Vom DDR-Verbot zur Plattdeutsch-AG: Cordulas Kampf für ihre Muttersprache
Cordulas Kampf für Plattdeutsch nach DDR-Verbot

Vom DDR-Verbot zur Plattdeutsch-AG: Cordulas Kampf für ihre Muttersprache

Cordula Czubatynski aus Quitzöbel hat nicht nur Bücher auf Plattdeutsch, sondern setzt sich mit Leidenschaft dafür ein, dass die Sprache ihrer Kindheit wieder öfter gesprochen wird. Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar war für sie ein willkommener Anlass, um auf die Bedeutung des Plattdeutschen aufmerksam zu machen.

Tabu in der DDR: Die unterdrückte Sprache einer Generation

Ihre Mutter sprach Plattdeutsch, genauso wie es ihre Oma tat. Doch in den Schulen der Deutschen Demokratischen Republik bekam Cordula Czubatynski deutlich zu verstehen, dass Plattdeutsch hier tabu sei. Neben den Fremdsprachen als Schulfach wurde ausschließlich Hochdeutsch gesprochen. „Vor 90 Jahren haben die Lehrer klar zu verstehen gegeben, hier wird kein Plattdeutsch gesprochen. So bin ich mit dieser bildhaften Sprache aufgewachsen“, gesteht Cordula Czubatynski. „Ich habe sie jedoch erst wieder aus meinem Gedächtnis hervorgeholt, als ich unter Frank Neuschulz arbeitete.“

Die Rückkehr zur Muttersprache durch Naturschutzarbeit

Frank Neuschulz war ein aus Gartow stammender Biologe und Vogelkundler, der sich nach der Öffnung der innerdeutschen Grenze für länderübergreifenden Naturschutz im Elbegebiet engagierte. Er initiierte die Idee eines Nationalparks und leitete von 1993 bis 2005 das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Dabei entwickelte er innovative Projekte wie die Deichrückverlegung am „Bösen Ort“. „Ich arbeitete damals bei der Naturwacht und bekam mit, dass einige seiner Projekte bei den Bauern nicht gut ankamen, so wie die Deichrückverlegung“, erinnert sich Czubatynski. „Die Naturwacht, als Mittler zwischen Mensch und Natur, bediente sich dann oft zu kulturellen Anlässen der plattdeutschen Sprache, um den hiesigen Bauern ihre Projekte näherzubringen.“

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Internationaler Tag der Muttersprache: Ein globaler Kampf für Vielfalt

Anlässlich des Internationalen Tags der Muttersprache, der jährlich am 21. Februar stattfindet, denkt Cordula Czubatynski zurück an diese prägende Zeit. Das Ziel dieses Gedenktags ist der Erhalt der Sprachvielfalt weltweit. Laut der UNESCO, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, sind gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen akut vom Aussterben bedroht. Der 21. Februar wurde als Datum gewählt, weil es an diesem Tag im Jahr 1952 in der pakistanischen Hauptstadt Dhaka bei Protesten mehrere Tote gab. Der Grund war die Erhebung von Urdu zur alleinigen Amtssprache, obwohl es nur für drei Prozent der Bevölkerung die Muttersprache war. Diese Entscheidung führte schließlich zur Abspaltung und Gründung von Bangladesch, wo heute Bengali gesprochen wird.

Trauer und Engagement: Der plötzliche Tod eines Weggefährten

Überschattet werden Cordulas Gedanken durch den tragischen Tod von Frank Neuschulz, der im August 2008 im Alter von nur 54 Jahren während eines Urlaubs mit seiner Familie in Windhoek an einem Herzinfarkt starb. Geblieben sind bei Czubatynski jedoch nicht nur die Erinnerungen an diesen engagierten Naturschützer, sondern auch die tiefe Verbundenheit zur plattdeutschen Sprache, die durch ihre gemeinsame Arbeit neu erweckt wurde.

Plattdeutsch-AG für Kinder: Die Sprache lebendig halten

„Seit 2022 arbeite ich als Erzieherin im Hort ‚Wirbelwind’ in Bad Wilsnack“, berichtet Czubatynski. „Dort versuche ich immer wieder, die plattdeutsche Sprache in unseren Alltag einzubinden.“ So entstand die Plattdeutsch-AG, an der sich momentan 15 Kinder beteiligen. In der AG werden Geschichten gelesen, Lieder gesungen, natürlich Plattdeutsch gesprochen und kleine Aufführungen einstudiert. „Materialien dafür erhalten wir zum Beispiel vom Verein für Niederdeutsch Land Brandenburg, in dem ich seit drei Jahren Mitglied bin“, betont Cordula Czubatynski.

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Regelmäßige Treffen: Plattdeutsch im Alltag verankern

Um die Sprache weiter zu pflegen, trifft sich in Ledge immer donnerstags um 14.30 Uhr eine plattdeutsche Gruppe im Restaurant Gabis Schenke. Eine weitere Gruppe kommt am ersten Dienstag im Monat um 14 Uhr in dem ehemaligen Konsum in Bälow zusammen, der sich gleich neben der Feuerwehr befindet. „Wenn die plattdeutsche Sprache nicht mehr gesprochen wird, dann geht aus meiner Sicht ein weiteres Kulturgut verloren“, ist Cordula Czubatynski überzeugt. „Leewer platt reden, as platt maoken.“ Dieser plattdeutsche Spruch, der so viel bedeutet wie „Lieber Platt reden, als platt machen“, steht symbolisch für ihren unermüdlichen Einsatz, die Sprache ihrer Kindheit vor dem Vergessen zu bewahren.