Berlin gibt 574 koloniale Schädel zurück: Aufarbeitung der Kolonialzeit nimmt Fahrt auf
Berlin gibt 574 koloniale Schädel nach Westafrika zurück

Berlin gibt 574 koloniale Schädel nach Westafrika zurück

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat einen bedeutenden Schritt in der Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte vollzogen. Nach intensiver mehrjähriger Forschung werden insgesamt 574 menschliche Schädel aus der Kolonialzeit in ihre Herkunftsländer in Westafrika zurückgeführt. Diese Rückgabe markiert einen wichtigen Meilenstein im Umgang mit dem kolonialen Erbe Deutschlands.

Herkunft der menschlichen Überreste geklärt

Die Berliner Institution konnte die Provenienz der Gebeine genau bestimmen. Die meisten der 574 Schädel stammen aus dem heutigen Kamerun (336), gefolgt von Togo (151), Ghana (23) und Nigeria (1). Bei 63 Relikten war trotz intensiver Forschung keine präzise geografische Zuordnung möglich. Stiftungspräsidentin Marion Ackermann betonte: „Wenn irgend möglich, sollen die menschlichen Gebeine dorthin zurückkehren können, woher sie stammen.“

Tragische Hintergründe der Sammlung

Die menschlichen Überreste haben teilweise tragische Hintergründe. Ein wesentlicher Teil stammt von Arbeitern, die beim deutschen Eisenbahnbau in Kamerun ums Leben kamen. Andere Gebeine wurden aus beraubten Nekropolen oder von Schlachtfeldern entwendet. Besonders erschütternd sind die Einzelfälle, bei denen Hinrichtungen durch Deutsche dokumentiert sind. Die Sammlung war ursprünglich Teil der Charité und wurde 2011 an die Kulturstiftung übergeben.

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Bürokratische Hürden bei Rückgaben

Trotz des Fortschritts gibt es weiterhin Herausforderungen. Die 574 untersuchten Schädel stellen nur einen Bruchteil des Gesamtbestands von 7.700 menschlichen Überresten dar. Besonders problematisch gestaltet sich die Rückgabe von 1.100 Gebeinen aus der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Obwohl die Stiftung entsprechende Angebote an die Herkunftsländer gemacht hat, konnte bisher keine Restitution erfolgen. In Tansania wurden zwar zwei betroffene Familien identifiziert, doch die Regierung erteilt keine Einfuhrgenehmigung für die menschlichen Überreste.

Internationale Bedeutung des Projekts

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) bezeichnete die Provenienzforschung und Rückführung menschlicher Überreste als „zentrale Anliegen bei der Aufarbeitung des Kolonialismus“. Das Berliner Projekt gilt als Leuchtturmprojekt in diesem Bereich. In den vergangenen Jahren hatte die Stiftung bereits menschliche Überreste in die USA, nach Australien und Neuseeland zurückgegeben. Die aktuelle Rückgabe nach Westafrika unterstreicht die kontinuierliche Bemühung um eine angemessene Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit.

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