Michelle Yeoh erhält Goldenen Ehrenbären bei bewegender Berlinale-Eröffnung
Michelle Yeoh: Tränenreicher Auftakt bei Berlinale

Emotionale Ehrung für Michelle Yeoh zum Berlinale-Auftakt

Die 74. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind mit einem bewegenden Moment eröffnet worden. Die malaysische Schauspielerin Michelle Yeoh, die 2023 für ihre Rolle in „Everything Everywhere All at Once“ den Oscar als beste Hauptdarstellerin gewann, erhielt den Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk. Bei der Verleihung kam es zu einem tränenreichen und sehr persönlichen Auftritt der 63-Jährigen.

Persönliche Worte an den verstorbenen Vater

„Bitte gestatten Sie mir diesen einen Moment“, sagte Yeoh auf der Bühne des Berlinale-Palasts, während ihr langsam die Tränen kamen. In ihrer Rede erinnerte sie an ihren Vater, der diesen besonderen Abend nicht mehr miterleben könne. „Ein Teil von mir ist immer noch das junge Mädchen, das einfach nur seine Eltern stolz machen wollte. Ich denke jetzt an sie, an das stille, sehr stille Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, als ich mir selbst manchmal unsicher war.“

Die Schauspielerin, die durch Filme wie „Tiger and Dragon“ und „Wicked“ international bekannt wurde, betonte die Werte, die ihr Vater ihr vermittelt habe: „Seine Disziplin, seine Beständigkeit, seine Überzeugung, dass alles, was es wert ist, getan zu werden, es auch wert ist, gut getan zu werden. Wenn er mich heute Abend hier stehen sehen könnte, mit diesem Goldenen Bären in den Händen, würde er lächeln, das weiß ich.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Standing Ovations und politische Akzente

Das Publikum reagierte mit minutenlangen Standing Ovations auf die emotionale Rede. In seiner Laudatio würdigte Regisseur Sean Baker, Gewinner der Goldenen Palme für „Anora“, Yeoh als ideale Preisträgerin für ein Festival, das traditionell „kühne Stimmen“ feiere. Sie habe „Anmut in die Gefahr, Intelligenz in die Action und Menschlichkeit ins Spektakel“ gebracht.

Yeoh selbst hob die Bedeutung der Berlinale hervor: Das Festival stehe für mutiges Erzählen, für Filme, die schwierige Fragen stellten und dem Publikum die Antworten zutrauten. In einer Welt, die sich leicht spalten lasse, sei es „leise radikal“, gemeinsam im dunklen Kino zu sitzen und eine Geschichte zu teilen.

Politische Filme und Protestaktionen

Der Eröffnungsfilm „No Good Men“ der afghanischen Regisseurin Shahrbanoo Sadat setzte gleich zu Beginn politische Akzente. Das außer Konkurrenz laufende Politdrama erzählt von einer Kamerafrau in Kabul, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Sadat war selbst 2021 aus Afghanistan evakuiert worden und lebt heute in Hamburg.

Auf dem roten Teppich kam es zu mehreren Protestaktionen. Die deutsch-iranische Schauspielerin Jasmin Tabatabai erinnerte mit anderen an die blutige Niederschlagung von Protesten im Iran. „Es ist die schlimmste Katastrophe, an die ich mich erinnern kann“, sagte Tabatabai. „Die dunkelste Zeit, die die iranischen Menschen durchmachen.“

Schauspielerin Iris Berben äußerte sich besorgt über die politische Entwicklung in den USA: „Wir bewegen uns zurück mit allem, was wir bereits erreicht haben. Wir müssen wachsam sein, wir müssen wehrhaft sein und wir müssen vor allen Dingen uns miteinander verknüpfen, damit wir Kraft haben.“

Technische Probleme und prominente Gäste

Bereits am Morgen hatte sich die Internationale Jury unter Vorsitz von Regisseur Wim Wenders („Paris, Texas“) vorgestellt. Der Livestream der Pressekonferenz setzte mehrfach aus, unter anderem als ein Journalist die Jurymitglieder nach einer Positionierung im Gaza-Krieg fragte. Die Berlinale wies Vorwürfe der Zensur auf Instagram zurück und sprach von technischen Problemen.

Unter den prominenten Gästen der Eröffnungsgala befanden sich Daniel Brühl, Lars Eidinger, das frisch verheiratete Paar Matthias Schweighöfer und Ruby O. Fee sowie US-Schauspieler Neil Patrick Harris („How I Met Your Mother“). Rapper Soho Bani performte auf dem roten Teppich, während zahlreiche Fans trotz Regens ausharrten.

Wettbewerb bis zum 22. Februar

Die Berlinale läuft noch bis zum 22. Februar. Insgesamt 22 Filme konkurrieren in diesem Jahr um den Goldenen Bären, den Hauptpreis des Festivals. Die Internationale Jury unter Wim Wenders wird die Preisträger bestimmen und dabei sicherlich auch die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen der eingereichten Werke berücksichtigen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Mit der emotionalen Ehrung von Michelle Yeoh und dem politischen Eröffnungsfilm hat die 74. Berlinale gleich zu Beginn gezeigt, dass sie sowohl persönliche Geschichten als auch gesellschaftlich relevante Themen in den Fokus rücken will. Das Festival bleibt damit seinem Ruf als Plattform für mutiges und anspruchsvolles Kino treu.