Neue Forschungen enthüllen Details zu Otto dem Großen: Verletzungen, Ernährung und Todesursache
Forscher enthüllen Details zu Otto dem Großen

Archäologische Untersuchungen enthüllen das Leben Ottos des Großen

Die Sanierung des bröckelnden Grabmals im Magdeburger Dom hat Archäologen eine einzigartige Gelegenheit geboten: Sie konnten die sterblichen Überreste von Otto dem Großen, dem ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, mit modernsten wissenschaftlichen Methoden untersuchen. Die Ergebnisse liefern ein detailliertes Bild des mittelalterlichen Herrschers, von seinen körperlichen Beschwerden bis hin zu seinen Ernährungsgewohnheiten.

Genetischer Nachweis und erstaunlich gut erhaltenes Skelett

Landesarchäologe Harald Meller betonte die Bedeutung der genetischen Analyse: „Es war gar nicht unbedingt zu erwarten, dass wir tatsächlich die Gebeine Ottos vorfinden, denn in solchen lange zugänglichen Gräbern werden die Toten häufig ausgetauscht.“ Der entscheidende Nachweis gelang durch archäogenetische Vergleiche mit den Gebeinen von Heinrich II. aus dem Bamberger Dom, einem Verwandten dritten Grades. Fast das gesamte Skelett ist erhalten geblieben, was eine umfassende Untersuchung ermöglichte.

Körperliche Beschwerden und mögliche Todesursache

Die Forscher fanden zahlreiche Spuren von Verletzungen und Erkrankungen:

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  • Der Kaiser war mit etwa 180 Zentimetern für seine Zeit überdurchschnittlich groß
  • Arthrose an Knien und Hüften deutet auf vieles Reiten hin
  • Starker Zahnstein an den unteren Schneidezähnen
  • Drei obere Schneidezähne fehlten bereits zu Lebzeiten
  • Verheilte Knochenbrüche an der linken Speiche
  • Spuren von Gewalteinwirkungen am Hinterkopf und im Gesicht

Als mögliche Todesursache identifizierten die Wissenschaftler einseitig vergrößerte Gefäßkanäle zum Kopf, die auf einen Schlaganfall hindeuten. Dies passt zu historischen Beschreibungen, wonach Otto beim Gebet plötzlich das Gleichgewicht verlor und mit 60 Jahren starb.

Isotopenanalyse enthüllt den Speiseplan des Kaisers

Durch Isotopenanalysen gewannen die Forscher Einblicke in die Ernährungsgewohnheiten Ottos des Großen:

  1. Häufiger Verzehr von tierischen Proteinen
  2. Regelmäßiger Konsum von Süßwasserfisch
  3. Getreide und Hülsenfrüchte standen auf dem Speiseplan
  4. Hirse wurde selten gegessen – im Gegensatz zur ärmeren Bevölkerung

„Die Nahrungsgewohnheiten sind typisch für elitäre Persönlichkeiten des Mittelalters aus dem mitteleuropäischen Raum“, erklärten die Wissenschaftler.

Rettung in letzter Minute und ethische Überlegungen

Landesarchäologe Meller beschrieb die dringende Situation: „Wir hatten ein riesiges Glück, dass der Sarkophag Ottos nicht einfach zusammengebrochen ist. Er war so rissig und geschädigt, dass wir im letzten Moment Otto davor retten konnten, unter der 300 Kilo schweren Marmorplatte zerquetscht zu werden.“

Die Untersuchungen erfolgten in enger Abstimmung mit Kirchenvertretern. Meller betonte: „Er hätte gewollt, dass man sich seiner erinnert, dass man an seinem Grab einen Gottesdienst feiern kann, dass man ihn identifiziert. Das wäre aus der mittelalterlichen Sicht so gewesen.“ Papst Leo habe jüngst die christliche Archäologie unterstützt, was die ethische Legitimität der Forschungen unterstreiche.

Wiederbeisetzung im neu gestalteten Sarg

Am 1. September sollen die Gebeine Ottos des Großen in einem neu gestalteten Sarg im Magdeburger Dom wieder beigesetzt werden – an der Seite seiner bereits 946 verstorbenen Frau Editha. Otto I., 962 in Rom zum Kaiser gekrönt und Gründer des Erzbistums Magdeburg, bleibt damit eine zentrale Figur der europäischen Geschichte, deren Leben nun durch moderne Wissenschaft neu beleuchtet wurde.

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