Historiendrama „Das Vergehen“ feiert Premiere beim Filmkunstfest Schwerin
Historiendrama „Das Vergehen“ feiert Premiere in Schwerin

Am 5. Mai öffnet das Filmkunstfest Schwerin seine Vorhänge für einen außergewöhnlichen Streifen: „Das Vergehen“ feiert seine Premiere. Der Film wurde vor zwei Jahren im barocken Ambiente des Gutshauses Rensow gedreht, das von den Gutshausrettern Knut Splett-Henning und Christina von Ahlefeldt-Laurvig liebevoll restauriert wird. Die Dreharbeiten fanden unter extremen Bedingungen statt – ohne Heizung, mit Nebel und viel Wagnis. Das Ergebnis sind Bilder, die wie Gemälde wirken und den Schnittmeister Jörg Hausschild beim Sichten des Materials glauben ließen, ein Ufo sei gelandet. „Das ist nicht von dieser Welt“, sagte er.

Ein Film zwischen Kälte und Leidenschaft

Regisseurin Sandra Kaudelka erinnert sich an die drei bitterkalten Drehwochen im März in dem Gutshaus bei Teterow. Trotz der Kälte brannte das Team mit innerem Feuer für das Projekt. Stolz ist sie, dass ihr Film nun im großen Kinosaal des Filmkunstfestes Premiere feiert, während nebenan „Die Blutgräfin“ von Ulrike Oettinger mit Isabelle Huppert läuft. „Wir werden fast alle zu dem Ereignis kommen“, verrät die Regisseurin, die bei preisgekrönten Regisseuren wie Christian Petzold und den belgischen Dardenne-Brüdern ihr Handwerk lernte.

Ein starkes Team für eine Low-Budget-Produktion

Die Gastgeber und Ermöglicher der grandiosen Szenenbilder, die den Großteil des Films ausmachen, sind Christina Ahlefeldt, die auch als Szenenbildnerin fungierte, und Knut Splett-Henning. Das Team umfasst weiterhin den Ideengeber und Schauspieler Matthias Bundschuh („Die Wannseekonferenz“, „Tatort“), den Autor der literarischen Vorlage „Der Fürst spricht“ und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Jan-Peter Bremer sowie die österreichische Kostümbildnerin Esther Walz („Die Päpstin“, „Chantal im Märchenland“). Mit einer Mini-Crew professioneller Cineasten entstand ein ganzer Kinofilm in und aus Mecklenburg-Vorpommern – mit nur einem Kameramann und wenigen Schauspielern, darunter Walter Hess als Leibdiener, der während der Dreharbeiten 83 Jahre alt wurde.

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Matthias Bundschuh hatte die Idee, das Gutshaus als Filmkulisse zu nutzen, nachdem er die Serie „Mit Mut Mörtel und ohne Millionen“ über die Gutshausretter gesehen hatte. Knut Splett-Henning, der bereits 2019 das Gutshaus Behren-Lübchin für den Film „Effigy – das Gift und die Stadt“ bereitstellte, der in die Vorauswahl für die Golden Globe Awards 2021 kam, zeigt sich stolz über die internationalen Erfolge: „Unsere Filme, Musik und Szenenbilder haben Auszeichnungen in Zypern, Toronto, Houston, Manchester, London, Irland, Kopenhagen, South Carolina, Arizona, Berlin und Barcelona gewonnen.“

Die Handlung von „Das Vergehen“

Im Film spielt Matthias Bundschuh einen realitätsfernen Gutsbesitzer, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor einer entgleisten Welt auf sein Anwesen geflüchtet hat. In seine Einsamkeit kommt ein neuer Verwalter. Es beginnt ein Kammerspiel um Lügen und Intrigen, Misstrauen und innere Gaukelbilder. Die kraftvoll-poetische Fabel zeigt auf erschreckende Weise, wozu manipulatives Beugen von Realität führen kann, so die Filmcrew.

Vorfreude auf die Premiere

„Ich bin voller Vorfreude, dass der Film endlich Premiere feiert“, sagt Sandra Kaudelka, die in den vergangenen Monaten in andere Filmprojekte involviert war. „Am meisten freut mich, die schöne Synergie von toller Kulisse und märchenhaften Bildern so homogen zusammengefügt zu sehen.“ Doch ein Film werde erst auf großer Leinwand mit einem Publikum richtig zum Film, wenn der Saal gewissermaßen atmet. Dem stimmt auch Matthias Bundschuh zu, der zwischen Salzburger Festspielen und der Pumuckl-Serie nach Schwerin reist: „Ich bin wahnsinnig gespannt, wie das Publikum die zwielichtige und seltsame Reise aufnimmt. Denn wie ein Film wirklich ist, kann man erst sagen, wenn das Publikum ihn gesehen hat – wie bei einem exklusiven Gericht, das erst richtig seine Wirkung entfaltet, wenn es tatsächlich goutiert wird.“

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