Archäologischer Sensationsfund in Kletzke: Älteste Handbüchse Deutschlands entdeckt
Sensationsfund in Kletzke: Älteste Handbüchse Deutschlands

Archäologischer Sensationsfund in der Prignitz: Älteste Handbüchse Deutschlands entdeckt

In der brandenburgischen Prignitz ist ein archäologischer Fund von historischer Bedeutung gelungen. Bei systematischen Feldbegehungen wurde in Kletzke ein Fragment einer Handbüchse entdeckt, das möglicherweise die älteste bekannte tragbare Feuerwaffe Deutschlands darstellt. Dieser spektakuläre Fund könnte die Geschichtsschreibung über die mittelalterliche Waffenverwendung in Brandenburg grundlegend verändern.

Die Entdeckung des „Kletzker Handrohrs“

Im Jahr 2023 entdeckte der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Matthias Dasse bei einer systematischen Feldbegehung der Unteren Denkmalschutzbehörde Prignitz ein etwa sechs Zentimeter langes Metallfragment. Nach eingehenden Untersuchungen identifizierte Gordon Thalmann, Leiter der Denkmalbehörde, den Bronzeguss als den vorderen Teil einer frühen Handfeuerwaffe. Das kunstvoll verzierte Fragment wurde am 27. Februar 2026 erstmals der Fachwelt auf der Jahresberichtskonferenz der Landesarchäologie in Brandenburg an der Havel präsentiert.

Historische Bedeutung und zeitliche Einordnung

Die besondere Bedeutung dieses Fundes liegt in seiner vermuteten zeitlichen Einordnung. Bisher galt die berühmte „Tannenbergbüchse“ im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, die auf das Jahr 1399 datiert wird, als die älteste sicher datierte Handfeuerwaffe Europas. Das Fundstück aus Kletzke lässt sich jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Jahr 1390 zuordnen. Damit wäre es das früheste bisher bekannte archäologische Zeugnis für den Einsatz tragbarer Schwarzpulverwaffen in Deutschland.

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Christof Krauskopf vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege betonte die Bedeutung des Fundes: „Wenn diese Büchse auf die Belagerung von 1390 zurückgeht, wäre das für Brandenburg spektakulär. Aus dieser Zeit haben wir bisher keine schriftlichen oder archäologischen Belege für Feuerwaffeneinsatz.“

Historischer Kontext: Die Belagerung von Kletzke

Nach aktuellem Kenntnisstand steht das „Kletzker Handrohr“ im Zusammenhang mit der Belagerung der Burg Kletzke im Jahr 1390. Bereits 2023 arbeiteten der Historiker Clemens Bergstedt und Gordon Thalmann die schriftliche Überlieferung des Franziskanermönchs Detmar von Lübeck auf, der von dieser militärischen Auseinandersetzung am Ende des 14. Jahrhunderts berichtete.

Archäologische Grabungen der Jungen Archäologen Prignitz und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin unter Leitung von Thomas Schenk bestätigten in den Jahren 2024 und 2025 die militärischen Auseinandersetzungen durch zahlreiche Befunde und Funde. Damals zog eine Streitmacht unter den Herzögen Heinrich I. von Braunschweig-Lüneburg und Erich IV. von Sachsen-Lauenburg gegen die Familie von Quitzow, die das Gut Kletzke 1375 von Kaiser Karl IV. erhalten hatte.

Weitere Forschung und touristische Erschließung

Unter der fachlichen Begleitung des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege werden die Forschungen in den kommenden Jahren fortgesetzt. Interessant ist die Einschätzung des Mittelalterarchäologen, dass die Waffe, wenn sie tatsächlich aus dem Belagerungslager von 1390 stammt, vermutlich nicht aus Brandenburg oder der Prignitz selbst kommt.

Für die Zukunft ist zudem eine archäologisch-touristische Erschließung des Standorts Kletzke geplant. Damit soll dieser bedeutende Teil der brandenburgischen Landesgeschichte für die Öffentlichkeit erlebbar gemacht werden. Der Fund unterstreicht einmal mehr die reiche historische Bedeutung der Prignitz-Region und bietet neue Einblicke in die militärische Technologie des späten Mittelalters.

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