Der letzte Einsatz: Peter Kurth verabschiedet sich aus dem Polizeiruf Halle
Ein drittes und letztes Mal betritt Kommissar Henry Koitzsch, verkörpert von Peter Kurth, die Wohnungen einsamer Mordopfer in Halle an der Saale. Die Traurigkeit scheint von den altmodischen Tapeten zu tropfen, während sich der Ermittler in die Einsamkeit der Verstorbenen versenkt – vielleicht weil sie ihm selbst nicht ganz fremd ist. Zu Hause belohnt er sich regelmäßig mit zwei, drei oder vier Gläsern Whisky, doch selbst der beste Tropfen spendet irgendwann keinen Trost mehr.
Lakonische Ermittlungen zwischen DDR-Vergangenheit und Bindungssucht
Die finale Folge der Halle-Trilogie führt Koitzsch und seinen Kollegen Lehmann (Peter Schneider) tief in die DDR-Vergangenheit. Jugendheime, Staatssicherheit und systemische Repression bilden den Hintergrund für einen Fall, der mit dem Tod einer Rentnerin in der Badewanne beginnt. Parallel dazu sorgt die charismatische „Frau Sommer“ (Cordelia Wege) für Momente fast obsessiver Geselligkeit. Die selbsternannt „bindungssüchtige“ Frau gesteht im Stuhlkreis einer Selbsthilfegruppe, zeitweise vier Freunde und zahlreiche Geliebte gleichzeitig gepflegt zu haben – ein Kontrastprogramm zur tödlichen Einsamkeit der Opfer.
Clemens Meyers literarische Krimi-Trilogie findet ihr Ende
Alle drei Folgen des Halle-Polizeirufs stammen aus der Feder des Schriftstellers Clemens Meyer, der als Chronist der Wendejahre bekannt ist. Seine Geschichten fokussieren sich auf die Verlierer und Traumatisierten des gesellschaftlichen Umbruchs. Regisseur Thomas Stuber, mit dem Meyer bereits das Boxerdrama „Herbert“ realisierte, inszenierte auch diese Krimis. Nach aktuellen Berichten haben sich Autor und Regisseur jedoch verkracht, weshalb die Trilogie nun ihr planmäßiges Ende findet. Der letzte gemeinsame Film wurde bewusst von allem Firlefanz befreit und reduziert sich auf das Wesentliche.
Ein leiser Abschied: Schweigen und Ukulelen-Klänge
Dieser Polizeiruf ist lakonisch bis kurz vor dem Verstummen. Peter Kurth agiert als großer Schweiger, der sich leiser aus einem Sonntagskrimi verabschiedet als je ein Kommissar zuvor. Die wenigen hellen Momente verdankt die Episode der ukulelespielenden Frau Sommer, deren leises Lachen und Zirpen wie Oasen in einer Wüste der Stille wirken. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wenn die Einsamkeit einen von innen auffrisst, hinterlässt selbst der beste Whisky nur ein trauriges Brennen. Die Trilogie aus Halle bewertet der SPIEGEL mit 8 von 10 Punkten und setzt damit einen würdigen Schlusspunkt unter eine außergewöhnliche Krimireihe.



