Prenzlauer Hut-Ausstellung: Vom Sommerhut Honeckers zur Putzmacher-Meisterin
Im Kulturhistorischen Museum im Dominikanerkloster Prenzlau eröffnete kürzlich eine faszinierende Sonderausstellung, die sich ganz der Geschichte der Kopfbedeckungen widmet. Die Schau mit dem Titel „Glockenhut, Schiebermütze, Filzkappe & Co.“ zeigt bis zum 31. Mai historische Fotografien und Hutmodelle, die einen einzigartigen Einblick in die Alltagskultur vergangener Jahrzehnte bieten.
Die Putzmacher-Meisterin von Prenzlau
Im Mittelpunkt der Ausstellungseröffnung stand die 90-jährige Maria Dietel, eine ehemalige selbstständige Putzmacherin aus Prenzlau, die sogar ihre Meisterprüfung in diesem traditionsreichen Handwerk abgelegt hat. „Man ging nicht ohne Hut aus dem Haus. Selbst zum Einkauf auf dem Markt wurde er aufgesetzt“, erinnert sich Dietel an eine Zeit, in der Kopfbedeckungen noch zum festen Bestandteil der Garderobe gehörten. Die Putzmacherin, die ihren Beruf bis nach der Wende ausübte, war überrascht vom großen Interesse an ihrer Handwerkskunst.
Historische Fotografien erzählen Hut-Geschichte
Konzipiert wurde die Ausstellung von Susann Hellemann und Dr. Lotar Binger vom Archiv historische Alltagsfotografie in Zusammenarbeit mit dem Prenzlauer Museum. Es handelt sich bereits um die zehnte gemeinsame Ausstellung in der uckermärkischen Kreisstadt. Das Archiv verfügt über zahlreiche private Aufnahmen, die Alltagsgeschichte in vielen Facetten widerspiegeln. Für diese Schau wurden gezielt Fotografien ausgewählt, auf denen Menschen mit verschiedenen Kopfbedeckungen zu sehen sind.
Die Ausstellung spannt einen Bogen vom 19. Jahrhundert bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, als Hüte ihre Hochkonjunktur erlebten. Heute sind Kopfbedeckungen fast nur noch in Form von Basecaps in der Öffentlichkeit anzutreffen, während sie früher ein unverzichtbares Detail der Kleidung darstellten.
Erich Honeckers Sommerhut als Exportschlager
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist die Geschichte um den Sommerhut von DDR-Staatsratsvorsitzendem Erich Honecker. Susann Hellemann erzählt, dass dieser Hut in Guben produziert wurde, dem wichtigsten Standort der Hutproduktion in der DDR, und zum echten Exportschlager avancierte. Die Ausstellung beleuchtet damit nicht nur die handwerkliche Tradition, sondern auch die politisch-historische Dimension von Kopfbedeckungen.
Vom Handwerk zur modernen Modistin
Neben den historischen Exponaten stellt sich mit Lydia Bosche eine junge Modistin vor – der heute gebräuchliche Begriff für die einstige Putzmacherin. Sie präsentiert verschiedene Hutmodelle, eine Auswahl von Handwerksutensilien und Videosequenzen zu ihrer Arbeit. Damit verbindet die Ausstellung traditionelles Handwerk mit zeitgenössischer Hutgestaltung.
Interaktive Elemente und pädagogisches Programm
Museologin Dr. Katrin Frey ermuntert insbesondere Schulklassen und Hortgruppen zum Besuch der Ausstellung. Je nach Alter der Kinder und Jugendlichen werden verschiedene Angebote gemacht:
- Geführte Rundgänge durch die Ausstellung
- Möglichkeit, verschiedene Hüte anzuprobieren
- Kreative Angebote für jüngere Besucher
- „Hütchen-Spiele“ an speziellen Spieltischen
Zur Vernissage erklang sogar Grammophon-Musik aus den 1920er-Jahren, was die historische Atmosphäre perfekt abrundete. Viele Gäste erschienen zur Eröffnung mit Hut, da die Einladung mit einem Fotoshooting verbunden war – natürlich nur mit Kopfbedeckung.
Eine Ausstellung mit Frühlingsflair
Die Schau passt perfekt zum beginnenden Frühjahr und könnte bei manchem Besucher die Lust wecken, wieder einmal „behütet“ unterwegs zu sein. Die Ausstellung ist bis zum 31. Mai im Kulturhistorischen Museum im Dominikanerkloster Prenzlau zu sehen und bietet einen faszinierenden Einblick in ein fast vergessenes Kapitel der Alltagskultur.
Das Stadt- und Industriemuseum in Guben, das der Hutindustrie einen großen Teil widmet, hatte die jetzt in Prenzlau gezeigte Ausstellung bereits 2018 erstmals präsentiert. Nun können Besucher in der Uckermark diese besondere Zeitreise durch die Geschichte der Kopfbedeckungen erleben.



