Henrike Naumanns Vermächtnis: Deutscher Pavillon folgt ihrer künstlerischen Vision
Die deutsche Kunstszene trauert um eine ihrer bedeutendsten Stimmen: Henrike Naumann, die gemeinsam mit Sung Tieu für den deutschen Beitrag zur Kunstbiennale in Venedig ausgewählt worden war, ist im Alter von nur 41 Jahren verstorben. Dennoch wird ihr künstlerischer Traum Wirklichkeit – das Team des Deutschen Pavillons hat zugesichert, die Ausstellung strikt nach Naumanns Konzepten umzusetzen.
Ein lang gehegter Traum wird posthum verwirklicht
„Den Pavillon zu bespielen, war seit langer Zeit ihr großer Traum – wir werden dies für sie umsetzen“, betonte Kuratorin Kathleen Reinhardt im Namen des gesamten Teams. Naumann hatte das Werk in den vergangenen Monaten konzeptuell entworfen und in den letzten Wochen vor ihrem Tod fertiggestellt. Die Arbeiten sollen wie geplant zur Eröffnung der Kunstbiennale im Mai präsentiert werden, auch wenn Details noch nicht bekannt gegeben wurden.
Rund zwölf Wochen vor der Eröffnung ist die Künstlerin in Berlin „nach einer viel zu spät diagnostizierten Krebserkrankung“ gestorben, wie ihre Familie mitteilte. Die Nachricht hinterlässt eine tiefe Lücke nicht nur im persönlichen Umfeld, sondern auch in der deutschen Kunstlandschaft.
Eine Ausnahmekünstlerin mit internationaler Strahlkraft
Henrike Naumann, geboren im sächsischen Zwickau und seit Jahren in Berlin lebend und arbeitend, galt als herausragende Vertreterin der deutschen Gegenwartskunst. Ihre charakteristischen Installationen kombinierten regelmäßig Möbelstücke mit anderen Objekten und integrierten Video- sowie Soundarbeiten zu komplexen Gesamtwerken.
Ihre internationale Reputation belegen Ausstellungen in renommierten Institutionen weltweit:
- New York
- Harvard University
- Warschau
- Luxemburg
- Kiew
Das für den Deutschen Pavillon zuständige Institut für Auslandsbeziehungen würdigte Naumann als „warmherzige, wache und hoch engagierte Persönlichkeit“, deren Verlust schmerzhaft sei.
Das Biennale-Projekt als Gemeinschaftswerk
Bis zuletzt arbeitete Naumann intensiv an der Realisierung dessen, was ihr Lebenspartner Clemens Villinger als ihr „Herzensprojekt“ bezeichnete: die Gestaltung des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig. In einem bewegenden „letzten Gruß“ auf ihrer Website schrieb Villinger: „Sie sprühte vor Ideen und hatte noch so viele Pläne, wollte noch so viele Menschen kennenlernen und ihre Tochter aufwachsen sehen.“
Er betonte jedoch auch den kollektiven Charakter des Vorhabens: „Die Ausstellung in Venedig wurde und wird so umgesetzt, wie ihre Laufbahn begonnen hat: als Gemeinschaftswerk, angeleitet durch Henrikes künstlerische Vision.“ Auch wenn ihre physische Präsenz fehle, wirke Naumann durch ihre Werke und Verbindungen weiter.
Tradition und Kontinuität im Deutschen Pavillon
Die Kunstbiennale in Venedig, die vom 9. Mai bis 22. November stattfindet, zählt zu den weltweit wichtigsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Der Deutsche Pavillon blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück – hier präsentierten bereits Kunstgrößen wie:
- Gerhard Richter
- Joseph Beuys
- Nam June Paik
- Martin Kippenberger
- Isa Genzken
Nun wird Henrike Naumann in diese illustre Reihe aufgenommen, wenn auch unter tragischen Umständen. Ihre künstlerische Vision wird jedoch über ihren Tod hinaus wirken und im Deutschen Pavillon der Biennale 2026 sichtbar werden – ein bewegendes Vermächtnis einer außergewöhnlichen Künstlerpersönlichkeit.



