Schwan im Grundriss: Berliner entdeckt Tier in Röbel
Schwan im Grundriss von Röbel entdeckt

Schwan im Grundriss: Berliner entdeckt Tier in Röbel

Ein Autor aus Berlin hat in Röbel einen Wasservogel auf Futtersuche entdeckt. Axel Brätz aus Berlin sieht in Röbels Grundriss einen gründelnden Schwan. Der Autor des Buchs „Urbanoglyphen in Städten mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg“ hat sich auch in Mecklenburg-Vorpommern umgeschaut und ist überzeugt, der Stadtplan der Kleinstadt an der Müritz spiegele den Umriss eines Schwans wider, der den Kopf ins Wasser steckt. Seine Entdeckung hat der Berliner jetzt der Röbeler Touristinformation mitgeteilt.

Die Theorie des Hobbyhistorikers

„Wenn man das Städtebauprinzip mit Urbanoglyphen kennt und anerkennt, wurden Städte als Bilder geplant und gebaut, ihre Konturen, dargestellt durch den Verlauf der Stadtmauern, die Lokalisierung der Kirchen und den Straßenverlauf“, erklärt der 74-Jährige in seinem Begleitschreiben an die Touristiker in der Seenplatte. Auf Stadtplänen, mit denen Urlauber in Röbel auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam gemacht werden, habe er in der Neustadt einen runden Körper erkannt, daran anschließend die lange Straße zur Altstadt als Hals mit der Marienkirche am Ende. Entsprechendes Bildmaterial hat der Berliner seinem Schreiben beigelegt.

Neustadt ist Luft, Altstadt ist Wasser

Eine imaginäre Grenze zwischen Neu- und Altstadt sei wichtig, um die Urbanoglyphe zu verstehen. Der mögliche Grenzverlauf stelle nämlich eine Trennlinie zwischen zwei Elementen dar – zwischen Luft und Wasser. Oben Luft, unten Wasser, Schwänzchen in die Höh’, Köpfchen in das Wasser – fertig ist ein Schwan, der am Seegrund Futter sucht. „Die Neustadt mit der Nikolaikirche als Herz ist der schwimmende Körper und der Kopf mit der Marienkirche die untergetauchte Altstadt, die durch den Wasserspiegel deutlich getrennt wird vom Körper“, erklärt der Hobbyhistoriker, der sein Buch über Brandenburger Stadt-Grundrisse im Jahr 2021 veröffentlicht hat. Das Haus des Gastes in Röbel wäre nach seiner Theorie „der Beginn der Speiseröhre“ des Schwans. „Am Mühlentor ist das Bein.“ Diese Trennung entspreche der in Geschichtsbüchern beschriebenen Teilung der Stadt.

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Reaktion der Touristinformation

Im Haus des Gastes hat man sich Gedanken gemacht, wofür die neuen Informationen genutzt werden können, und beschlossen, das Material aufzubewahren. „Wir freuen uns immer, wenn unsere Stadt für Leute erlebbar wird und finden die Idee spannend, sich Röbel aus verschiedenen Perspektiven zu nähern“, sagt Röbels Kultur- und Tourismus-Chef Karsten Thorun. Die Sichtweise des Berliners sei „sehr interessant und in dieser Art und Weise neu“. Über deren Wahrheitsgehalt wolle er keine Spekulationen anstellen.

Hintergrund: Urbanoglyphen

Für ihr Buch über Bilder in Orts-Grundrissen haben Axel Brätz und sein Bruder Herwig nach eigenen Angaben mehrere hundert mittelalterliche Städte genauer betrachtet und 29 erläutert, darunter Prenzlau, Kyritz und Perleberg. „Ich besichtige oft Kleinstädte, die ihre Herkunft aus dem Mittelalter noch deutlich zeigen, weil sie in der Entwicklung steckenblieben. Das macht sie aber auch sehenswert“, sagt Axel Brätz. Die Brüder vertreten den Ansatz, dass Städte als Bilder mit christlicher und astronomischer Grundlage geplant wurden. Diese Bilder nennen sie Urbanoglyphen. „Die historischen Stadtkerne mit der Stadtmauer, dem Straßenbild und den Sakralbauten sind bei ihrer Gründung nach Ideen geschaffen worden, über die bisher wenig bekannt ist“, erläutert Axel Brätz seine Denkweise. „Mehr darüber zu erfahren, kann auch das städtische Leben in der Gegenwart bereichern.“ Seine These ist unter Stadtgeschichtsforschern umstritten.

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