Weiberfastnacht 2026: Der verrückte Start in die fünfte Jahreszeit
Am Donnerstag, dem 12. Februar 2026, beginnt pünktlich um 11:11 Uhr mit der Weiberfastnacht der offizielle Startschuss für den Straßenkarneval in Deutschland. Dieser besondere Tag markiert den Übergang in die sogenannte fünfte Jahreszeit, in der Ausgelassenheit und närrische Traditionen im Vordergrund stehen.
Traditionelle Bräuche und regionale Besonderheiten
Das wohl bekannteste Ritual der Weiberfastnacht ist das symbolische Abschneiden von Krawatten. Männer sollten an diesem Tag besser ihre ältesten Schlipse tragen, denn mit dem Ruf "Schnipp, schnapp, ist der Schlips ab!" werden die Krawatten gekürzt. Dieser Brauch symbolisiert, dass nun die Frauen die Macht im Karneval übernehmen. Zur Versöhnung folgt traditionell ein "Bützchen" - ein kleiner Kuss als Trost für den verlorenen Schlips.
Ein weiterer wichtiger Brauch ist der Sturm auf die Rathäuser, der erstmals 1957 im Bonner Stadtteil Beuel stattfand und sich seitdem deutschlandweit verbreitet hat. Dabei übernehmen die Frauen symbolisch die Macht in den Rathäusern und setzen damit ein Zeichen für die "verkehrte Welt" des Karnevals.
Regionale Namen und Unterschiede
Je nach Region trägt die Weiberfastnacht unterschiedliche Bezeichnungen:
- In Schwaben wird sie als "Lumpiger Donnerstag" oder "Gumpiger Donnerstag" bezeichnet
- Im Rheinland spricht man vom Weiberfasching
- In Köln heißt der Tag auf Kölsch "Wieverfastelovend"
- Im Aachener Raum feiert man den "Fettdonnerstag"
- In Koblenz ist der "Schwerdonnerstag" gebräuchlich
Historische Wurzeln des Brauchtums
Die Ursprünge der Weiberfastnacht reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Damals sollen Nonnen in Klöstern an diesem Tag alles genossen haben, was ihnen sonst verboten war: Tee, Kaffee, Wein und Schokolade. Tagsüber wurde getanzt und nachts Karten gespielt.
Als eigentliche Wiege der modernen Weiberfastnacht gilt jedoch der Bonner Stadtteil Beuel. Bereits 1824 entwickelten die Wäscherinnen dort den Brauch, einmal im Jahr die Männer "in die Mangel" zu nehmen, da diese ihnen für ihre Arbeit kaum Wertschätzung entgegenbrachten. Dabei wurden strenge Geschlechterrollen hinterfragt und Ehefrauen verweigerten ihren Männern für einen Tag den Gehorsam.
Arbeitsrechtlicher Status und kulturelle Bedeutung
Die Weiberfastnacht ist kein gesetzlicher Feiertag, wird aber insbesondere im Rheinland als inoffizieller Feiertag betrachtet. Vielerorts wird ab Mittag nicht mehr gearbeitet, allerdings sollten sich Arbeitnehmer und Schüler über die genauen Regeln ihrer jeweiligen Institution informieren.
Der deutsche Karneval besitzt bereits seit 2015 einen Eintrag im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission. Dazu gehören der Rheinische Karneval, die Schwäbisch-Alemannische Fastnacht und das Narrengericht zu Grosselfingen. Seit 2022 werden internationale Schritte zum Schutz dieses Brauchtums eingeleitet, wobei die Bewerbung für das UNESCO-Weltkulturerbe bisher noch nicht erfolgreich war.
Die Weiberfastnacht bleibt damit ein lebendiges Stück deutscher Kultur, das Jahr für Jahr Millionen Menschen in den Karnevalshochburgen zusammenführt und traditionelle Bräuche mit moderner Ausgelassenheit verbindet.



