Bernhard Schmid, der den traditionsreichen Karl-May-Verlag in dritter Generation führt, steht vor einem bedeutenden Schritt: Er sucht einen Nachfolger für seine Position. Der 68-Jährige möchte sich in den Ruhestand verabschieden und hat bereits konkrete Pläne für seine Zeit als Pensionär. „Ich werde alle Romane von Karl May noch einmal lesen“, verrät er im Interview. „Und zwar dringend.“
Ein Leben für Karl May
Schmid hat den Verlag seit Jahrzehnten geprägt und die Werke des Abenteuerschriftstellers einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Doch nun ist die Zeit gekommen, die Verantwortung abzugeben. „Es ist ein schwieriger Schritt, aber ich bin zuversichtlich, einen geeigneten Nachfolger zu finden“, sagt er. Der Verlag solle auch in Zukunft die Faszination von Karl Mays Geschichten bewahren.
Kulturelle Auslöschung der Indianer
Im Gespräch äußert sich Schmid auch kritisch zur Darstellung der indigenen Völker in der Literatur. „Kulturell wurden die Indianer ein zweites Mal ausgerottet“, betont er. Diese Aussage bezieht sich auf die oft klischeehafte und verzerrte Repräsentation in Büchern und Filmen. Schmid plädiert für eine differenziertere Betrachtung und mehr Respekt vor den tatsächlichen Kulturen der Ureinwohner Amerikas.
Der Karl-May-Verlag hat in der Vergangenheit bereits begonnen, einige Werke zu überarbeiten und mit kritischen Kommentaren zu versehen. „Wir müssen uns der Verantwortung stellen, die wir als Verlag haben“, so Schmid. Die Romane von Karl May seien zwar ein kulturelles Erbe, aber sie müssten im Kontext ihrer Zeit gesehen werden.
Abschied und Vermächtnis
Schmid blickt mit Wehmut, aber auch mit Stolz auf seine Zeit als Verleger zurück. „Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt, aber die Liebe zu den Geschichten von Karl May ist immer geblieben.“ Sein größter Wunsch ist es, dass der Verlag auch nach seinem Abschied unabhängig und erfolgreich bleibt. „Die Nachfolge ist gut vorbereitet, und ich bin sicher, dass der Verlag in guten Händen sein wird.“
Das Interview mit Bernhard Schmid ist ein bewegendes Zeugnis eines Mannes, der sein Leben den Abenteuern von Winnetou und Old Shatterhand gewidmet hat. Es zeigt, wie tief die Verbindung zwischen Verleger und Werk sein kann – und wie schwierig der Abschied fällt.



