Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen: Kultur als Brücke gegen Antisemitismus
Kulturtage in Thüringen: Brücken gegen Antisemitismus

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen: Ein Festival für Dialog und Verantwortung

Vom 5. bis zum 26. März 2026 finden in Thüringen die Jüdisch-Israelischen Kulturtage statt, die in diesem Jahr ihr 34. Jubiläum feiern. Mit rund 80 Veranstaltungen in 16 Orten, darunter Städte wie Erfurt und Mühlhausen sowie kleinere Gemeinden wie Almerswind im Landkreis Sonneberg, bietet das Festival ein vielfältiges Programm aus Konzerten, Kunstausstellungen, Vorträgen und Lesungen. Organisiert wird es von der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen und dem Förderverein für jüdisch-israelische Kultur in Thüringen, mit dem Ziel, Freundschaften aufzubauen und das jüdische Erbe in der Region bekannter zu machen.

Vielfältiges Programm mit internationalen Gästen

Das Festival startet mit einem Auftritt des Sharon Mansur Trios, angeführt von der israelischen Jazzpianistin Sharon Mansur, in Erfurt. Zur Eröffnung wird auch der israelische Botschafter Ron Prosor erwartet. Ein Höhepunkt ist der Vortrag von Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am 25. März über das zeitgenössische jüdische Leben in Deutschland. Insgesamt sind 16 Musiker und Kulturschaffende aus Israel beteiligt – so viele wie noch nie in der Geschichte des Festivals. Zudem wird die in Brandenburg lebende jüdische Influencerin Tanya Raab, bekannt durch ihren Instagram-Kanal „oy_jewish_mamma“, für eine Lesung eingeladen.

Politische Verantwortung und klare Haltung gegen Rechtsextremismus

Festivalleiter Johannes Gräßer betonte bei der Programmvorstellung in Erfurt die politische Verantwortung des Festivals. „Thüringen ist nicht nur Höcke“, sagte er mit Bezug auf Björn Höcke, den Vorsitzenden des als rechtsextrem eingestuften Landesverbands der AfD. Das Festival stellt sich entschieden gegen solche Akteure, die jüdisches Leben und Erbe instrumentalisieren oder verhöhnen, wie etwa durch die Vereinnahmung regionaler Symbole wie der Simson-Mopeds. Diese klare Positionierung unterstreicht die Rolle der Kultur im Kampf gegen Antisemitismus und für eine inklusive Gesellschaft.

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Diskussionen über Verantwortung in der Kulturszene

In Erfurt wurde auch die Verantwortung von Künstlerinnen und Künstlern im Umgang mit Israel thematisiert. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, kritisierte, dass viele ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrnehmen und den Gaza-Krieg zu einseitig betrachten. Er erinnerte an einen Aufruf zum Stopp deutscher Waffenlieferungen an Israel, der im vergangenen Jahr von bekannten Thüringer Persönlichkeiten wie Musiker Clueso und Schauspielerin Sandra Hüller unterzeichnet wurde. Zudem berichtete Gräßer von israelischen Musikern, die von anderen Festivals ausgeladen oder nicht eingeladen wurden.

Kultur als Einladung zur Verständigung

Botschafter Ron Prosor wies in seinem Grußwort auf die aktuelle Diskussion hin: „Unter dem Deckmantel der Israel-Kritik erstrecken sich Diskriminierung und Ausgrenzung in Form von Kampagnen gegen Juden und israelische Künstler. Menschen, die früher ein Band der Verständigung waren, werden von Bühnen verbannt.“ Er betonte, dass Kultur einladen und nicht spalten solle. Neben den Jüdisch-Israelischen Kulturtagen gibt es in Thüringen zwei weitere jüdisch geprägte Festivals: den Yiddish Summer Weimar und die Achava Festspiele. Diese Vielfalt zeigt, wie stark jüdische Kultur und jüdisches Leben zu Thüringen gehören und Teil der regionalen Identität sind, wie Staatskanzlei-Chef Stefan Gruhner hervorhob.

Die Jüdisch-Israelischen Kulturtage in Thüringen dienen somit nicht nur der kulturellen Bereicherung, sondern auch als Plattform für wichtige gesellschaftliche Debatten. Sie fördern den interkulturellen Dialog, setzen ein Zeichen gegen Hass und stärken das Bewusstsein für die historischen und zeitgenössischen Beiträge der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

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