Einzigartiger römischer Hausaltar in Köln entdeckt: Opferstätte für Schutzgötter aus dem 2. Jahrhundert
Wenn in deutschen Großstädten gebaut wird, rücken nicht nur Bagger an, sondern regelmäßig auch Archäologen. Ihre Aufgabe ist es, historische Hinterlassenschaften zu bergen und zu dokumentieren. In Köln ist den Fachleuten nun ein spektakulärer und für Nordeuropa einzigartiger Fund gelungen. Bei Bauarbeiten am jüdischen Museum MiQua stießen sie auf einen außergewöhnlich gut erhaltenen römischen Hausaltar aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.
Lararium mit bemerkenswerter Erhaltung
Der Altar, in der Fachsprache als Lararium bezeichnet, wurde im Bereich des antiken römischen Statthalterpalastes, des Praetoriums, entdeckt. „Und davon gibt es wirklich nicht viele, die ausgegraben wurden“, betonte der zuständige Grabungsleiter der Archäologischen Zone Köln, Michael Wiehen. An solchen Hausaltären legten die damaligen Bewohner Opfer für ihre Schutzgötter, die Laren, nieder. Geopfert wurden typischerweise Lebensmittel wie Früchte, Getreide oder auch Wein.
Der Altar befindet sich in einer Nische, in der noch Reste der originalen Bemalung erkennbar sind. Löcher über und neben der Nische deuten laut den Archäologen darauf hin, dass dort einst möglicherweise eine Girlande aus Blättern oder Blumen hing. Auch die ursprüngliche Platte des Altars wurde bei den Ausgrabungen gefunden, war jedoch im Laufe der Jahrhunderte abgebrochen. Sie soll im Zuge der geplanten Restaurierungsarbeiten wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren.
Besonderheit nördlich der Alpen
In der römischen Welt waren vergleichbare Hausaltäre weit verbreitet, erklärt Wiehen. Was den Kölner Fund jedoch so besonders mache, sei der exzellente Erhaltungszustand. „Die bauliche Erhaltung ist nördlich der Alpen grundsätzlich schlecht. Wir haben wenig Mauerwerk aus der römischen Zeit, wenn man von monumentalen Anlagen wie der Porta Nigra in Trier absieht“, so der Experte. Ähnlich gut erhaltene Altäre seien hauptsächlich aus den durch den Vesuvausbruch konservierten Städten Pompeji und Herculaneum in Italien bekannt.
Weitere bedeutende Funde an derselben Stelle
Der Hausaltar ist nicht der einzige bemerkenswerte Fund an dieser archäologisch äußerst ergiebigen Stelle. Die Ausgräber stießen zudem auf eine gut erhaltene Treppe aus dem 1. Jahrhundert nach Christus. Diese verband ein sehr tief gelegenes Areal in Richtung des Rheins mit einem höher liegenden Bereich des früheren römischen Statthalterpalastes. Wo die Treppe einst genau endete, ist den Forschern bereits bekannt.
Beide Funde – der einzigartige Hausaltar und die antike Treppe – sollen nach Fertigstellung des MiQua-Museums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Geplant ist ein unterirdischer Rundweg, der Besuchern einen faszinierenden Einblick in das römische Köln ermöglicht. Die Entdeckungen unterstreichen einmal mehr die immense historische Bedeutung der Stadt als eine der wichtigsten römischen Metropolen nördlich der Alpen.



