Helge Schneider hat sein Publikum im Circus Krone mit seinem neuen Programm „Ellebogen vom Tich!“ verzaubert. Der Entertainer zeigte nicht nur seine musikalischen Fähigkeiten, sondern auch eine echte Zaubernummer. Mit einem roten Geschirrtuch, das er wie ein überdimensionales Einstecktuch trug, ließ er eine Handpuppe eines Affen aus DDR-Zeiten verschwinden und wieder auftauchen. Dabei scheute er keine Mühe: Auf der Suche nach dem Affen kroch er auf allen vieren um seinen Gitarristen Sandro Giampietro herum, hob das Stofftier vom Boden auf und zauberte es unter dem Tuch hervor. Anschließend spielte er ein grandioses Trompetensolo – auf jener Trompete, die ihm angeblich Louis Armstrong geschenkt haben soll.
Helge Schneider: Ein Künstler zwischen den Genres
Helge Schneider entzieht sich jeder Kategorisierung. Für einen Konzertmusiker ist er zu albern, für einen Comedian zu musikalisch und zu ernst. Er bewegt sich in einem Zwischenraum: zwischen Macho und Melancholie, zwischen Albernheit und musikalischer Virtuosität. Er spielt Klavier, Trompete, Saxophon und Schlagzeug. Seine Lieder handeln von seiner Mutter, die ihm keine Bierkästen mehr schleppen will, von Mackie Messer mit Kukident-Zähnen oder von Bier und Erdnussflips. Es ist ein Konzert im Gewand des Dadaismus. Florian Illies bezeichnete ihn kürzlich als „Bruder im Geiste“ von Christoph Schlingensief, der ebenfalls zwischen den Formen flirrte. Helge Schneider erinnert sich an Schlingensief als „unheimlich lustigen Menschen“. In einem Interview von 1999 wünschte er sich ein Publikum „ohne Forderungen“ und „mit einer gewissen Tristesse, dann kann man helfen“.
Ein Abend voller Überraschungen
Helge Schneider verweigert sich den Erwartungen des Publikums. Statt „Katzeklo“ zu spielen, interpretiert er Duke Ellingtons „Mood Indigo“ auf dem Vibraphon. Er erzählt von Brasilien, einem Land, in dem er nie war, dessen Rhythmen er aber liebt: „Salsa, Samba, Sambal Oelek“. Er feiert seinen eigenen Karneval in Rio mit vielen schönen Instrumenten, ohne halbnackte Frauen. Dann stimmt er ein „Volkslied aus China“ auf der Gitarre an und erzählt eine Geschichte, in der ein Reisbauer mit Hilfe von zwei Spechten die ersten Gummistiefel der Welt erfand. Helge Schneider reiht Worte aneinander, die zunächst einer Logik folgen, diese dann aber auflösen und in höchste Komik und niedrigste Stringenz abgleiten. Er zählt „so viele Bäume auf, die es gar nicht gibt“ und denkt über Länder nach, in denen er nie war, und Tiere, denen er zum Glück nie begegnet ist, wie Piranhas.
Musikalische Begleitung und Höhepunkte
Begleitet wird Helge Schneider von Peter Thoms am Schlagzeug, Leo Richartz am Kontrabass und Sandro Giampietro an der Gitarre. Jeder Musiker erhält genügend Raum, um zu glänzen. Gemeinsam schaffen sie einen feinen und leichten Abend. Helge Schneider tanzt mit dem Mikrofon, verheddert sich fast im Kabel, schleudert es beiseite, schleicht und schlurft über die Bühne. Ein Höhepunkt ist seine Udo-Lindenberg-Imitation. Er performt „Udo, wenn er schläft“, „Udo aufm Klo“, Udo beim Tennis, beim Geldzählen, beim Zahnarzt und „beim anderen Arzt, der ihm eine Spritze gibt“ – ganz ohne Worte. Fantastisch. Das Unsinnige wird hier zum Ereignis.



