Berlinale-Highlight: Isabelle Huppert verwandelt sich in blutrünstige Vampirin
Die Filmfestspiele in Berlin präsentierten ein außergewöhnliches Werk: In der grotesken Komödie „Die Blutgräfin“ schlüpft die französische Schauspiellegende Isabelle Huppert in die Rolle einer mordenden Vampirin, die durch Wien streift. Bei der Weltpremiere auf der Berlinale verriet die 72-jährige Künstlerin, dass sie großen Spaß daran hatte, einen Vampir zu verkörpern. „Es hat Spaß gemacht, einen Vampir zu spielen“, betonte Huppert und fügte hinzu, dass Regisseurin Ulrike Ottinger dem Genre eine völlig neue Dimension verliehen habe.
Ottingers visionäre Inszenierung und Hupperts Beißwunsch
Die Kultregisseurin Ulrike Ottinger (83) offenbarte im Gespräch mit dem „Tagesspiegel“, dass Huppert unbedingt eine authentische Vampirin darstellen wollte. „Sie sagte: 'Ich möchte mindestens einmal richtig zubeißen!' Den Wunsch habe ich ihr gerne erfüllt“, so Ottinger. Allerdings musste die Schauspielerin auf umfangreiche Dialoge verzichten, denn Ottinger ist überzeugt: „Ein Vampir sollte nicht so gesprächig sein.“ Die Filmemacherin, die als Visionärin gilt, spielt gekonnt mit den Konventionen des Genres und schafft damit eine einzigartige Atmosphäre.
Historische Inspiration und künstlerische Zusammenarbeit
Der Film basiert auf der Legende der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory, die im 17. Jahrhundert Dutzende Mädchen getötet haben soll, um durch ihr Blut ewige Jugend zu erlangen. Für die Dialoge arbeitete Ottinger mit der österreichischen Autorin und Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zusammen. Die Idee zum Drehbuch entstand bereits im Jahr 1998, wie Ottinger bei der Premiere verriet, die mit viel Beifall gefeiert wurde. Diese lange Entwicklungszeit spiegelt sich in der tiefgründigen und kunstvollen Umsetzung wider.
Lars Eidinger: Vom Vampir zum Therapeuten
Der deutsche Schauspieler Lars Eidinger (50) spielt in dem Film den Therapeuten Theobald Tandem, hatte jedoch ursprünglich auf eine andere Rolle gehofft. „Ich hatte erwartet, ein Vampir zu sein, aber dann schickten sie mir das Drehbuch und es stellte sich heraus, dass ich der Therapeut des Vampirs bin“, erklärte Eidinger. Dennoch sagte er zu, da ihn die Zusammenarbeit mit Ottinger reizte. „Es kommt nicht oft vor, dass man jemanden trifft, der eine solche Punk-Haltung so verkörpert wie sie“, so der Schauspieler, der für seine Rollen in Produktionen wie „Jay Kelly“ und „Sterben“ bekannt ist.
Weitere prominente Besetzung und skurrile Charaktere
Neben Huppert und Eidinger bereichern weitere bekannte Gesichter den Film:
- Tom Neuwirth, besser bekannt als Conchita Wurst, hat mehrere Auftritte.
- Birgit Minichmayr („Andrea lässt sich scheiden“, „Alle anderen“) spielt die Zofe der Blutgräfin.
- Thomas Schubert („Roter Himmel“) verkörpert den Sonderling der Vampirfamilie – einen vegetarischen Vampir mit dem wunderbaren Namen Rudi Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau.
Diese vielfältige Besetzung unterstreicht den einzigartigen und experimentellen Charakter von Ottingers Werk, das auf der Berlinale für Furore sorgte und das Publikum mit seiner Mischung aus Grusel, Komik und künstlerischer Tiefe begeisterte.



