Kinostarts der Woche: Vom Empty-Nest-Syndrom bis zu stürmischen Romanzen
Diese Woche bringen die deutschen Kinos eine vielfältige Mischung auf die Leinwand – von berührenden Familiendramen über opulente Literaturverfilmungen bis hin zu eleganten Kriminalthrillern. Im Fokus stehen dabei oft die großen Lebensübergänge und die emotionalen Turbulenzen, die sie mit sich bringen.
„Die Ältern“: Wenn das Nest plötzlich leer steht
Für viele junge Erwachsene ist der Auszug aus dem Elternhaus ein befreiender Schritt in die Selbstständigkeit. Doch was bedeutet dies für die zurückbleibenden Eltern? Sönke Wortmanns neuer Film „Die Ältern“ mit Sebastian Bezzel in der Hauptrolle widmet sich genau dieser Frage. Bezzel spielt Hannes, einen erfolgreichen Fantasy-Autor, dessen Welt ins Wanken gerät, als nicht nur seine Tochter auszieht, sondern auch seine Frau neue Wege gehen will.
Der Film, basierend auf Jan Weilers Roman, zeigt mit feinem Humor und genauer Beobachtung, wie ein Vater, der bisher die Familie im Homeoffice zusammengehalten hat, in die Tiefen des Empty-Nest-Syndroms stürzt. Bezzel entfaltet dabei seine ganze Bandbreite an selbstironischem Spiel, ohne in plumpen Pointen oder übertriebenen Dramatisierungen zu verfallen. Es ist ein ruhiges, nachdenkliches Porträt einer Lebensphase, die im Kino oft übersehen wird.
„Wuthering Heights“: Eine opulente und ironische Romanze
Ganz anders, aber nicht weniger intensiv, geht es in Emerald Fennells Adaption von „Wuthering Heights“ zu. Die Regisseurin von „Saltburn“ nimmt sich die Freiheit, Emily Brontës klassischen Roman von 1847 kräftig umzusortieren und mit einer gehörigen Portion Camp und Ironie zu versehen. Die junge Catherine Earnshaw, gespielt von Margot Robbie, die den Film auch produziert hat, und der Findling Heathcliff, dargestellt von Jacob Elordi, erleben eine leidenschaftliche Liebe, die später in Verlangen umschlägt.
Optisch ist der Film ein Spektakel: rosafarbene Hautwände, metallisch glänzende Kleider und üppige Weihnachtsdekorationen erinnern an Sofia Coppolas „Marie Antoinette“, allerdings mit einem kinky Twist. Doch trotz aller Opulenz bleibt die emotionale Tiefe der Vorlage manchmal auf der Strecke – die große Romanze kommt bei so viel ironischer Distanz nicht ganz zur Geltung.
Weitere Highlights: Von Gaza bis Los Angeles
Neben diesen beiden Hauptfilmen bietet die Woche weitere bemerkenswerte Produktionen:
- „Once Upon A Time In Gaza“: Die Brüder Tarzan und Arab Nasser erzählen in ihrer Tragikomödie vom Überleben im belagerten Gaza des Jahres 2007. Zwischen politischer Dringlichkeit und absurden Alltagssituationen entsteht ein bewegendes Porträt voller kleiner Hoffnungsschimmer.
- „Crime 101“: Chris Hemsworth brilliert als akribischer, gewaltfreier Dieb, der entlang des Highways 101 in Los Angeles operiert. In diesem eleganten Noir-Thriller, gedreht von Bart Leyton, überzeugen auch Mark Ruffalo und Halle Berry in gut geschriebenen Nebenrollen. Der Film besticht durch präzise Charakterzeichnung und einen behutsamen Spannungsaufbau.
- „Das Beste liegt noch vor uns“: Nanni Moretti kehrt mit einem selbstreflexiven Film zurück, der seine eigene linke Bubble kritisch unter die Lupe nimmt. Mit viel Humor und Reminiszenzen an die Filmgeschichte entsteht eine unterhaltsame, wenn auch etwas zahme Satire.
Zusammenfassend bietet diese Kinowoche also ein breites Spektrum an Themen und Stilen – perfekt für jeden Geschmack und jede Stimmung.



