Rotterdam erhält neues Fotomuseum im historischen Kaffeespeicher: Ein Leuchtturm für die Fotografie
Neues Fotomuseum in Rotterdams historischem Kaffeespeicher

Rotterdam erhält neues Fotomuseum im historischen Kaffeespeicher

Die Fotografie hat in Rotterdam ein beeindruckendes neues Zuhause gefunden. Im denkmalgeschützten Santos Pakhuis, einem ehemaligen Kaffeelagerhaus aus der Beaux-Arts-Ära, ist das Nederlands Fotomuseum eingezogen. Dieser architektonische Leuchtturm sendet nicht nur in den Niederlanden, sondern auch nach Deutschland wichtige Impulse für die Bewahrung fotografischen Erbes.

Vom Kaffeespeicher zum Fototempel

Wo jahrzehntelang Kaffee aus der brasilianischen Küstenstadt Santos gelagert wurde, finden heute kostbare Erinnerungen, historische Dokumente und künstlerische Fotografien ihren Platz. Das Hamburger Architekturbüro Renner Hainke Wirth Zirn und WDJArchitecten aus Rotterdam haben das Gebäude für etwa 38 Millionen Euro umgebaut. Dabei blieben die originalen Holzbalken und stählernen Träger sichtbar erhalten, während durch eine senkrechte Lichtöffnung natürliches Licht in das Gebäudeinnere dringt.

In der Rijnhaven-Gegend, die heute von gläsernen Neubauten dominiert wird, bildet das historische Backsteingebäude einen markanten Kontrast. Auf dem Dach entstanden Mini-Apartments und ein Restaurant, während in den ehemaligen Lagerräumen nun Ausstellungsflächen und Restaurierungslabore Platz gefunden haben. Besucher können zwischen hintergrundbeleuchteten Bildern aus der Sammlung hindurchgehen und sogar in die Restaurierungswerkstätten hineinschauen.

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Ein Archiv von nationaler Bedeutung

Die Sammlung des Museums umfasst mehr als 6,5 Millionen Objekte – darunter Negative, Schwarz-Weiß- und Farbabzüge, Kameras und Alben. Das Haus bewahrt die Nachlässe von 175 niederländischen Fotografen und präsentiert einen Teil davon in einer ständigen Ausstellung. In der sogenannten Gallery of Honor sind einhundert Schlüsselwerke der niederländischen Fotogeschichte versammelt, die eine leichthändig inszenierte Reise durch das Medium seit Mitte des 19. Jahrhunderts bieten.

Von den frühesten Glasplattenaufnahmen über die beweglicheren Kameras des 20. Jahrhunderts bis hin zu zeitgenössischen Positionen spannt sich der Bogen. Die niederländische Fototradition wird durch Werke von Nico Jesse, Anton Corbijn, Rineke Dijkstra und Erwin Olaf repräsentiert. Bemerkenswert ist auch ein Bild des Künstlers Paul Schuitema von 1929, das deutlich von László Moholy-Nagys experimentellem Ansatz inspiriert ist und die technischen Eigenheiten der Fotografie betont.

Fotografie als historisches Dokument

Besonders eindrücklich zeigt sich die dokumentarische Kraft der Fotografie in Aufnahmen aus der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Trotz eines ab 1944 geltenden strengen Fotografierverbots machten mutige Fotografinnen und Fotografen weiter Aufnahmen. Fritz J. Rotgans war der Einzige, der im besetzten Amsterdam in Farbe fotografierte. Sein Bild eines rot lackierten Treppenaufgangs über einem Volkskoffiehuis von 1943 zeigt darüber ein Holzschild mit der Aufschrift Judenstraße – ein erschütterndes Dokument der bewussten Ausgrenzung und Verfolgung.

Die Fotografie fungiert in dieser Kombination aus Museum und Archiv als Speicher von Augenblicken, in denen Geschichte für die Nachwelt kondensiert wird. Dass diese Bilder fragil sind und aktiv erhalten werden müssen, beweisen die unterschiedlichen Klimazonen im Museum: Farbfotos benötigen kühle vier Grad, während Abzüge, Negative und Dias jeweils spezifische Luftfeuchtigkeitsbedingungen brauchen.

Vergangenheit und Gegenwart im Dialog

Die beiden Eröffnungsausstellungen beschäftigen sich mit Rotterdam (Rotterdam in Focus) und der Cyanotypie oder Blaudruckfotografie. Während junge Künstler mit dieser historischen Technik experimentieren, erwacht in Rotterdam in Focus der Guckkasten des 19. Jahrhunderts zu neuem Leben. Durch ein Stereoskop betrachtet man Szenen aus der Hafenstadt, bevor die deutsche Luftwaffe sie 1940 zerstörte – ein zarter 3D-Effekt, der etwas Zartes und Fragiles hat.

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Die Geschwindigkeit, mit der der Kaffeespeicher umgebaut wurde, ist beeindruckend: Drei Jahre nach dem Kauf wurde das Museum eröffnet. Kommentatoren haben bereits darauf hingewiesen, wie viel schneller und unkomplizierter die Niederländer ihr neues Fotomuseum realisiert haben, als die Deutschen mit ihrem geplanten nationalen Foto-Institut in Düsseldorf vorankommen. Allerdings existiert das niederländische Museum bereits seit über zwanzig Jahren als Institution und hat lediglich ein neues Gebäude bezogen.

Private und öffentliche Förderung

Ein Erfolgsgeheimnis des Projekts liegt in der geschickten Kombination von privatem Engagement und staatlicher Förderung. Der Kauf und Umbau des Santos Pakhuis wurde maßgeblich durch eine Schenkung der Droom en Daad Foundation (Traum und Tat) ermöglicht. Diese Stiftung wurde vor zehn Jahren gegründet, um Rotterdam kulturell nach vorn zu bringen und hat auch das neue Migrationsmuseum Fenix errichtet sowie die Sanierung des Kunstmuseums Boijmans Van Beuningen mit 80 Millionen Euro unterstützt.

Hinter der Stiftung steht die Familie Van der Vorm, die zu den reichsten in den Niederlanden zählt. Ob sich ein solches Modell der Ko-Finanzierung auch in Deutschland umsetzen ließe, bleibt abzuwarten. Während in Düsseldorf noch über Budgets verhandelt wird und weder ein Gründungsteam noch ein Architekturwettbewerb existieren, sendet das neue Fotomuseum in Rotterdam bereits jetzt wichtige Impulse für den internationalen Dialog über die Bewahrung fotografischen Kulturerbes.