Wim Wenders reflektiert über kontroverse Juryentscheidungen und eine legendäre Drohung
Wim Wenders, der renommierte deutsche Regisseur, übernimmt in diesem Jahr den Vorsitz der Jury der Berlinale 2026. Mit 80 Jahren blickt er auf eine lange Karriere zurück, die auch von kontroversen Momenten bei Filmfestivals geprägt ist. In einem exklusiven Interview mit dem "Tagesspiegel" erinnert er sich an eine besonders dramatische Episode aus dem Jahr 1989, als er Jurypräsident beim Filmfestival von Cannes war.
Die Baseballschläger-Drohung von Spike Lee
Wenders berichtet, dass der US-amerikanische Regisseur Spike Lee nach der Preisverleihung in Cannes äußerst verärgert war, weil sein Film "Do the Right Thing" keinen Preis erhalten hatte. "Spike Lee war stinksauer und verkündete öffentlich, dass er in einer dunklen Gasse in New York mit einem Baseballschläger auf mich warten würde", so Wenders. Er betont jedoch, dass diese Wutrede wohl nicht ganz ernst gemeint war, auch wenn Lees Film bei der Presse als Favorit galt, aber nicht bei der Jury. "Wir hatten einfach nicht genug Preise für so viele tolle Filme", erklärt Wenders die schwierige Entscheidungsfindung.
Die Herausforderungen von Juryarbeit
Auf die Frage, ob er Angst habe, dass die Berlinale-Jury in diesem Jahr einen Fehler machen könnte, antwortet Wenders gelassen: "Eigentlich nicht, wenn man sich gut und ehrlich ausgesprochen hat. Dann mögen zwar viele sagen, wir hätten die falschen Entscheidungen gefällt, aber das liegt in der Natur der Sache. Irgendjemand will immer den Baseballschläger rausholen." Er fügt hinzu, dass der einzige wirkliche Fehler, den Jurys unterlaufen könne, darin bestehe, wenn Mitglieder für einen Film kämpfen, nur weil er aus ihrem Land stamme. "Nationalität allein kann kein Kriterium sein", betont er nachdrücklich.
Wim Wenders' filmisches Erbe und Verbindung zur Berlinale
Wim Wenders ist einer der bedeutendsten Vertreter der deutschen Filmkunst und seit den 1970er Jahren international erfolgreich. Mit Klassikern wie "Der amerikanische Freund" und "Der Himmel über Berlin" hat er sich in die Filmgeschichte eingeschrieben. Seine jüngste Arbeit, der Spielfilm "Perfect Days" aus dem Jahr 2023, erhielt viel Lob und wurde für einen Oscar nominiert, was seine anhaltende Relevanz unterstreicht.
Seine Verbindung zur Berlinale reicht weit zurück: Im Jahr 2000 eröffnete sein Film "The Million Dollar Hotel" das Festival, und 2015 wurde er für seine herausragenden Verdienste um Film und Kino mit dem Goldenen Ehrenbären ausgezeichnet. In diesem Jahr findet die Berlinale vom 12. bis 22. Februar statt, und Wenders wird als Jurychef eine zentrale Rolle spielen, um die besten Filme auszuwählen und dabei sicherlich auch kontroverse Diskussionen zu provozieren.



