Der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani hat den Literaturpreis der Stadt München erhalten. Der alle drei Jahre vergebene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Im Interview spricht Ani über sein Schreiben, die Figur Tabor Süden und seine Kindheit in Kochel.
Ein Preis für die Literatur
Ani freut sich besonders darüber, dass der Preis für Literatur und nicht nur für Krimis vergeben wird. „München ist die einzige Stadt, in der mir Jurys schon zweimal einen Literaturpreis zugesprochen haben“, sagt er. „Offensichtlich gibt es hier Menschen, die meine Bücher komplexer lesen.“ Der Autor hat siebenmal den Deutschen Krimipreis, einen Grimmepreis und die Romy gewonnen.
Vom Zweifel zum Schriftsteller
Trotz seiner Erfolge sei er von Zweifeln durchsetzt. „Ich habe mich zum ersten Mal in der Tiefe meines Bewusstseins als Schriftsteller gefühlt, als Raimund Fellinger mich fragte, ob ich nicht zu ihm in den Verlag kommen möchte“, erinnert sich Ani. Fellinger, der legendäre Lektor von Thomas Bernhard und Peter Handke, holte Ani zu Suhrkamp.
Die Geburt von Tabor Süden
Die Idee zu seinem berühmten Ermittler Tabor Süden kam ihm im Augustinerstüberl. „Ich sah einen Gast, der völlig verloren wirkte. Da dachte ich, diese verlorene Seele könnte jemand sein, der beruflich Vermisste sucht“, erklärt Ani. „So habe ich den Vermisstenfahnder erfunden, den ersten in der deutschen Krimiliteratur.“
Kein Unterschied zwischen Krimi und Literatur
Ani macht keinen Unterschied zwischen Krimi und Literatur. „Ich war verblüfft über die starke positive Resonanz auf meinen Vermisstensucher. In den Feuilletons wurden meine Romane als Literatur wahrgenommen, im Buchhandel landeten sie meist im Krimiregal.“
Zurück zu den Wurzeln
In seinem Buch „Schlupfwinkel“ verarbeitet Ani seine Kindheit als Sohn eines Syrers und einer Schlesierin in Kochel. „Durch die häufigen Besuche in Kochel kamen alte Bilder in mir hoch, die mich nicht mehr losgelassen haben“, sagt er. „Der Text floss mir aus der Hand und aus dem Herzen.“
München als Heimat
Ani lebt heute wieder in Schwabing, wo er sich zuhause fühlt. „München war kein Fluchtort, sondern Heimat für mich“, betont er. Die Jury lobt, dass seine Literatur „in weniger bekannte Seitenstraßen der Stadt führt“.
Fußball und Engagement
Ani war jahrelang Bayern-Fan, ist aber ausgetreten. „Mir hat nicht mehr gepasst, wie die Führungsspitze des Vereins sich einmischt“, erklärt er. Heute ist er Mitglied beim TSV 1860. Bei Demos gegen Rechts hat er mehrfach Gedichte vorgetragen. „München gilt als behäbige Stadt, aber wenn es wirklich um etwas geht, kommt die Stadtgesellschaft in die Puschen.“



