Fernsehtipps zum Wochenende: Viel Lärm wieder um Sydney Sweeney
Eine RomCom mit Hollywoods Jungstar, Diane Kruger mit geteiltem Körper, Adam Driver gegen die CIA und ein Berlinale-Gewinner – das sind die Filmtipps zum Wochenende. Von Markus Ehrenberg. Stand: heute, 14:02 Uhr.
Alle strömen ins Kino, auf die Berlinale. Aber auch im Fernsehprogramm an diesem Wochenende steckt viel Filmkunst, zum Beispiel der Neo-Western „Hi-Lo Country“ mit Woody Harrelson und Penélope Cruz oder „Hot Summer Nights“, eine Coming-of-Age-Story mit Timothée Chalamet.
1 Seelen (Samstag, ZDFneo, 20:15 Uhr)
Planet Erde, irgendwann in der Zukunft. Fast die gesamte Menschheit ist von sogenannten Seelen besetzt. Diese nisten sich in die menschlichen Körper ein. Nur wenige Menschen leisten Widerstand und überleben in Bergen, Wüsten und Wäldern. Wie Melanie, deren Bewusstsein sich dagegen wehrt, aus ihrem Körper verdrängt zu werden. Sie teilt ihn notgedrungen mit der Seele Wanda und kämpft darum, ihren Geliebten Jared wiederzufinden, der sich mit anderen Rebellen in der Wüste versteckt hält.
Science Fiction kann einem ja viel erzählen, aber die Story ist schon ziemlich verstiegen. Andrew Niccol, der mehrere Auszeichnungen für seine Sci-Fi-Dystopie „Gattaca“ erhielt, ist wieder in seinem Element. Er adaptiert hier 2013 einen Science-Fiction-Roman der mit der „Twilight“-Saga sehr erfolgreichen Autorin Stephenie Meyers. Mittendrin: Saoirse Ronan („Wer ist Hanna?“) und Diane Kruger als Rivalinnen sowie Jeremy Irons Sohn Max als Love Interest.
2 The Report (Samstag, One, 22 Uhr)
Der idealistische Mitarbeiter Daniel J. Jones (Adam Driver) wird von Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening) beauftragt, eine Untersuchung des CIA-Folter- und Verhörprogramms zu leiten, das nach den Ereignissen des 11. September ins Leben gerufen wurde. Jones deckt auf, in welchem Ausmaß die führende Geheimdienstbehörde des Landes Beweise zerstörte, das Gesetz unterlief und versuchte, die Wahrheit vor der Öffentlichkeit zu verbergen.
Fesselnder Enthüllungsthriller aus 2019 von Scott Z. Burns, basierend auf wahren Begebenheiten (und mit erstaunlich wenig linksliberaler Moralpredigt). Der Film hat die Fakten auf seiner Seite, die unbedingt erzählt werden müssen, damit sich die Vorfälle nicht wieder ereignen. Nur die deutsche Synchronstimme des grandiosen Adam Driver nervt. Den Film im Original gibt’s bei Amazon Prime Video.
3 Wo die Lüge hinfällt (Sonntag, RTL, 20:15 Uhr)
Zufällig begegnen sich die Jurastudentin Bea und der Börsenmakler Ben in einem Café. Beide sind voneinander angetan und verbringen Tag und Nacht miteinander. Dann hört Bea, dass Ben schlecht über sie spricht. Sie geht. Erst auf einer Hochzeit in Sydney treffen sich die beiden wieder. Die Stimmung ist unterkühlt, doch da alle ihre Freunde und Verwandten sie verkuppeln wollen, geben sich Ben und Bea als Paar aus, um Ruhe zu haben.
Beschwingte RomCom als Free-TV-Premiere mit einer – sehr – freien Neuadaption von William Shakespeares Theaterstück „Viel Lärm um nichts“, schönen Meeres-Kulissen, Glen Powell und Sydney Sweeney (HBO-Serie „Euphoria“). Der Jungstar stand zuletzt zum Kinostart des Thrillers „The Housemaid“ in den Schlagzeilen, als er sich von rechten Zuschreibungen distanzierte. Wegen einer Jeans-Werbung war Sweeney von rechten Kreisen bejubelt worden.
4 Hi-Lo Country – Im Land der letzten Cowboys (Arte, Sonntag, 20:15 Uhr)
Die Freunde Pete Calder und Big Boy Matson kämpfen als Kleinrancher gegen den Großgrundbesitzer Jim Ed Love und den Lauf der Zeit. Das wenige Geld, das sie als Soldaten im Zweiten Weltkrieg verdient haben, stecken sie in die traditionelle Viehzucht, obwohl man davon in den späten 40er Jahren nicht mehr leben kann. Sie genießen ihre Freiheit, bis sie sich beide in die gleiche Frau verlieben: Mona, die mit dem Vorarbeiter ihres Widersachers Jim Ed verheiratet ist. Für einen von ihnen endet die Romanze tödlich.
Klassische Westernhelden mit Figuren des Film noir vermischt: Der Brite Stephen Frears belebte 1999 das Western-Genre. Wir sehen gebrochene Kriegsheimkehrer, die es nicht schaffen, ihre Gefühle zu artikulieren, und an eigenen Widersprüchen scheitern. Frears erhielt für den wehmütigen Neo-Western mit starkem Cast (Woody Harrelson, Billy Crudup, Patricia Arquette und Penélope Cruz) den Silbernen Bären der Berlinale 1999.
5 Hot Summer Nights (Sonntag, ARD, 0.05 Uhr)
Ein Film auf der Retrowelle: „Hot Summer Nights“ in den 1990er Jahren an der US-Ostküste. Hauptdarsteller Timothée Chalamet, Newcomer des US-Kinos, beeindruckt als zunächst schüchterner Junge, der sich zum Drogenhändler aufschwingt und dabei unerschütterliches Selbstbewusstsein entwickelt. Regisseur Elijah Bynum verbindet bei seinem Debütfilm die Coming-of-Age-Story mit einem Gangsterplot. Die Ankündigung eines gewaltigen Hurrikans lässt erahnen, dass die mit Tempo und Humor erzählte Geschichte ein schlechtes Ende nehmen könnte.
Alleine schon wegen Timothée Chalamet und des exquisiten Soundtracks – von David Bowie’s „Space Oddity“ bis zu The Shangri-Las’ „Remember (Walkin’ In The Sand)“ – ein sehenswerter Film mit dem Zeitgeist der frühen 1990er Jahre.



