Schloss Rossewitz: Mecklenburgs ältestes Barockschloss droht in Vergessenheit zu geraten
Versteckt in einem Wald bei Laage taucht wie eine Fata Morgana das Schloss Rossewitz auf – Mecklenburgs ältester Barockbau und ein architektonisches Juwel nördlich der Alpen. Doch die Pracht dieses historischen Denkmals bleibt der Öffentlichkeit derzeit verschlossen, was bei Denkmalschützern und Bürgern zunehmend Besorgnis auslöst.
Einzigartige Illusionsmalerei und bewegte Geschichte
Das hochgewachsene Schloss birgt in seinem Innern einzigartige Schätze: Atemberaubende Illusionsmalereien italienischer Künstler aus dem 17. Jahrhundert täuschen marmorne Arkadenbögen vor und lassen Besucher in die Weiten Italiens eintauchen. Die acht Meter hohe Empfangshalle gilt als Meisterwerk barocker Raumgestaltung. Doch diese künstlerische Pracht ist seit längerer Zeit nicht mehr zugänglich, da sich das Schloss in Privatbesitz befindet.
Eigentümer ist Kurt-Peter Gaedeke aus Schleswig-Holstein, Inhaber eines Wohnungsunternehmens und mehrerer historischer Immobilien. Zu seinem Portfolio gehörte auch das kürzlich durch Brand schwer beschädigte Schloss Johannstorf. Rossewitz selbst diente 1971 als Drehort für den DEFA-Spielfilm „Die Wahlverwandtschaften“ nach Goethe – passend zum italienischen Flair des Anwesens.
Von der Rettung vor dem Abriss zum schleichenden Stillstand
Die Geschichte des Schlosses ist geprägt von dramatischen Wendungen: In DDR-Zeiten konnte ein Abriss zugunsten des Flugplatzes Laage gerade noch verhindert werden. Dennoch verwandelte der Zahn der Zeit Mecklenburgs ältesten Barockbau in eine Ruine. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft zu Erhalt und Nutzung von Gutsanlagen in MV dokumentierten den sukzessiven Verfall seit den 1980er-Jahren fotografisch.
Dank umfangreicher Sanierungsmaßnahmen durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, namhafte Spender und den Eigentümer selbst ist das Schloss heute nicht mehr unmittelbar einsturzgefährdet. „Nicht nur die beeindruckenden Wandmalereien, auch das Dach wurde denkmalgerecht wiederhergestellt“, erklärt AG-Chef Knut Splett-Henning. Sogar Gauben wurden eingefügt, Geschossdecken eingebracht und historische Eichenfenster gerettet.
Öffentlichkeit ausgeschlossen – Zukunft ungewiss
Trotz dieser Erfolge bereitet der aktuelle Stillstand Sorgen: „Wir finden es sehr schade, dass das Projekt scheinbar in der letzten Zeit weniger vorangekommen ist als in den Jahren zuvor“, so Splett-Henning. Die Arbeitsgemeinschaft vermutet Schwierigkeiten bei der Suche nach einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Nutzung für das historische Gebäude.
Besonders bedauerlich ist aus Sicht der Denkmalpflege, dass dieses einzigartige Haus nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Eine junge Familie aus Mecklenburg-Vorpommern wandte sich mit der Bitte um Hilfe an die AG, damit „dieses Haus nicht in Vergessenheit gerät“. Sie betont die Bedeutung von Schloss Rossewitz als frühes Zeugnis barocker Architektur in Norddeutschland und im gesamten Ostseeraum.
Konstruktiver Dialog gesucht
Die Arbeitsgemeinschaft plant nun einen „konstruktiven Dialog“ mit Eigentümer Kurt-Peter Gaedeke, um Unterstützung bei der Entwicklung von Nutzungskonzepten anzubieten. „Gern wollen wir als Verein ehrenamtlich mithelfen, das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, erklärt die AG. Viele Mitglieder besitzen selbst Gutshäuser und wissen um die achtsame Wahrnehmung solcher Verantwortung.
Auch die Stadt Laage als zuständige Kommune zeigt sich interessiert: Bürgermeisterin Kristin Zimmermann erkennt die besondere historische Bedeutung des Schlosses an und versteht das öffentliche Interesse an Besichtigungsmöglichkeiten. Ohne die Mitwirkung des Eigentümers bleiben der Kommune jedoch die Hände gebunden. Mehrfache Kontaktversuche unserer Redaktion zu Kurt-Peter Gaedeke blieben bislang erfolglos.
Das Schicksal von Schloss Rossewitz steht somit an einem kritischen Punkt: Während die bauliche Substanz gesichert scheint, bleibt die Zukunft dieses kulturhistorischen Schatzes ungewiss. Die Denkmalschützer hoffen auf eine Lösung, die sowohl den Erhalt des Gebäudes als auch seinen öffentlichen Zugang gewährleistet.



