Mai Duong Kieu: Wie Kampfkunst ihre Kindheit in Chemnitz und ihre Karriere als Schauspielerin formte
Am 11. März erscheint die Autobiografie „Im Herzen bist du unbesiegbar“ der bekannten Schauspielerin Mai Duong Kieu. In diesem persönlichen Werk schildert die Darstellerin aus Serien wie „Wilsberg“ und „In aller Freundschaft“ ihre prägenden Jahre im Chemnitz der 1980er- und 1990er-Jahre. Das Buch erzählt eine bewegende Geschichte der Selbstermächtigung und zeigt, wie die Philosophie und Praxis des Kung Fu ihr half, die Herausforderungen einer strengen Kindheit als Tochter vietnamesischer Eltern zu meistern.
Kung Fu als Rettungsanker in einer schwierigen Kindheit
Mai Duong Kieu beschreibt ihre frühen Jahre als außerordentlich bedrückend. In einem Elternhaus, das von strikten Regeln und emotionaler Kühle geprägt war, fand sie im Kung Fu nicht nur körperliche Stärke, sondern auch geistige Halt. „Die Prinzipien von Yin und Yang oder die Erkenntnis, dass der stete Wandel die einzige Konstante im Leben ist, haben mir als Kind sehr geholfen“, erklärt die Schauspielerin. Sie betont, dass Kampfsport für Mädchen generell wichtig sei, um Wehrhaftigkeit und innere Stärke zu entwickeln.
Die strenge Erziehung, die oft mit Liebesentzug als Strafe verbunden war, hinterließ tiefe Spuren. Dennoch gelang es Kieu, eine positive Lebenshaltung zu bewahren. „Es gehört viel Arbeit an sich selbst dazu, diese Erfahrungen loszulassen“, sagt sie. Heute pflegt sie einen liebevollen, wenn auch distanzierten Kontakt zu ihren Eltern – ohne Bitterkeit, aber mit dem nötigen Verständnis für deren damaliges Verhalten.
Vom Kampfsport zur Schauspielerei: Die perfekte Vorbereitung
Für Mai Duong Kieu erwies sich das Kung Fu-Training als ideale Grundlage für ihre spätere Karriere vor der Kamera. „Ich lernte, Körper und Geist in Einklang zu bringen und mit Niederlagen umzugehen“, so die Schauspielerin. Zudem entwickelte sie durch ihre Kindheit ein feines Gespür für Stimmungen und Situationen – eine Fähigkeit, die sie heute nutzt, um die Erwartungen von Regisseuren präzise einzuschätzen und authentisch zu agieren.
In Rollen wie der Kommissarin in „Wilsberg“ oder der Ärztin in der ZDF-Reihe „Einfach Elli“ verkörpert sie starke, selbstbewusste Frauen. Doch Kieu kritisiert, dass Schauspielerinnen mit fernöstlichen Wurzeln noch immer oft in stereotype Rollen gedrängt werden. „Wenn diese Frauen nur als fleißig, pünktlich und emotional kontrolliert gezeigt werden, ist das genauso klischeehaft“, betont sie. Zwar habe sich in den Sendern ein Bewusstsein für dieses Problem entwickelt, doch es bleibe noch viel zu tun, um vielfältige und authentische Charaktere zu schaffen.
Kindheit in Chemnitz: Zwischen Privileg und Rassismus
1992 kam Mai Duong Kieu mit ihrer Mutter nach Chemnitz, wo ihr Vater bereits als Kung-Fu-Lehrer lebte. Im Gegensatz zu vielen anderen vietnamesischen Familien erlebte sie eine gewisse Privilegierung. „Mein Vater war Kung-Fu-Lehrer, dem schmeißt man keine Scheibe ein“, erinnert sie sich. Die Kampfsportschule der Eltern bot einen Schutzraum vor den alltäglichen Anfeindungen, mit denen andere Vertragsarbeiterfamilien konfrontiert waren.
Dennoch war die Situation geprägt von Vorurteilen und Ausgrenzung. „Vietnamesen galten als Menschen zweiter Klasse, ihre Integration stand nie zur Debatte“, so Kieu. Sie ist überzeugt, dass eine bessere Kommunikation seitens der Regierung das Verhältnis zwischen Einheimischen und Vertragsarbeitern hätte verbessern können. Heute sieht sie Parallelen zu aktuellen Debatten um Migration und Arbeitsplätze.
Moralische Prinzipien und berufliche Kompromisse
Ein zentraler Leitsatz in Kieus Buch lautet: „Lieber richtig verlieren als falsch gewinnen.“ Dieses moralische Prinzip, das sie von ihren Eltern übernommen hat, bedeutet für sie, keine Rollen anzunehmen, die nicht ihren Werten entsprechen. Allerdings gesteht die mittlerweile Mutter gewordene Schauspielerin ein, dass berufliche Realitäten manchmal Kompromisse erfordern. „Heute muss ich realistisch denken und dafür sorgen, dass ich meine Miete bezahlen kann“, erklärt sie. Dennoch nutzt sie ihre wachsende Erfahrung, um an Figuren mitzuarbeiten und Stereotype zu hinterfragen.
Mit „Im Herzen bist du unbesiegbar“ liefert Mai Duong Kieu nicht nur ein persönliches Porträt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zu Debatten über Integration, weibliche Stärke und die Überwindung von Klischees in der Unterhaltungsbranche. Ihre Geschichte zeigt, wie Disziplin, Ausdauer und die Philosophie des Kung Fu helfen können, selbst die schwierigsten Lebensphasen zu meistern und gestärkt daraus hervorzugehen.



