Kabarettist Stefan Leonhardsberger mit durchwachsenem neuen Programm
Der österreichische Kabarettist Stefan Leonhardsberger präsentiert im Münchner Lustspielhaus sein neues Programm „Herzklopfen“, das sich mit den Herausforderungen moderner Männlichkeit und Familienleben auseinandersetzt. Trotz sympathischer Bühnenpräsenz und herzlichem Publikumskontakt bleibt der Abend jedoch hinter den Erwartungen zurück.
Fragile Männlichkeit im Fokus
Leonhardsberger, der aus Freistadt im oberösterreichischen Mühlviertel stammt und mittlerweile über 40 Jahre alt ist, thematisiert in seinem Programm die Unsicherheiten des Mannseins. Der Vater von drei Kindern reflektiert über seine eigene Unzulänglichkeit in traditionellen Männerdomänen:
- Scheitern an handwerklichen Aufgaben
- Abhängigkeit von handwerklich begabten Nachbarn
- Unwissenheit über grundlegende Haushaltsreparaturen
Besonders amüsant schildert er seine Nervosität bei der Geburt des ersten Sohnes, nachdem ihm zuvor sogar ein Kaktus als Zimmerpflanze einging. Die Fürsorgearbeit überlässt er dabei offenbar größtenteils seiner Ehefrau, der er im Programm besonderen Applaus zukommen lässt.
Programm wirkt unausgereift
Obwohl Leonhardsberger mit charmantem Schmäh und herzlicher Art das Publikum für sich einnimmt, fehlt es dem Programm an konsistenter Qualität. Die Pointen wirken an manchen Stellen schwach, die Themenführung erscheint nicht vollständig durchdacht. Der Kabarettist blickt zwar unterhaltsam auf seine Jugend zurück, in der die Aussicht auf erste intime Erfahrungen eher für weiche Knie als für männliche Stärke sorgte, doch die Übergänge zwischen den einzelnen Programmpunkten wirken holprig.
Musikalische Einlagen und Publikumsinteraktion
Für Abwechslung sorgen musikalische Elemente: In der ersten Programmhälfte wagt sich Leonhardsberger an einen Rap, später begleitet er sich selbst auf der Gitarre und lässt das Publikum beim „Langzeitbeziehungssong“ mitsingen. Besondere Aufmerksamkeit erregt die Interaktion mit einem Langzeitpaar in den ersten Reihen, das auf die Frage nach dem Geheimnis ihrer langen Beziehung lapidar antwortet: „Drei Kinder.“
Körperlicher Einsatz gehört ebenfalls zum Programm, etwa wenn Leonhardsberger vergeblich versucht, als Muskelprotz durch einen Türstock zu kommen. Diese Slapstick-Einlagen unterstreichen seine These, dass jede Beziehung einen ängstlichen und einen selbstbewussten Partner habe – wobei heute oft die Frauen die coolen „Gangster“ seien.
Fazit: Sympathisch, aber nicht ausgereift
Stefan Leonhardsbergers „Herzklopfen“ bietet zwar unterhaltsame Momente und berührt mit seiner persönlichen Reflektion über Vaterschaft und Männlichkeit, bleibt aber insgesamt hinter den Möglichkeiten zurück. Das Programm wirkt an manchen Stellen unausgegoren und vermisst die zündenden Pointen, die ein Kabarettabend benötigt. Nächste Auftritte sind für den 12. Mai um 19:30 Uhr und den 7. Juli um 20:00 Uhr im Lustspielhaus geplant.



