Feministische Stimme verstummt: Kathi Wolf beim Maibockanstich nicht mehr dabei
Beim traditionellen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus wird in diesem Jahr eine bekannte Stimme fehlen: Die Kabarettistin Kathi Wolf, die 2025 als erste Frau neben dem etablierten Django Asül auftrat, ist 2026 nicht mehr im Programm. Sowohl der Veranstalter als auch die Künstlerin selbst halten sich bedeckt, wenn es um die Gründe für diese Entscheidung geht, was in der Kulturszene für Rätselraten sorgt.
Ein Jahr im Rampenlicht – dann das Aus
Im vergangenen Jahr sorgte die Wahl-Bayerin Kathi Wolf für frischen Wind bei der traditionsreichen Veranstaltung. Als "Kellnerin Kathi" brachte sie eine dezidiert weibliche und feministische Perspektive ein, nahm unter anderem Ministerpräsident Markus Söder mit seinem markanten Bart aufs Korn und ermahnte das Publikum mit den Worten: "Behaltet eure Griffel bei euch! Ihr seids im Wirtshaus, nicht im Streichelzoo!" Ihre Anwesenheit wurde damals von der Brauerei Hofbräu München ausdrücklich wegen dieser besonderen Sichtweise angefragt.
Doch nun, nur ein Jahr später, ist die 39-jährige Kabarettistin aus dem Kreis Neu-Ulm nicht mehr dabei. An ihrer Stelle tritt das niederbayerische Gstanzl-Duo "Lausdeandl" mit Karin Obermaier und Judith Ruhland auf, das sich selbst als echte "Blechbixn" bezeichnet und lieber Bier als Aperol trinkt. Der musikalische, weniger politische Ansatz des Duos steht in deutlichem Kontrast zu Wolfs engagiertem Kabarett.
Veranstalter und Künstlerin schweigen sich aus
Die Brauerei Hofbräu München als Veranstalter äußert sich auf Nachfrage äußerst knapp: "Kathi Wolf ist 2026 beim Maibockanstich nicht dabei, dafür haben wir das weibliche Duo ,Lausdeandl’ engagiert." Auf erneute Bitte um Begründung folgt nur die lakonische Antwort: "Wir haben uns für ein anderes Kabarett entschieden. Mehr gibt es dazu von unserer Seite gar nicht zu sagen."
Auch Kathi Wolf selbst möchte die Entscheidung nicht kommentieren, lässt jedoch durchblicken, dass sie selbst gerne die Gründe erfahren würde. Dieses beidseitige Schweigen erscheint umso pikanter, als Wolfs Auftritt im vergangenen Jahr durchaus kontrovers aufgenommen wurde. Im eher konservativen Publikum des Hofbräuhauses erntete sie nur überschaubaren Applaus, und der Oberpfälzer Kabarettist Jürgen Kirner kritisierte öffentlich: "Ihren Auftritt habe ich nicht richtig verstanden."
Django Asül: Braucht es überhaupt eine Vorband?
Der langjährige Maibockanstich-Routinier Django Asül, der in diesem Jahr zum 16. Mal in Folge das Wort schwingt, äußerte sich in einem Interview vor wenigen Tagen grundsätzlich zum Konzept der Vorband. Er ließ durchblicken, dass er an sich keine "Vorband" benötige: "Er und Finanzminister Albert Füracker (CSU), der traditionell das Fass anzapft und eine humorvolle Rede hält, hätten über die Jahre bewiesen, dass wir füreinander Vor- und Nachgruppe genug sind."
Diese Aussage wirft die Frage auf, ob das Hofbräuhaus für Kathi Wolfs feministischen Ton vielleicht einfach nicht bereit war – oder ob eine Vorband in diesem etablierten Format tatsächlich überflüssig erscheint, wenn danach Asül den anwesenden Spitzenpolitikern kräftig einheizt. Die Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze hatte Wolfs Auftritt im letzten Jahr noch als "toll, dass auch eine weibliche Kabarettstimme zu hören war" gelobt.
Parallelen zum Nockherberg: Nervosität und Kritik
Interessant sind die Parallelen zu einer anderen traditionsreichen Münchner Kabarettveranstaltung: Beim Nockherberg erging es vor wenigen Wochen Stephan Zinner, dem Nachfolger von Christian Schafroth, nicht viel besser. Ministerpräsident Markus Söder kommentierte dessen Auftritt mit den Worten: "Ich hab mich etwas gewundert, dass er sehr nervös war." Auch hier zeigt sich, dass Neueinsteiger in etablierten Formaten mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind.
Letztlich spielt bei solchen Entscheidungen sicherlich auch die Resonanz im Saal eine entscheidende Rolle. Der Maibockanstich im Hofbräuhaus München bleibt eine Institution mit konservativem Publikum, und experimentelle oder besonders politische Ansätze könnten hier an Grenzen stoßen. Ob Kathi Wolfs Abgang tatsächlich nur eine Programmänderung oder doch eine Reaktion auf ihren umstrittenen Auftritt darstellt, bleibt vorerst im Dunkeln – genau wie die Gründe, über die alle Beteiligten beharrlich schweigen.



