Berlinale 2026 startet mit zwiespältigem Eröffnungsfilm „No Good Men“
Berlinale startet mit zwiespältigem Film „No Good Men“

Berlinale 2026 startet mit zwiespältigem Eröffnungsfilm „No Good Men“

Draußen Regen, drinnen Glamour: Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin haben begonnen. Zum Auftakt wurde die Oscar-Preisträgerin Michelle Yeoh mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk gewürdigt. Der Eröffnungsfilm „No Good Men“ von Regisseurin Shahrbanoo Sadat blieb jedoch hinter den hohen Erwartungen zurück und sorgte für gemischte Reaktionen.

Regenwetter und Glamour am Roten Teppich

Am Donnerstag bot Berlin eines jener verregneten Bilder, die typisch für den Februar sind. Berlinale-Chefin Tricia Tuttle begrüßte in pastellfarbener Winterrobe tapfer die deutsche Prominenz auf dem Roten Teppich vor dem Berlinale-Palast. Der Dauerregen machte jedoch nicht nur den hartgesottenen Fans sichtlich keinen Spaß. Schnell ins Trockene hieß es für Ehrenbär-Preisträgerin Michelle Yeoh ebenso wie für Jurypräsident Wim Wenders und seine Mitjuroren.

In den kommenden zehn Tagen wird das Wetter hoffentlich kein großes Gesprächsthema bleiben. Vielmehr bleibt zu hoffen, dass die 22 Wettbewerbsbeiträge für genügend Gesprächsstoff über Kunst, Kultur und Politik sorgen. Die Berlinale steht ohnehin mehr für inhaltliche Tiefe als für reinen Glamour, Hollywoodstars und sonniges Festivalwetter wie in Venedig oder Cannes.

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Michelle Yeoh erhält Goldenen Ehrenbären

Für einen Hauch von Glamour war an der Spree zur Eröffnung dennoch gesorgt: Aus Hollywood war Regisseur-Wunderkind Sean Baker angereist, nicht nur um seinen Kurzfilm „Sandiwara“ mit Michelle Yeoh in der Hauptrolle vorzustellen, sondern auch um die Laudatio für die 63-jährige Schauspielerin zu halten. Yeoh erhielt den Goldenen Ehrenbären für ihr herausragendes Lebenswerk.

Die asiatische Schauspielerin hat mit Ang Lee „Tiger & Dragon“ gedreht, ist bei James Bond aufgetreten und hat dem Oscar-Gewinner „Everything Everywhere All at Once“ eine Seele gegeben. In ihrer bewegenden Dankesrede beschwor Yeoh die Magie des Kinos: „Träume haben kein Verfallsdatum“, betonte sie und unterstrich, wie dringend Menschen in schwierigen Zeiten diese Inspiration benötigen.

40 Jahre Teddy-Preis und politische Untertöne

Durch die gut einstündige Eröffnungszeremonie führte einmal mehr die eloquente Désirée Nosbusch, diesmal im aparten Marlene-Dietrich-Outfit. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der „Teddy“, der in diesem Jahr zum 40. Mal verliehen wird. Dieser ikonische Filmpreis für queeres Kino hat der Berlinale in all ihren Sektionen ein unverwechselbares Gesicht der Diversität und des Miteinanders gegeben. Dem Jubiläum wird in diesem Jahr eine gesonderte Filmreihe gewidmet.

Politische Bekundungen blieben auf dem Roten Teppich zurückhaltend, doch ein Hannah-Arendt-Zitat auf Plakaten („Kein Mensch hat das Recht, zu gehorchen“) deutete an, dass in den kommenden Tagen unverblümt politische Verarbeitungen des Weltgeschehens zu erwarten sind. Intendantin Tuttle und Jurypräsident Wenders betonten jedoch, dass neben der politischen Botschaft auch die künstlerisch-handwerkliche Umsetzung entscheidend für einen gelungenen Festivalfilm sei.

„No Good Men“: Eröffnungsfilm über Afghanistan

Der Eröffnungsfilm „No Good Men“ von Shahrbanoo Sadat, maßgeblich von deutschen Filmförderanstalten unterstützt, sollte Politik und Unterhaltung vereinen. Der Film begleitet den Werdegang einer Kamerafrau kurz vor der Machtübernahme der Taliban in Kabul im Jahr 2021. Die selbstbewusste Journalistin erlebt die Vorurteile einer fundamental religiös geprägten Weltsicht, in der Frauen allenfalls ein Platz am Rande der Gesellschaft zugebilligt wird.

Ihr Credo lautet, dass es in Afghanistan keine „guten Männer“ gebe – eine Überzeugung, die sie jedoch revidieren muss, als sie mit dem verständnisvollen Reporter Qodrat ihres Senders Kabul News zunehmend privat zu tun hat. Der Film firmiert nicht im Wettbewerb um den Goldenen Bären, sondern als „Berlinale Special Gala“.

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Gemischte Kritiken zum Eröffnungsfilm

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, warum „No Good Men“ nicht im Hauptwettbewerb vertreten ist. Zwar vereint der Film grundsätzlich viele Tugenden eines guten Wettbewerbsfilms, bleibt aber in der Umsetzung oberflächlich. Die Geschichte ist durch ihren ernsten und wahren Hintergrund relevant, doch die Ausarbeitung wirkt stellenweise zu leicht.

Der Film schwelgt in Female Empowerment, verliert sich aber ebenso in klischeehaften Vorurteilen. Das Negative wird primär anhand religiös verblendeter Männer vorgeführt, während weibliche Vernunft ausschließlich über fortschrittlich aufgeklärte afghanische Frauen definiert wird. Dramatisch mitreißend wird die Handlung erst gegen Ende, wenn die grotesken Rettungsaktionen des Westens am Flughafen von Kabul nach der Machtergreifung der Taliban thematisiert werden.

So bleibt „No Good Men“ allenfalls ein Vorgeschmack dessen, was hoffentlich in den kommenden Tagen der Berlinale 2026 in intensiven Detailbeobachtungen auf der großen Leinwand präsentiert wird. Die Erwartungen an die 22 Wettbewerbsfilme und die weiteren Sonderveranstaltungen bleiben hoch.