Arundhati Roy sagt Berlinale-Teilnahme nach Jury-Kommentaren zum Nahostkonflikt ab
Arundhati Roy sagt Berlinale-Teilnahme nach Jury-Kommentaren ab

Autorin Arundhati Roy sagt Teilnahme an Berlinale nach politischer Kontroverse ab

Die renommierte indische Schriftstellerin Arundhati Roy hat ihre geplante Teilnahme an der Berlinale kurzfristig aus politischen Gründen abgesagt. Die 64-jährige Autorin, die 1997 für ihren Roman „Der Gott der kleinen Dinge“ den Booker-Preis erhielt, begründete ihren Rückzug mit ihrer scharfen Kritik an Aussagen von Mitgliedern der Internationalen Jury des Filmfestivals.

Politische Kontroverse bei Pressekonferenz löst Absage aus

„Mit großem Bedauern muss ich mitteilen, dass ich nicht an der Berlinale teilnehmen werde“, erklärte Roy in einem offiziellen Statement, das über ihren Verlag veröffentlicht wurde. Als konkreten Anlass nannte sie die aus ihrer Sicht „unerhörten Aussagen“ von Jurymitgliedern während einer Pressekonferenz am Eröffnungstag des Festivals. Bei dieser Veranstaltung hatte ein Journalist die Jury auf den anhaltenden Nahostkonflikt angesprochen und die Berlinale kritisiert, sich zwar mit Menschen im Iran und in der Ukraine solidarisiert zu haben, nicht aber mit palästinensischen Menschen.

Der Journalist stellte die provokante Frage, ob die Jury vor dem Hintergrund, „dass die deutsche Regierung den Völkermord in Gaza unterstützt und Hauptgeldgeber der Berlinale ist, diese selektive Behandlung der Menschenrechte“ unterstütze. Israel bestreitet vehement, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen – eine Position, die auch von der Bundesregierung geteilt wird. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag läuft derzeit eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel, deren Ausgang und zeitlicher Rahmen noch ungewiss sind.

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Jury-Antworten lösen scharfe Kritik von Roy aus

Die Reaktionen der Jury auf diese politischen Fragen wurden zum zentralen Auslöser für Roys Absage. Jury-Mitglied Ewa Puszczyńska bezeichnete die Angelegenheit als komplizierte Fragen, während Jurypräsident Wim Wenders deutlich machte, dass sich die Filmschaffenden nicht auf das Feld der Politik begeben könnten. „Filmschaffende müssten sich aus der Politik heraushalten, sie seien ein Gegengewicht zur Politik“, betonte Wenders. „Wir müssen die Arbeit der Menschen machen und nicht die Arbeit der Politiker.“

Genau diese Positionierung stieß bei Arundhati Roy auf scharfe Ablehnung. In ihrem Statement schrieb die Autorin: „Zu hören, dass Kunst nicht politisch sein solle, sei schockierend.“ Sie kritisierte weiter: „Damit wird eine Diskussion über ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterbunden, obwohl es sich gerade in Echtzeit vor unseren Augen abspielt – in einer Zeit, in der Künstler, Schriftsteller und Filmemacher alles in ihrer Macht Stehende tun sollten, um es zu stoppen.“

Geplante Präsentation von Roys Filmwerk betroffen

Die Absage betrifft auch die geplante Präsentation von Roys filmischem Werk bei der Berlinale. In der Reihe „Classics“ sollte der Film „In Which Annie Gives It Those Ones“ aus dem Jahr 1989 gezeigt werden, in dem Roy damals nicht nur mitspielte, sondern für den sie auch das Drehbuch geschrieben hatte. Dieser Programmpunkt fällt nun unter den veränderten Umständen.

Die Kontroverse um Arundhati Roys Absage wirft grundsätzliche Fragen nach der Rolle von Kunst und Künstlern in politischen Konflikten auf und zeigt, wie international bedeutende Kulturveranstaltungen wie die Berlinale zunehmend zum Austragungsort weltpolitischer Debatten werden. Die Diskussion über die politische Verantwortung von Künstlern und die Grenzen künstlerischer Neutralität dürfte über das Filmfestival hinaus weiter geführt werden.

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