Demmin vor historischer Entscheidung: Wie geht es mit der Gutshaus-Ruine weiter?
Die Stadtvertreter von Demmin stehen in dieser Woche vor einer wegweisenden Entscheidung mit enormer Tragweite für das kulturelle Erbe der Hansestadt. Über das weitere Schicksal der baufälligen Ruine von Haus Demmin wird in den politischen Gremien intensiv debattiert. Die alten Mauern des ehemaligen Gutshauses sind mittlerweile in einem derart besorgniserregenden Zustand, dass dringend gehandelt werden muss, um einen vollständigen Einsturz zu verhindern.
Politische Diskussionen und Faktenlage
In den vergangenen Wochen haben sich die verschiedenen Ausschüsse der Stadtvertretung intensiv mit der Zukunft des historischen Gebäudes beschäftigt. Während sich der Finanzausschuss grundsätzlich gegen eine Sicherung ausgesprochen hat, zeigte der Ausschuss für Stadtentwicklung zunächst Zurückhaltung und wollte weitere Fakten anhören. In einer nichtöffentlichen Sitzung am 11. März erläuterten schließlich Experten des Landesamtes für Denkmalschutz und der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte die komplexe rechtliche Lage, mögliche Fördermöglichkeiten und den aktuellen baulichen Zustand.
Interessanterweise sollen bei dieser Sitzung nicht nur die regulären Ausschussmitglieder, sondern mehr als die Hälfte aller Stadtvertreter anwesend gewesen sein. Dies spricht sowohl für das große Interesse an diesem Thema als auch für das Verantwortungsbewusstsein der politischen Vertreter, die nun am 18. März eine endgültige Entscheidung treffen müssen.
Historische Bedeutung und aktuelle Gefahr
Das sogenannte Haus Demmin befindet sich südlich der Stadt an einer besonderen geografischen Lage: am Zusammenfluss von Tollense und Peene auf einer Halbinsel, die von den Resten einer historischen Wallanlage eingefasst wird. Hinter der eigentlichen Brandruine sind noch die Überreste eines frühmittelalterlichen Turmes zu erkennen, der einst Teil einer Burganlage war, die bereits im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurde.
Das eigentliche Gutshaus entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und wechselte im Laufe der Zeit mehrfach den Besitzer. Nach der Enteignung 1945 diente es verschiedenen Zwecken – zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge, später als Internat. Seit 1985 stand das Gebäude leer, bis es 1991 von der ursprünglichen Eigentümerfamilie zurückerworben wurde. Nur wenige Jahre später, am 4. Januar 1997, brannte das historische Gebäude nieder und gelangte anschließend in den Besitz der Hansestadt Demmin.
Die damals durchgeführte Sicherung der Brandruine im Jahr 2003 liegt mittlerweile lange zurück. Heute präsentiert sich das Mauerwerk in einem alarmierenden Zustand: defekte Fallrohre, zunehmend aus der Senkrechte geratende Wände und zahlreiche Risse kennzeichnen das Bild. Das Bauamt der Stadt hat bereits auf die Verkehrssicherungspflicht der Kommune hingewiesen und alle Vorbereitungen getroffen, um entweder eine zeitnahe Notsicherung durchführen zu lassen oder den gesamten Bereich so abzusperren, dass bei einem möglichen Einsturz niemand zu Schaden kommt.
Vorschlag der Stadtverwaltung und Förderoptionen
Das Landesamt für Denkmalschutz betont, dass auch die Ruine weiterhin einen erheblichen Denkmalwert besitzt. Ein eventueller Abrissantrag hätte daher kaum Aussicht auf Erfolg. Vor diesem Hintergrund schlägt die Stadtverwaltung der Stadtvertretung nun einen konkreten Weg vor: Die zwingend erforderlichen Sicherungsarbeiten sollen unter der Voraussetzung einer 50-prozentigen Landesförderung durchgeführt werden.
Entsprechende Mittel wurden bereits im Haushalt der Stadt eingestellt. Zusätzlich soll der Bürgermeister beauftragt werden, in Verhandlungen mit dem Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern und das östliche Mecklenburg sowie mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz weitere Drittmittel einzuwerben, um den städtischen Eigenanteil weiter zu senken.
Die Entscheidung, die nun ansteht, geht weit über eine einfache Bauentscheidung hinaus. Es geht um den Erhalt eines bedeutenden Stücks Regionalgeschichte, um den verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Mitteln und um die Frage, welchen Stellenwert das kulturelle Erbe in der Hansestadt Demmin tatsächlich hat. Die Stadtvertreter tragen mit ihrer Abstimmung eine besondere Verantwortung für kommende Generationen.



