Michaela May in tragikomischem Zwei-Personen-Stück
Die Komödie im Bayerischen Hof präsentiert mit "Der Abschiedsbrief" ein außergewöhnliches Theaterstück, das die Grenzen zwischen Tragödie und Komödie meisterhaft auslotet. Michaela May teilt sich die Bühne mit Sigmar Solbach in diesem intensiven Zwei-Personen-Stück der Autorin Audrey Schebat, das bis zum 19. April 2026 zu sehen sein wird.
Ein ungewöhnlicher Beginn: Selbstmordversuch als Ausgangspunkt
Das Stück beginnt mit einer schockierenden Szene: Ein Ehemann steht mit einer Schlinge um den Hals auf einem Stuhl, bereit sich aufzuhängen, als seine Frau unerwartet von einer Reise zurückkehrt. "Wie kann ein Stück weitergehen, wenn es mit dem Tod anfängt? Vor allem, wenn es eine Komödie sein will", beschreibt Michaela May ihre ersten Gedanken beim Lesen des Textes.
Die Schauspielerin war bereits durch das vorherige Stück der Autorin, "Der Sittich", mit deren Werk vertraut. Nach einer Einladung nach Paris, wo "Der Abschiedsbrief" bereits lief, war sie sofort von der Thematik gepackt. "Es ist einfach inspirierend für Paare jeden Alters", erklärt May. "Was passiert, wenn die erste Verliebtheit vorbei ist? Was macht das mit einer Beziehung? Wo bleibt das Wir?"
Persönliche Bezüge und existenzielle Fragen
Die Fragen des Stücks berühren May auch persönlich. Sie hat alle drei ihrer Geschwister durch Suizid verloren und kennt die quälenden Fragen, die solche Verluste aufwerfen. "Da ist ganz schnell ein Gefühl von Schuld da: Hab ich was versäumt? Hab ich was falsch gemacht?", beschreibt sie die emotionalen Nachwirkungen.
Im Stück wird diese Thematik aufgegriffen, wenn die Frau es als besonders schlimm empfindet, dass ihr Mann keinen Abschiedsbrief hinterlassen wollte. "Sie sagt, es würde es leichter machen, wenn sie wüsste, warum - für sie selbst, aber auch für die anderen", so May.
Die Magie des tragikomischen Humors
Trotz der schweren Thematik betont May die heiteren Aspekte des Stücks. "Ich habe beim Lesen viel gelacht. Die Gedanken, die den beiden in dieser Situation durch den Kopf gehen, sind abstrus, menschlich und ziemlich komisch." Für die Schauspielerin ist echter Humor untrennbar mit einer gewissen Tragik verbunden. Mit typischen Boulevard-Komödien kann sie wenig anfangen: "Meine Stücke müssen immer irgendetwas haben, was einen danach noch beschäftigt."
Arbeit mit Ehemann als Regisseur
Die Regie führt Mays Ehemann Bernd Schadewald, eine Konstellation, die die Schauspielerin schätzt. "Ich liebe es, wenn mein Mann die Regie macht, weil er einen anderen Blick hat als ich." Die Zusammenarbeit ist dabei nicht immer konfliktfrei: "Wir haben durchaus auch lautstarke Auseinandersetzungen." Diese bleiben jedoch auf den Probenraum beschränkt. Zu Hause möchte May nur ihren Text lernen und nicht über die Arbeit sprechen.
Sigmar Solbach fungiert in dieser Konstellation manchmal als neutraler Vermittler. "Vielleicht ist er ein bisschen wie ein neutraler Psychotherapeut, wenn ich nicht der Meinung meines Mannes bin", beschreibt May die Dynamik.
Erfolg in Hamburg und persönliche Sinnsuche
Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit der Komödie im Winterhuder Fährhaus in Hamburg, wo das Stück bereits erfolgreich lief. Dieser Erfolg bestätigte May in ihrer Entscheidung, sich für diesen Text einzusetzen. "Sich selbst für einen Text einzusetzen, ist eine große Freiheit, bedeutet aber auch Verantwortung", reflektiert sie.
Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die das Stück aufwirft, beschäftigt auch May persönlich. Ihre Figur sagt: "Für den Sinn müssen wir selbst sorgen. Wir müssen ihn selbst mitbringen, wie die Getränke zu einem Picknick!" Dieser Gedanke findet sich in Mays eigenem Leben wieder. "Ich glaube, wenn man aus der Gesellschaft etwas genommen hat, sollte man auch was zurückgeben. Das ist für mich der Sinn des Lebens."
Vielfältiges Engagement jenseits der Bühne
Obwohl May mehr Angst vor einer Premiere als vor dem Tod hat, bleibt ihre Leidenschaft für das Theater ungebrochen. "Die Rollen, die ich im Theater spielen kann, sind einfach meist tiefer als die, die mir das Fernsehen bietet", erklärt sie. Dennoch hat sie sich beruflich breit aufgestellt: Sie macht Hörspiele und Hörbücher, schreibt, dreht und engagiert sich für Charity-Projekte.
Im April kommt David Dietls Film "Ein Münchner im Himmel" ins Kino, in dem May mitgespielt hat. Zuvor sprach sie den Text für die Licht- und Klangshow "Luminiscence" in der Nürnberger Lorenzkirche ein. "Ich engagiere mich auch für Charity-Projekte", betont sie. "Ich glaube, man muss heute klare Haltung haben und sie auch zeigen, um etwas zu bewegen."
Neben der beruflichen Vielfalt sind Familie, Enkelkinder und Freunde mindestens ebenso wichtig für die Schauspielerin. "Die sind mindestens so wichtig wie mein Erfolg in der Öffentlichkeit", resümiert May, die damit den Picknickkorb ihres Lebens mit vielfältigem Sinn füllt.



