Polizeiruf-Abschied aus Halle: Peter Kurths letzter Fall als Suff-Cop
Polizeiruf-Abschied: Peter Kurths letzter Fall als Suff-Cop

Abschied eines Suff-Cops: Der letzte Polizeiruf aus Halle

Der ARD-Sonntagskrimi verabschiedet sich mit Wehmut aus Halle an der Saale. In der finalen Folge der Trinker-Saga kippt Peter Kurth als Kommissar Henry Koitzsch die letzten Gläser – doch dieser Polizeiruf ist mehr als nur eine versoffene Tour. Die von Clemens Meyer entwickelte Krimi-Elegie verbindet Alkoholismus mit DDR-Geschichte, Tränen und unerwarteten Gesangseinlagen.

Ein wortkarger Ermittler und seine stummen Gesprächspartner

Das Szenario beginnt mit einer einsamen Rentnerin als Mordopfer. Für den wortkargen Kommissar Koitzsch sind Opferwohnungen bevorzugte Aufenthaltsorte – hier redet niemand auf ihn ein. Doch irgendwann beginnen selbst die Wände zu sprechen. Sie erzählen von Gefängnissen, Industrieruinen und dem gesamten Repressionsprogramm der DDR. Tote schwafeln nicht, aber sie hinterlassen Spuren, die für den alkoholkranken Ermittler beredter sind als jedes Verhör.

Die Entwicklung einer Figur über fünf Jahre

Im ersten Fall aus dem Jahr 2021 hatte Peter Kurth als Suff-Cop noch einen humorvollen One-Night-Stand mit einer Best-Agerin. 2024 entwickelte sich dann das starke Verhältnis zu seinem Kollegen Lehmann, gespielt von Peter Schneider. In diesem Finale spricht der Ermittler vor allem mit seiner Flasche – und den Toten. Die von Clemens Meyer, einem in Halle geborenen Schriftsteller, entwickelte TV-Revier wird nun endgültig verrammelt und vernagelt. Eine Ostruine mehr in der deutschen Krimilandschaft.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Musikalische Kontrapunkte und emotionale Brüche

Cordelia Wege als „Frau Sommer“ setzt bereits im ersten Halle-Polizeiruf helle Kontrapunkte. Im Finale spielt sie wie Marilyn Monroe auf der Ukulele und erklärt jedem, der es hören will, ihre angebliche „Bindungssucht“. Ihr Gesang vor einer Selbsthilfegruppe – „Das erste Mal tat's noch weh“ von Victor Lazlo & Stefan Waggershausen – wird zum wehmütigen Soundtrack der Wendejahre.

Ein besonderer Moment: Kommissar Koitzsch stellt den Whisky auf seine nackte Brust, starrt ins Feuer und weint hemmungslos zur aufwühlenden Musik. Diese kurze Szene bricht klug mit dem coolen Schweiger-Image, das der Ermittler stets pflegte.

Bewertung und Perspektive

Mit 8 von 10 Punkten bewertet, markiert diese Folge den elegischen Abschluss einer außergewöhnlichen Krimi-Reihe. Kaum vorstellbar, dass Schöpfer Clemens Meyer hier noch einmal nachschenken würde. Der Polizeiruf „Der Wanderer zieht von dannen“ läuft am Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten und beendet damit eine Ära des deutschen Fernsehkrimis, die durch ihre melancholische Tiefe und charakterstarke Darstellung bestach.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration