EU-Politiker drohen Kunstbiennale Venedig mit Zuschuss-Stopp wegen russischem Pavillon
Die geplante Wiedereröffnung des russischen Pavillons bei der Kunstbiennale in Venedig stößt auf scharfe Kritik europäischer Spitzenpolitiker. Der für Kultur zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef und die Vizepräsidentin für Technologie, Sicherheit und Demokratie, Henna Virkkunen, haben in einer gemeinsamen Erklärung deutlich gemacht, dass diese Entscheidung der Fondazione Biennale nicht mit der kollektiven Reaktion der Europäischen Union auf die brutale Aggression Russlands vereinbar sei.
Drohung mit finanziellen Konsequenzen
Sollte die Fondazione Biennale an ihrer Entscheidung festhalten, werde die EU-Kommission weitere Maßnahmen prüfen. Konkret drohen die Politiker mit der Aussetzung oder sogar Beendigung eines laufenden EU-Zuschusses an die Biennale Foundation. Derzeit stellt die EU-Kommission über einen Zeitraum von drei Jahren insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung, die der Venice Production Bridge bei der Unterstützung von Filmproduzenten und immersiver Technik helfen.
Kultur als Plattform für demokratische Werte
In ihrer Stellungnahme betonten Micallef und Virkkunen, dass Kultur demokratische Werte fördere und schütze, offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit unterstütze. Sie dürfe niemals als Plattform für Propaganda genutzt werden. Diese klare Positionierung unterstreicht die politische Dimension, die der russischen Teilnahme an der Kunstbiennale beigemessen wird.
Ukrainischer Protest und russische Pläne
Die Ukraine hatte bereits am Wochenende gegen die geplante russische Teilnahme protestiert. Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna wiesen darauf hin, dass die designierte Leiterin des russischen Pavillons Kontakte zur Rüstungsindustrie ihres Landes habe. Dies unterstreiche ihrer Ansicht nach, dass Kultur in Russland untrennbar mit dem militaristischen Regime verbunden sei.
Russland hatte zuvor erklärt, in diesem Jahr wieder an der Biennale di Venezia teilzunehmen und seinen Pavillon mit Arbeiten einheimischer Künstler zu bestücken. Die Kunstbiennale, die vom 9. Mai bis 22. November in Venedig stattfindet, zählt zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst.
Die politische Kontroverse zeigt, wie sehr sich die Kunstwelt mit den geopolitischen Realitäten auseinandersetzen muss. Die Entscheidung der Fondazione Biennale wird nicht nur künstlerische, sondern auch erhebliche finanzielle und politische Konsequenzen haben.



