Berlinale-Krise: Weimer beruft Sondersitzung nach Skandal-Auftritt
Berlinale-Krise: Sondersitzung nach Skandal-Auftritt

Berlinale in der Krise: Sondersitzung nach umstrittenem Preisträger-Auftritt

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat für Donnerstagvormittag eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats der Organisation »Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH« (KBB) einberufen. Dort soll es, wie aus der Bundesbehörde für Kultur und Medien (BKM) bestätigt wurde, »eine Aussprache zur Ausrichtung der Berlinale geben«. Diese außerplanmäßige Zusammenkunft könnte weitreichende Konsequenzen für die Zukunft des renommierten Filmfestivals haben.

Skandal bei Preisverleihung löst politische Erschütterung aus

Auslöser der aktuellen Krise ist der umstrittene Auftritt des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Berlinale-Preisverleihung am vergangenen Samstag. Alkhatib, der mit dem Preis für das beste Erstlingswerk für seinen Film »Chronicles from the Siege« ausgezeichnet wurde, nutzte seine Dankesrede für scharfe politische Kritik. Er warf der Bundesregierung vor, »Partner des Völkermords in Gaza zu sein«.

Diese Äußerungen führten zu unmittelbaren Reaktionen: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala anwesend war, verließ daraufhin aus Protest den Saal. In der politischen Nachbetrachtung sprach CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann von »Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland« sowie »abstoßenden Szenen«.

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Festivalleitung unter massivem Druck

Im Zentrum der Kritik steht Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, die ihr Amt erst im April 2024 angetreten hatte. Medienberichten zufolge soll sie offenbar vor der Ablösung stehen. Sowohl Weimer als auch Tuttle seien sich einig, dass es mit der US-Festivaldirektorin an der Spitze der Berlinale nicht mehr weitergehen könne, wie die »Bild« berichtete.

Für zusätzliche Kontroversen sorgte die Tatsache, dass Tuttle bereits eine Woche vor der Preisverleihung mit dem Filmteam von »Chronicles from the Siege« für ein Foto posiert hatte. Auf diesem Bild trugen Crewmitglieder die traditionelle Kufiya und hielten palästinensische Flaggen. Die Festivalleitung rechtfertigte dies gegenüber der »B.Z.« damit, dass Tuttle in ihrer Rolle als Festivaldirektorin zahlreiche Filmteams begrüße, die mit ihren Premieren wichtige Meilensteine feierten.

Politische Forderungen nach Konsequenzen

Die kulturpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Ottilie Klein, forderte gegenüber der »Neuen Zürcher Zeitung«, die Förderung der Berlinale mit Bundesmitteln zukünftig an klare Bedingungen zu knüpfen. Diese Position unterstreicht die wachsende politische Sensibilität rund um das Festival.

Kulturstaatsminister Weimer äußerte sich nach der Preisverleihung deutlich: »Die Pali-Aktivistenszene hat auf der Berlinale mit Israelhass, Aggressivität und Bekenntnisnötigungen ihre hässliche Fratze gezeigt.« Er kritisierte, dass Jury-Arbeiten und Preisverleihungen für »politische Destruktion« missbraucht worden seien.

Die außerordentliche Sitzung am Donnerstag wird somit über die unmittelbare Reaktion auf den Skandal hinausgehen und grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Berlinale behandeln. Dabei geht es nicht nur um personelle Konsequenzen, sondern auch um die politische Ausrichtung und die Grenzen künstlerischer Freiheit bei einem mit öffentlichen Mitteln geförderten Festival von internationaler Strahlkraft.

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