Kinofilm 'Vier minus drei' erzählt wahre Geschichte: Wie weiterleben, wenn die gesamte Familie stirbt?
Barbara Pachl-Eberhart (52) war gerade 26 Jahre alt, als ihr Leben im März 2008 eine dramatische Wendung nahm. Bei einem tragischen Autounfall verlor sie ihren Ehemann Helmut (†38), ihren sechsjährigen Sohn Thimo und ihre zweijährige Tochter Valentina. Aus einer vierköpfigen Familie wurde schlagartig eine Einzelperson – ein Schicksalsschlag, der kaum vorstellbar ist.
Von der Trauer zum Bestseller
Zwei Jahre nach dem Unglück verarbeitete Pachl-Eberhart ihre tiefe Trauer in einem Buch, das den bezeichnenden Titel 'Vier minus drei' trägt. Das Werk entwickelte sich schnell zu einem Bestseller und berührte zahlreiche Leser mit seiner authentischen und einfühlsamen Darstellung des Verlusts. Nun kommt die lang erwartete Verfilmung dieser bewegenden Geschichte in die deutschen Kinos.
Im Gespräch mit Journalisten in Wien spricht die Autorin ruhig und mit spürbarer Liebe über ihre Familie, die mitten aus dem Leben gerissen wurde. Die zentrale Frage, die sich durch ihre Geschichte zieht: Wie kann ein Mensch nach einem solchen Schicksalsschlag überhaupt weiterleben?
Die heilende Kraft des Clown-Daseins
Interessanterweise half Pachl-Eberhart ausgerechnet ihr früherer Beruf bei der Bewältigung der Trauer. Zehn Jahre lang hatte sie als Krankenhaus-Clown gearbeitet – ausgerechnet in derselben Klinik, in der ihre Kinder wenige Tage nach dem Unfall auf der Intensivstation verstarben.
„Clown zu sein ist eine Lebenseinstellung. Sie hat mir unglaublich geholfen in dieser Trauerzeit“, erklärt die Autorin. „Wir sind geübt im Improvisieren. Deshalb bin ich auch nicht verschluckt worden von der Trauer, weil ich jeden Tag wieder neu genommen habe und manche davon waren überraschend schön.“
Unkonventionelle Trauerbewältigung
Doch nicht alle Menschen in ihrem Umfeld konnten mit ihrer besonderen Art der Trauerbewältigung umgehen. Viele erwarteten den klassischen großen Schmerz mit anhaltenden Tränen, den Pachl-Eberhart jedoch nicht bieten konnte oder wollte.
„Dann haben mich Menschen teilweise so lang umarmt, bis ich doch geweint habe. Dann sagten sie: 'Ich bin so froh, dass du endlich weinst.' Als wäre ich ein Projekt“, erinnert sie sich. Stattdessen kanalisierte sie ihre Emotionen in das Schreiben ihres Buches, das 2010 veröffentlicht wurde und sich zu einem überraschenden Erfolg entwickelte.
Kein Hadern mit dem Schicksal
Bemerkenswerterweise hadert Barbara Pachl-Eberhart bis heute nicht mit ihrem schweren Schicksal. „Ich hatte nie dieses Gefühl: Warum passiert das mir? Als Clown im Krankenhaus habe ich erlebt, welche Bandbreite an Schicksalen es gibt. Wenn dein Kind mit drei Jahren Querschnitt gelähmt wird oder jahrelang an Krebs leidet. Vor diesen Menschen ziehe ich den Hut“, betont sie mit respektvoller Demut.
Neue Liebe und Familienbande
Nach dem tragischen Tod ihres Mannes fand die Autorin im österreichischen TV-Star Ulrich Reinthaller (61) eine neue Liebe. Ihr immenser Verlust dominierte das Kennenlernen von Anfang an. „Wir haben uns sehr schnell über Spiritualität, Glauben und das Leben nach dem Tod unterhalten“, erzählt sie offen.
Mit dem Schauspieler bekam sie eine Tochter, die heute neun Jahre alt ist. Die Ehe hielt jedoch nicht für immer – seit 2021 sind die beiden geschieden. 2025 heiratete Pachl-Eberhart zum dritten Mal. Ihr aktueller Ehemann Thomas kannte ihre tragische Geschichte zunächst nicht. „Er wollte mich einfach kennenlernen. Als die Frau, die ich heute bin“, erklärt sie diese besondere Begegnung.
Die filmische Umsetzung
Im Kinofilm verkörpert die renommierte Schauspielerin Valerie Pachner (38) die 'echte' Barbara Pachl-Eberhart, während Robert Stadlober (43) ihren verstorbenen Ehemann Helli darstellt. Der Film feierte bereits im Februar 2026 Weltpremiere an der Berlinale und startet nun am 16. April in den deutschen Kinos.
Die bewegende Geschichte von Barbara Pachl-Eberhart zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie ein Mensch selbst nach dem schwersten Verlust wieder Lebensmut finden kann. Ihr Weg von der tiefsten Trauer zur schriftstellerischen Verarbeitung und schließlich zur filmischen Umsetzung ist ein beeindruckendes Zeugnis menschlicher Resilienz.



