Tarantinos Vision wird endlich Realität: 'Kill Bill' als ungekürztes Epos
Nach mehr als zwei Jahrzehnten des Wartens erleben Tarantino-Fans endlich die vollständige Realisierung eines filmischen Meisterwerks. Das legendäre Rache-Epos 'Kill Bill: The Whole Bloody Affair' kommt in seiner ursprünglich geplanten Form als Director's Cut in die deutschen Kinos. Mit einer Laufzeit von beeindruckenden 275 Minuten präsentiert sich das Werk nun so, wie Regisseur Quentin Tarantino es von Anfang an konzipiert hatte.
Von der Zweiteilung zur Komplettfassung
Ursprünglich hatte Tarantino die Geschichte der Killer-Braut, meisterhaft verkörpert von Uma Thurman, als ein einziges, monumentales Epos gedreht. Doch damals entschied sich Produzent Harvey Weinstein von Miramax, den Film in zwei Teile zu splitten. 'Kill Bill – Volume 1' und 'Kill Bill – Volume 2' erschienen mit sechs Monaten Abstand in den Jahren 2003 und 2004. Tarantino wehrte sich vehement gegen drastische Kürzungen, doch die Entscheidung für eine Zweiteilung war gefallen.
An seiner Vision eines zusammenhängenden Werkes hielt der Kultregisseur jedoch unerschütterlich fest. Bereits 2006 präsentierte er die 275-Minuten-Version bei den Filmfestspielen in Cannes und zeigte sie später in seinem eigenen Kino, dem New Beverly Cinema in Los Angeles. Doch erst jetzt, nach über 20 Jahren, erhält das breite Publikum die Gelegenheit, diese Komplettfassung in all ihrer blutroten Farbpracht auf der großen Leinwand zu erleben.
Ein temporeicher Genre-Mix mit Starbesetzung
Ab diesem Donnerstag (16. April) läuft 'Kill Bill: The Whole Bloody Affair' in deutschen Kinos an – sowohl in digitaler Form als auch mit speziellen 70mm-Kopien. Für cineastisch interessierte Fans mit entsprechendem Sitzfleisch verspricht dies ein absolutes Highlight. Die gut viereinhalb Stunden voller Rache, Blutvergießen und Schwertkampf-Action erweisen sich dabei als überraschend kurzweilig, nicht zuletzt dank Tarantinos meisterhafter Inszenierung und der herausragenden Starbesetzung.
Uma Thurman brilliert als Auftragskillerin 'Black Mamba', die von ihrem Boss und Liebhaber Bill – gespielt von der Kung-Fu-Ikone David Carradine – schwanger wird und deshalb aus dem Profikiller-Ring aussteigen möchte. Sie taucht unter und plant eine Hochzeit mit einem ahnungslosen Mann. Doch dann spüren Bill und ihre ehemaligen Killer-Kolleginnen sie auf und metzeln die Hochschwangere samt der gesamten Hochzeitsgesellschaft in einer Kirche nieder. Trotz einer Kugel im Kopf überlebt die Braut und erwacht nach vier Jahren im Koma mit nur einem Gedanken: Rache.
Neue Details in der Director's-Cut-Fassung
Tarantino hält in der langen Fassung an seiner charakteristischen, verschachtelten Erzählweise mit zehn Kapiteln fest. Die Unterschiede zur ursprünglichen Kinoversion stecken jedoch im Detail. Besonders auffällig ist die neu gestaltete Version der über 20-minütigen Kampfsequenz im japanischen Nachtclub 'House of Blue Leaves'. Dort finden O-Ren Ishii (Lucy Liu) und ihre Kampftruppe Crazy 88 ein grausames Ende.
Während in 'Kill Bill – Volume 1' Teile dieser legendären Szene in Schwarz-Weiß gezeigt wurden, um strengere Zensurauflagen zu umgehen, präsentiert sie sich nun komplett in Farbe – in einem intensiven Blutrot statt im dezenteren Grauton. Neu hinzugekommen ist außerdem eine siebenminütige Anime-Sequenz, die die traumatische Kindheit von O-Ren Ishii beleuchtet und erklärt, wie sie zu einer gefürchteten Killerin wurde. Im Abspann findet sich zudem ein zusätzlicher Zeichentrick-Kurzfilm mit dem Titel 'Yuki's Revenge'. Für die Zuschauer hat Tarantino mittendrin sogar eine viertelstündige Pause eingeplant.
Tarantinos filmisches Erbe und mögliche Zukunft
Als Autorenfilmer macht Quentin Tarantino bekanntlich kaum Kompromisse. Er führt Regie, schreibt die Drehbücher, ist häufig selbst Produzent – ein kreatives Genie ohne formellen Schulabschluss. Geboren 1963 in Los Angeles, wuchs er bei seiner jung geschiedenen Mutter auf und verbrachte unzählige Stunden in Ghetto-Kinos, wo er seine Leidenschaft für Kung-Fu-Filme und Western entdeckte. Sein filmisches Handwerk erlernte er durch Jobs in Videoläden und Schauspielunterricht, bevor er 1992 mit 'Reservoir Dogs' seinen ersten Kinoerfolg feierte.
Tarantino, der mittlerweile mit seiner Frau, der Sängerin Daniella Pick, in Israel lebt und 2022 zum zweiten Mal Vater wurde, hat bereits mehrfach angedeutet, dass er nach seinem zehnten Spielfilm als Regisseur aufhören möchte. Offiziell zählt er neun Filme, wobei er 'Kill Bill' stets als ein zusammenhängendes Werk betrachtet hat. Konkrete Pläne für sein möglicherweise letztes Filmprojekt sind derzeit nicht bekannt, doch die Hoffnungen der Fans auf einen weiteren Teil des 'Kill Bill'-Universums bleiben lebendig.
Bereits 2019 heizte Tarantino die Spekulationen an, als er in einem Podcast verriet, er habe kürzlich mit Uma Thurman über eine mögliche Fortsetzung gesprochen. Sollte es jemals einen weiteren Teil eines seiner Filme geben, so betonte er, dann wäre es mit großer Wahrscheinlichkeit ein dritter 'Kill Bill'. Bis dahin können sich die Fans jedoch erst einmal an der nun endlich verfügbaren, ungekürzten Fassung dieses filmischen Meisterwerks erfreuen.



