München Ticket vor dem Aus? Stadtrat berät über Verkauf der defizitären Kulturplattform
München Ticket vor dem Aus? Stadtrat berät über Verkauf

Konkursgefahr: Stadtrat debattiert über Zukunft von München Ticket

Für die lokale Ticketplattform München Ticket zeichnet sich eine düstere Zukunft ab. Hohe Defizite zwingen den Münchner Stadtrat dazu, über einen möglichen Verkauf der städtischen GmbH zu beraten. Doch was bedeutet diese Entscheidung für München als lebendigen Kulturstandort? Und wie verhalten sich die Münchner beim Ticketkauf in dieser unsicheren Lage?

Historische Verluste und drohende Insolvenz

Seit den Pandemiejahren hat München Ticket einen Verlust von vier Millionen Euro angehäuft. Für das laufende Jahr wird ein weiteres Defizit von rund einer Dreiviertelmillion Euro erwartet. In Zeiten leerer städtischer Kassen sind diese Summen für eine GmbH, die eigentlich Gewinne erwirtschaften sollte, untragbar. Die wahrscheinlichste Lösung ist ein Verkauf, um eine strafbare Konkursverschleppung zu vermeiden und die Entlassung aller Mitarbeiter zu verhindern.

Die Gründungsidee: Eine Plattform für Münchner Kultur

Gegründet wurde München Ticket im Jahr 1993 als Gemeinschaftsprojekt der städtischen Gesellschaften Gasteig GmbH und Olympiapark GmbH. Das Ziel war ambitioniert: Münchner Veranstaltern eine zentrale Ticketplattform zu bieten, damit nicht jeder Einzelne als Einzelkämpfer agieren muss. Die GmbH stellte Infrastruktur für Buchungen, Vertrieb, Verkauf und Marketing bereit. „München Ticket ist ein wunderbarer Partner für regionale Veranstaltungen und ganz besonders auch für Klassik“, betont der Münchner Großveranstalter Andreas Schessl von Münchenmusik. Er befürchtet, dass mit einem Ende der Plattform eine wichtige Chance für kleinere Münchner Veranstalter verloren geht.

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Nachlassende Kundenzufriedenheit und wirtschaftliche Herausforderungen

Die drohende Insolvenz bahnte sich bereits seit Längerem an. Viele Nutzer waren mit den Leistungen von München Ticket unzufrieden, insbesondere mit Presales- und Mailing-Angeboten sowie der Datenanalyse für gezielte Werbemaßnahmen. Großveranstalter wie der Kreisjugendring oder die Olympiapark Gesellschaft wichen auf Konkurrenzunternehmen aus. „Das Ganze funktioniert nur, wenn alle in München mitmachen“, erklärt Thomas Linsmayer, Direktor des Deutschen Theaters, der den Kartenverkauf über München Ticket abwickelt. Ohne die Beteiligung großer Veranstalter kann die Plattform nicht wirtschaftlich arbeiten.

Vorteile einer regionalen Plattform und politische Stimmen

Aus Kundensicht bot München Ticket Vorteile wie geringere Ticketgebühren im Vergleich zu CTS/Eventim und weniger aggressive Werbe-E-Mails. Kleinere Veranstalter profitierten von der Sichtbarkeit auf einer regionalen Plattform, die nicht von Mega-Events dominiert wird. Clemens Baumgärtner, CSU-Oberbürgermeisterkandidat, unterstreicht: „Funktionierende Ticketing-Strukturen sind essenziell. Ohne sie geraten Planungssicherheit, Einnahmen und Vertrauen gerade der kleineren Veranstalter ins Wanken.“ Er plädiert für eine kurzfristige städtische Unterstützung zur Stabilisierung.

Interesse von Großunternehmen und Zukunftsperspektiven

Interesse an einem Kauf von München Ticket hat die CTS Eventim AG & Co. KG, Deutschlands größter Ticketanbieter, der börsennotiert ist und Millionengewinne erzielt. Auch Stage Entertainment, ein Musicalveranstalter, arbeitet mit Eventim zusammen. Bleibt die Hoffnung, dass im Falle eines Verkaufs München als Kulturstandort – von städtischen Veranstaltungen bis zur kleinteiligen Tanz- oder Theaterszene – sichtbar bleibt. Thomas Linsmayer hofft, dass die Marke München Ticket als eigene Münchner Unterplattform erhalten bleibt, um die einzigartige Kulturlandschaft zu bewahren.

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