Kulturstaatsminister Weimer verteidigt Berlinale nach offenem Brief zu Gaza
Nach einem offenen Brief zahlreicher Filmschaffender, der die Berlinale für eine mangelnde Positionierung im Gaza-Krieg kritisiert, hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer das Filmfestival entschieden verteidigt. In einem Interview mit dem Sender „Welt TV“ betonte Weimer, dass die Berlinale keine Nichtregierungsorganisation „mit Kamera und Regie“ sei, sondern ein Ort, an dem sich Filmschaffende entfalten, offen diskutieren und alle relevanten Themen adressieren könnten. „Und das findet statt“, so der parteilose Minister.
Offener Brief wirft Berlinale mangelnde Positionierung vor
Das Branchenmagazin „Variety“ hatte zuvor einen offenen Brief Dutzender internationaler Künstler veröffentlicht, in dem diese der Berlinale ein „institutionelles Schweigen zum Völkermord an den Palästinensern“ vorwarfen. Zu den Unterzeichnern gehören prominente Namen wie der Schauspieler Javier Bardem, die Fotokünstlerin Nan Goldin und die Schauspielerin Tilda Swinton, die 2025 den Goldenen Ehrenbären der Berlinale erhalten hatte. Die Kritiker bemängelten, dass sich das Festival zu Gräueltaten im Iran und in der Ukraine klar positioniert habe, nicht jedoch zum Gaza-Konflikt.
Israel bestreitet die Vorwürfe eines Völkermords im Gazastreifen, eine Position, die auch von der Bundesregierung geteilt wird. Derzeit läuft vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag eine von Südafrika eingereichte Klage gegen Israel wegen Völkermords, wobei ein Urteil noch aussteht. Die Unterzeichner des Briefs kritisierten zudem Jurypräsident Wim Wenders und warfen der Berlinale Zensur vor. Weimer wies diese Vorwürfe zurück und erklärte: „Es wird natürlich keine Zensur betrieben.“ Er hob hervor, dass die Berlinale ein Ort sei, an dem Meinungen aufeinandertreffen und politische Debatten in großer Bandbreite geführt würden.
Weimer stellt sich hinter Jurychef Wenders
Der Kulturstaatsminister stellte sich ausdrücklich hinter den diesjährigen Jurychef Wim Wenders, den er als von „Pali-Aktivisten“ bedrängt beschrieb. Weimer sagte: „Ich würde ihn da gerne in Schutz nehmen, weil ich finde, er hat genau die richtigen Worte gefunden.“ Er betonte, dass die Berlinale traditionell eine sehr politische Veranstaltung sei, bei der alle heiklen Themen angesprochen würden. Wenders hatte zuvor erklärt, dass sich Filmschaffende aus der Politik heraushalten müssten und als Gegengewicht zur Politik agieren sollten, eine Aussage, die von der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy kritisiert wurde, die daraufhin ihre Teilnahme absagte.
Seit Beginn des Filmfestivals war der Nahostkonflikt mehrfach Thema, unter anderem bei einer Pressekonferenz, bei der ein Journalist Wenders auf eine Positionierung der Jury ansprach. Festivalchefin Tricia Tuttle schaltete sich am Wochenende mit einem langen Statement ein, in dem sie sich hinter Wenders und die Künstler des Festivals stellte. Sie betonte den Respekt vor der Würde jedes Menschen und die freie Meinungsäußerung bei den Internationalen Filmfestspielen.
Politische Debatten auf der Leinwand
Der Nahostkonflikt hat die Berlinale auch in den vergangenen Jahren beschäftigt, etwa nach der Abschlussgala 2024, als Preisträger das Vorgehen Israels im Gazastreifen kritisierten, ohne den Terrorangriff der Hamas vom Oktober 2023 zu erwähnen, was zu Debatten über Antisemitismus führte. In ihrem aktuellen Programm setzt die Berlinale auf vielfältige Perspektiven, darunter Filme von israelischen und palästinensischen Filmschaffenden. Beispiele sind der Spielfilm „Where To?“ des Regisseurs Assaf Machnes, der eine Geschichte über einen palästinensischen Taxifahrer in Berlin erzählt, und „Chronicles From the Siege“ des syrisch-palästinensischen Filmemachers Abdallah Alkhatib, der das Überleben unter Besatzungsbedingungen thematisiert.
Die Berlinale, die als politisches Filmfestival gilt und an diesem Sonntag endet, bleibt somit ein Ort intensiver Auseinandersetzungen, wo künstlerische Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung aufeinandertreffen.



