Ein Verlag in dritter Generation verabschiedet sich
Bernhard Schmid, langjähriger Leiter des traditionsreichen Karl-May-Verlags, hat angekündigt, sich „nach und nach zurückziehen“ zu wollen. Der 1962 in Bamberg geborene Verleger sucht nun einen Nachfolger, der sein Erbe antreten kann. Im Interview mit dem SPIEGEL spricht er über die anhaltende Debatte um kulturelle Aneignung, die ihm nahegehenden Vorwürfe und seinen persönlichen Abschied von Winnetou.
„Ich möchte zur Ruhe kommen“
Nach fast 35 Jahren im Verlag möchte Schmid kürzertreten. Wie der Abschied genau ablaufen wird, ist noch offen. „Ich hoffe, einen Nachfolger zu finden, dem ich mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben kann“, erklärt er. Ein neuer Eigentümer könnte sein Engagement vielleicht noch für eine gewisse Zeit schätzen. Finanziell steht der Verlag gut da: schuldenfrei und gesund. Schmid betont, dass es ihm nicht ums Geld geht, sondern darum, dass Karl Mays Werk weiterlebt. „Von seinen Romanen werde ich mich nie verabschieden. Ich habe sogar geplant, die gesammelten Werke noch einmal zu lesen“, sagt er.
Die Anfänge des Verlags
Schmids Großvater gehörte 1913 zu den Gründern des Unternehmens und traf Karl May persönlich. „Er hat Karl May zweimal getroffen und ihm Ideen unterbreitet, wahrscheinlich zu einer Werkreihe von dessen Romanen. Die Antwort war: ‚Sie sollten mein Verleger werden!‘“, erinnert sich Schmid. Nun leitet er den Verlag in dritter Generation. Der Spruch, dass die dritte Generation alles in den Sand setzt, sei auf ihn nicht anwendbar: „Ich hatte immer den Ehrgeiz, dass es mit Karl May weitergeht. Er ist es wert.“
Kritik und Debatten um kulturelle Aneignung
Auf die Frage, ob Karl May heute noch gelesen werde, verweist Schmid auf die ständigen Abgesänge in der Presse. „Es ist seit seinem Tod wirklich kein Jahrzehnt vergangen, in dem in der Presse nicht irgendwann ein Bericht erschienen wäre mit dem Tenor: ‚Niemand liest mehr Karl May!‘ Gegner hatte er immer. Abgesänge gibt es auch heute. Und bewahrheitet hat es sich nie.“ Besonders schockiert habe ihn der Besuch einer Spielwarenmesse, wo er feststellen musste, dass Indianerfiguren aus dem Sortiment genommen wurden. „Kulturell wurden die Indianer ein zweites Mal ausgerottet“, sagt Schmid. Die Debatte um das „I-Wort“ sieht er kritisch. „Man darf nicht vergessen, dass Karl May ein Fantasieautor war, der nie in Amerika war. Seine Werke sind Abenteuergeschichten, keine ethnologischen Studien.“
Persönliche Verbindung zu Karl May
Schmid selbst wuchs mit Karl May auf. „Andere Kinder bekamen zum Geburtstag oder an Weihnachten ein Karl-May-Buch geschenkt. Bei mir waren es immer gleich zehn Exemplare, der Vorteil als Sohn des Verlegers.“ Obwohl er viele Werke kennt, gibt es auch Lücken: „Unter anderem den ‚Ölprinz‘ habe ich das letzte Mal vor 40 Jahren gelesen.“ Er freut sich darauf, die gesammelten Werke noch einmal zu lesen und sich von den Geschichten neu verzaubern zu lassen.
Zukunft des Verlags
Schmid betont, dass der Verlag gut aufgestellt sei und er einen Nachfolger suche, der die Tradition fortführe. „Ich könnte den Laden auch einfach zusperren – mir geht es aber darum, dass es mit Karl May weitergeht.“ Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger läuft. Ob dieser aus der Familie kommt oder extern, ist noch offen. Fest steht für Schmid: „Winnetou und Old Shatterhand werden auch in Zukunft Leser finden.“



