderbar". Mehrere Hundert Gäste waren am Abend in der Barlachstadt unterwegs.

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Der organisatorische Niedergang

Thomas Hensel vom "Stuk", der auch im "Schnick Schnack" mitorganisiert, erinnert sich: "Organisiert wurde die Kneipenkulttour von den Güstrower Gastronomen. Der Termin war bewusst gewählt, denn am Osterwochenende kommen traditionell viele ehemalige Güstrower zurück nach Hause." Die Kneipenkulttour wurde so auch zu einem Treffpunkt für Freunde, Bekannte, frühere Mitschüler und Kommilitonen.

Doch die Teilnehmerzahl schrumpfte kontinuierlich. "Aber nachher haben immer weniger Locations mitgemacht und wir, Thomas Roloff und ich, haben das quasi allein organisiert, wie eine Art Agentur. Das war dann irgendwann zu viel Aufwand", erklärt einer der letzten Güstrower Eventmanager für Jugendveranstaltungen. Hinzu kam, dass weder das "Heizhaus" noch der "Ratskeller" oder das Restaurant "Zur Post" in Güstrow überlebten – alle drei Locations existieren nicht mehr.

Die verbliebenen Osterkonzerte

Immerhin gibt es am Ostersamstag 2026 noch zwei Orte mit Livemusik in Güstrow: Am 4. April spielt im "Schnick Schnack" um 20.30 Uhr die Rostocker Band "Gode Tider". Auf der Facebookseite der Musiker ist das Event noch als Honky Tonk angekündigt. "'Gode Tider', das sind Günther Ortmann, ein Musiker aus Güstrow, drei aus Rostock und ein dänischer Sänger. Sie spielen Rock aus den 60er- bis 90er-Jahren", kündigt Thomas Hensel an. So werden Hits von Neil Young, Simon & Garfunkel, The Police, The Traveling Wilburys oder CCR und auch ein paar Songs aus der ehemaligen DDR performt.

Auch im "Barocktikum" können die Güstrower, Heimkehrer und Besucher am 4. April noch Livemusik erleben. Hier kehrt unter dem Label "Osterrock" um 21 Uhr die Band "Decent Rock's" aus Demmin ein. Die fünf Musiker stehen für handgemachte Rockmusik, die von den Großen der 80er-Jahre inspiriert wurde. Bands wie Skid Row, Europe, Alice Cooper, Bon Jovi oder Cinderella und Karussell sind ihre Inspiration.

Hoffnung auf Wiederbelebung

Thomas Hensel würde es begrüßen, wenn die Kneipenkulttour in Güstrow wiederbelebt werden könnte. "Ich habe gehört, dass es Bestrebungen dafür gibt", sagt er. Aus der Stadtverwaltung heißt es dazu auf Nachfrage der Redaktion: "In ersten Gesprächen mit Kneipenbetreibern in Güstrow hat sich gezeigt, dass die Kneipen-Kulttour in der Vergangenheit maßgeblich durch einen Zusammenschluss der beteiligten Gastronomen selbst organisiert und getragen wurde. Aktuell gibt es seitens der Barlachstadt Güstrow keine konkreten Bestrebungen, die Veranstaltung in eigener Regie wiederzubeleben."

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Grundsätzlich begrüßen wir jedoch Initiativen aus der lokalen Gastronomie oder von engagierten Akteuren, die an eine Neuauflage anknüpfen möchten, so die Stadt weiter. Seitens der Stadt bestehe die Bereitschaft, eine solche Initiative im Rahmen der Möglichkeiten unterstützend zu begleiten, beispielsweise durch Abstimmung, Vernetzung oder kommunikative Unterstützung. "Für eine erfolgreiche Wiederbelebung wäre insbesondere ein gemeinsames Engagement mehrerer gastronomischer Betriebe erforderlich."

After-Show-Party im Stuk

Wer nach den Livekonzerten am 4. April übrigens noch weiterfeiern möchte, kann das im "Stuk" tun. Die Veranstaltung heißt nicht zufällig "For ever young". "Das ist extra eine Party für alle, die Ostern nach Hause kommen, Freunde treffen und mal wieder im 'Stuk' feiern wollen", sagt Thomas Hensel. Beginn ist um 22 Uhr. Geboten wird Musik der 80er und 90er in allen Stilrichtungen – ein letzter Hauch der einstigen Festival-Atmosphäre in der Barlachstadt.