Ehemalige Russland-Korrespondentin Inna Hartwich liest in Uckermark über familiäres Gewalterbe
Inna Hartwich liest in Uckermark über Gewalterbe in Russland

Ehemalige Korrespondentin: Warum ich nicht mehr in Russland leben kann

Die Autorin und frühere Journalistin Inna Hartwich wird im April nach Brüssow in der Uckermark kommen, um aus ihrem bewegenden Werk „Friedas Enkel. Meine Familie und das Erbe der Gewalt in Russland“ vorzulesen. Viele Jahre berichtete Hartwich als freie Korrespondentin für deutsche Medien aus Moskau, doch im Herbst 2025 verließ sie das Land endgültig – erschöpft und desillusioniert.

Das verlorene Russland ihrer Kindheit

Inna Hartwich, 1980 in Moskau in eine russlanddeutsche Familie geboren, emigrierte bereits 1992 nach Deutschland und wuchs in Nordhessen auf. Nach ihrem Studium kehrte sie 2010 als Journalistin nach Moskau zurück, um über Russland und die ehemaligen Sowjetrepubliken zu berichten. Doch das Land, das sie einst kannte, existiert nicht mehr. „Ich befinde mich in einer Art Trauerphase“, gestand sie in einem Podcast mit dem SWR, „weil ich Russland und auch die Arbeit dort, die mir sehr viel Spaß machte, grundsätzlich verloren habe.“

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erklärte sie ihre Entscheidung, Russland zu verlassen, mit den zunehmend unerträglichen Bedingungen: „Weil ein Leben und Arbeiten in einem autoritären Land, das immer mehr in Diktatur abdriftet, sehr belastend ist.“ Als eine der letzten deutschen Medienschaffenden verließ sie mit ihrer Familie im Herbst 2025 das Land.

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Friedas Enkel: Eine Spurensuche durch Generationen

Ihr Buch „Friedas Enkel“, das vor zwei Jahren erschien, ist eine tiefgehende Auseinandersetzung mit dem schwierigen Erbe ihrer Familie. Hartwich begab sich auf die Spuren ihrer Großmutter Frieda, einer staatlich verfolgten sowjetischen Frau mit deutschen Vorfahren, die die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebte. Frieda flüchtete, erfahr Ablehnung und harte Arbeit, die weit über ihre körperlichen Grenzen hinausgingen. Ihre Bewältigungsstrategie war das Schweigen – sie lernte zu verdrängen und die Vergangenheit abzuschütteln.

Für ihre Recherchen reiste Hartwich, solange es noch möglich war, quer durch Russland und traf Menschen mit den unterschiedlichsten Haltungen. Ihr Ziel war es, „zu zeigen, wie sich das Land durch Angst, Leid und Ignoranz selbst zerstört“. Die Familie hat, wie der Trägerverein des Kulturhauses in Brüssow in seiner Ankündigung beschreibt, mehrere „Verbannungen“ erfahren – ein Thema, das in Hartwichs Werk zentral ist.

Lesung in der Uckermark: Ein Abend der Reflexion

Die Lesung mit Inna Hartwich findet am 25. April 2026 um 17 Uhr im Kulturhaus Kino Brüssow statt. Der Veranstalter, das Kulturnetzwerk Brüssower Land, bietet auf seiner Internetseite weitere Informationen an. Karten sind im Vorverkauf bei Eventfrog erhältlich. Diese Veranstaltung verspricht nicht nur literarische Einblicke, sondern auch eine persönliche Reflexion über Heimatverlust, politische Umbrüche und das Erbe historischer Gewalt.

Hartwichs Werk und ihre Erfahrungen als Journalistin in einem sich wandelnden Russland machen diese Lesung zu einem bedeutenden kulturellen Ereignis in der Uckermark. Es ist eine seltene Gelegenheit, direkt von einer Autorin zu hören, die sowohl die innere Zerrissenheit als auch die äußeren politischen Realitäten Russlands aus erster Hand kennt.

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