Im Jahr 2024 führt in Mecklenburg-Vorpommern kein Weg an einer Persönlichkeit vorbei: dem Maler Caspar David Friedrich, dessen 250. Geburtstag deutschlandweit gefeiert wird. Greifswald spielt dabei eine zentrale Rolle, denn der „berühmteste Pommer der Welt“ – wie ihn die Leiterin des Pommerschen Landesmuseums Greifswald, Ute Slenczka, gern nennt – wurde am 5. September 1774 in der Hansestadt an der Ostseeküste geboren.
Kreidefelsen von Rügen erstmals in der Heimat zu sehen
„Caspar David Friedrich ist eine Ikone der Romantik. Unter den Top 10 der deutschen Maler steht er auf Platz 2, direkt hinter Albrecht Dürer“, sagt Slenczka. Für Mecklenburg-Vorpommern sei er ihrer Einschätzung nach der „vielleicht wichtigste Kulturbotschafter überhaupt“. Das Pommersche Landesmuseum verfügt mit sechs Gemälden, mehr als 60 Zeichnungen und Druckgrafiken sowie zahlreichen Archivalien und Briefen über eine der umfangreichsten Sammlungen an Originalmaterialien aus Caspar David Friedrichs Leben und Werk weltweit.
Unter dem Titel „Caspar David Friedrich. Sehnsuchtsorte – Kreidefelsen auf Rügen & Greifswalder Hafen“ zeigt das Museum vom 18. August bis 6. Oktober 2024 eine von insgesamt drei umfangreichen Sonderausstellungen, die sich mit dem Leben und Werk des Romantikers beschäftigen. Die Jubiläumsausstellung wartet mit einem Stargast auf: dem Hauptwerk „Kreidefelsen auf Rügen“. Das weltberühmte Gemälde, das heute im Schweizer Winterthur zu Hause ist, wird sieben Wochen lang im Pommerschen Landesmuseum gezeigt – zum ersten Mal überhaupt in Friedrichs Heimatregion. „Ein lang ersehntes Treffen von Bild und Landschaft nach über 200 Jahren“, freut sich Slenczka.
„In Verbindung mit weiteren Meisterwerken des Künstlers wie den Darstellungen des ‚Greifswalder Hafens‘ oder der ‚Ruine Eldena im Riesengebirge‘ erschließen sich seine ‚Sehnsuchtsorte‘ in Pommern und darüber hinaus“, erklärt sie. Erweitert wird die Präsentation durch eine Friedrich-Hommage des Fotografen Volkmar Herre, der die „Kreidefelsen“ mit der Camera obscura vor Augen führt.
Galerie der Romantik über 2024 hinaus
Im Rahmen der dritten Sonderausstellung kann unter dem Titel „Caspar David Friedrich. Heimatstadt“ unter anderem das Werk „Wiesen bei Greifswald“ vom 16. Oktober bis 5. Januar 2025 im Pommerschen Landesmuseum besichtigt werden. Im September folgt die offizielle Geburtstagsparty: Unter dem Motto „Kuchen für Caspar“ veranstaltet die Stadt Greifswald am Samstag, den 5. September, auf dem Marktplatz eine Feier mit Geburtstagskuchen, Theater und Musik. Eröffnet worden war das Friedrich-Jahr in Greifswald in der Taufkirche des Malers, der St. Nikolai. Es folgte unter anderem die Sonderausstellung „Caspar David Friedrich. Lebenslinien. Eine Wanderung in Zeichnungen & Bildern“.
Mit einer „Galerie der Romantik“ will das Pommersche Landesmuseum über 2024 hinaus „zu einem Ort der erlebnisreichen Vermittlung von Leben und Werk Caspar David Friedrichs“ werden, so Slenczka.
Biografie Caspar David Friedrich
Caspar David Friedrich wurde am 5. September 1774 in Greifswald als Sohn des Seifensieders Adolf Friedrich und seiner Ehefrau Sophie Dorothea (geb. Bechly) geboren. Er war das sechste von zehn Kindern; zwei Geschwister starben als Kleinkinder, und als er sieben Jahre alt war, starb auch seine Mutter. Der sensible Junge litt darunter, doch schlimmer war im Dezember 1787 der Tod seines ein Jahr jüngeren Bruders Johann Christoffer, der bei dem Versuch starb, Caspar David aus dem Eis eines Sees zu retten, in den er beim Schlittschuhlaufen eingebrochen war. Der 13-Jährige überlebte, war seitdem aber traumatisiert – eine Erfahrung, die ihn sein Leben lang nicht mehr losließ.
Er zog sich zurück, begann zu zeichnen und fand Rettung in Johann Gottfried Quistorp, einem Zeichenlehrer an der Greifswalder Universität, der auch privat unterrichtete. Dieser nahm Caspar David Friedrich ab 1790 unter seine Fittiche, weckte sein Interesse für die Natur und trug zu dem Weltbild bei, das ihn prägte und ein Leben lang begleiten sollte. Mit 20 Jahren begann Friedrich ein Studium an der Kunstakademie in Kopenhagen, die damals als eine der liberalsten Europas galt und keine Studiengebühren erhob – ein Glückstreffer für den jungen Mann. Nach vier Jahren verließ er die Akademie, wo er seine zeichnerischen Fähigkeiten vervollkommnet hatte.
1798 verließ Friedrich Kopenhagen und zog – vermutlich auf Empfehlung Quistorps – nach Dresden, um an der dortigen Kunstakademie, die als Deutschlands beste galt, seine Ausbildung fortzusetzen und „in der Nähe der trefflichsten Kunstschätze und umgeben von einer schönen Natur“ zu arbeiten. Obwohl er immer wieder in seine vorpommersche Heimat zurückkehrte, wurde Dresden zu seiner Bestimmung und zur Inspiration für sein künstlerisches Schaffen.



