Taylor Swift versteht ihren Songwriting-Prozess selbst nicht
Taylor Swift: Songwriting-Prozess bleibt ihr ein Rätsel

Das New York Times Magazine hat 250 Musikexperten und sechs Kritiker gefragt: Wer sind die 30 größten lebenden US-amerikanischen Songwriter? In der Liste finden sich Namen wie Jay-Z, Mariah Carey, Dolly Parton, Lana Del Rey, Kendrick Lamar, Bad Bunny und Taylor Swift. Letztere gab dem Magazin ein seltenes 30-minütiges Videointerview.

Swift über ihren Schaffensprozess

Taylor Swift, 36, die sonst nur selten mit Medien spricht, gewährt in dem Interview tiefe Einblicke in ihr Songwriting. Sie betont, dass ihre Songs auf ganz unterschiedliche Weise entstehen. „Ich verstehe immer noch nicht ganz genau, wie es funktioniert“, gesteht sie. Den Hit „Love Story“ (2008) schrieb sie als 17-Jährige in ihrem Zimmer. Sie war sauer auf ihre Eltern, weil sie ihr verboten hatten, sich mit einem viel zu alten Typen zu treffen. „Mit dem ich sowieso nicht auf ein Date hätte gehen sollen“, fügt sie hinzu.

Kritik an übereifrigen Fans

Swift kritisiert, dass manche Fans zu weit gehen, wenn sie versuchen, die Personen hinter ihren Songs zu identifizieren. „Da wird es ein bisschen merkwürdig für mich, wenn Menschen so tun, als sei es eine Art Vaterschaftstest: ‚Dieser Song handelt von dieser Person.‘ Dann sage ich: ‚Diese Person hat diesen Song nicht geschrieben. Ich habe ihn geschrieben‘“, erklärt sie. Bei anderen Songs wie „Elizabeth Taylor“ ist die Inspirationsquelle offensichtlich. Der Song entstand während einer Autofahrt mit ihrem Verlobten Travis Kelce. Sie erzählte ihm von ihrer Faszination für die Schauspielerin Elizabeth Taylor, die für Künstlerrechte kämpfte und trotz Ausbeutung ihre Menschlichkeit bewahrte. Zu Hause angekommen, hatte Swift plötzlich eine Melodie im Kopf und öffnete schnell die Aufnahme-App auf ihrem Handy.

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Die Entstehungsgeschichte von „All Too Well“

Ein besonderes Kapitel des Interviews widmet sich dem Song „All Too Well“. Swift war damals 21 und „sehr, sehr traurig“. Der Song entstand während eines Soundchecks aus einem emotionalen Wutausbruch. „Diese wirre Tirade dauerte mehr als zehn Minuten, sie war weder zusammenhängend noch wirklich strukturiert“, erinnert sie sich. Ihre Mutter oder jemand anders fragte den Tontechniker, ob er die Aufnahme gemacht habe. „Ja, das habe ich“, antwortete er. Ohne diese Aufnahme hätte Swift den Song einfach fallen gelassen. Doch nach dem Anhören erkannte sie darin eine „10-minütige Katharsis intensiver Emotionen“. Daraus entstand die fünfeinhalbminütige Version von „All Too Well“, die sie 2012 veröffentlichte. Jahre später sprach Swift in einem Interview davon, dass der Song ursprünglich noch länger sei, was die Fans neugierig machte. „Ich habe meine Tagebücher durchgesehen und dabei kleine Fragmente davon gefunden, aber das alte Material hatte ich nicht mehr“, sagt sie. Also durchforstete sie ihre Schränke, um die CD zu finden, und setzte die Texte wieder zusammen. 2021 veröffentlichte sie schließlich „All Too Well (10-Minuten-Version)“ auf dem Album „Red (Taylor’s Version)“. „Es war der umfangreichste Restaurierungsprozess, den ich je bei einem Song durchgeführt habe“, so Swift. Sie glaube nicht, dass sie so etwas jemals wieder erleben werde.

Taylor Swift zählt zu den erfolgreichsten Musikerinnen der Welt. Anfang des Jahres wurde sie mit nur 36 Jahren in die Hall of Fame der Songwriter aufgenommen. Nur ein Sänger war bei seiner Aufnahme jünger.

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