Der Einstieg erzählt schon viel, ohne Worte: Eine junge Frau arbeitet sich mühsam, aber unbeirrt über die Stühle im Zuschauerraum. Reihe um Reihe, bis sie die Bühne in der Kammer des neuen theaters Halle erreicht. Aline Bucher spielt, nein – sie ist in der Inszenierung der „Lungenschwimmprobe“ nach dem Roman des Norwegers Tore Renberg die 15-jährige Anna Voigt, die Ende des 17. Jahrhunderts auf Gut Greitschütz bei Elstertrebnitz in Sachsen ein totes Kind geboren hatte.
Ein spektakulärer Kriminalfall aus der Region
Die Geschichte, die sich 1681 zutrug, ist ein spektakulärer Kriminalfall aus der Region. Mille Maria Dalsgaard hat den Stoff für das Theater adaptiert und inszeniert ihn nun am neuen theater Halle. Die „Lungenschwimmprobe“ war damals eine umstrittene Methode, um festzustellen, ob ein Neugeborenes tot geboren oder nach der Geburt getötet wurde. Anna Voigt wurde beschuldigt, ihr Kind umgebracht zu haben – ein Vorwurf, der sie vor Gericht brachte und ihr Leben für immer veränderte.
Eine intensive Inszenierung
Die Inszenierung von Mille Maria Dalsgaard besticht durch ihre Intensität und die eindringliche Darstellung der Hauptfigur. Aline Bucher verkörpert Anna Voigt mit einer solchen Authentizität, dass das Publikum die Verzweiflung und Angst des Mädchens hautnah miterlebt. Die Bühnenbildgestaltung und die Lichtregie unterstützen die düstere Atmosphäre des Stücks und lassen die Zuschauer in die Welt des 17. Jahrhunderts eintauchen.
Die Adaption des Romans von Tore Renberg ist nicht nur ein fesselndes Theatererlebnis, sondern auch ein Stück Regionalgeschichte, das zum Nachdenken anregt. Es stellt Fragen nach Schuld, Gerechtigkeit und den Methoden der damaligen Rechtsprechung. Die „Lungenschwimmprobe“ wird so zu einer Parabel auf die menschliche Suche nach Wahrheit und die oft schmalen Grenzen zwischen Leben und Tod.
Das neue theater Halle zeigt mit dieser Produktion einmal mehr seine Stärke in der Umsetzung anspruchsvoller Stoffe. Die Inszenierung ist ein Muss für alle, die sich für historische Kriminalfälle und packendes Theater interessieren.



