Der Konzeptkünstler Timm Ulrichs ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren, wie der Kunstverein Hannover mitteilte. Demnach bestätigte seine Witwe dem Kunstverein den Todesfall.
Ulrichs galt als eine der bedeutendsten Figuren der zeitgenössischen Kunst. Mehr als ein halbes Jahrhundert habe er die Kunst „mit provokanten Arbeiten voller Entschlossenheit“ geprägt, würdigte der Kunstverein. Er sei „streitbar, scharfsinnig, hintergründig humorvoll und rigoros“ gewesen. „Timm Ulrichs war einer der wenigen Pioniere, der äußerst konsequent an die Kraft der Kunst glaubte, mit ihr rang und sie händisch zu den Menschen brachte.“ Er habe eine ganze Generation geprägt.
Humor und spöttische Distanz
Der emeritierte Professor der Kunstakademie Münster, der in Hannover und Berlin lebte, galt als ein Pionier der Konzeptkunst. Der gebürtige Berliner, der im Oldenburger Land aufwuchs, blickte mit Humor und spöttischer Distanz auf die Welt und auch auf den Kunstbetrieb. Einst erklärte er sein Leben zur Kunst. Auf sein rechtes Augenlid ließ Ulrichs Anfang der 1960er Jahre die Worte „The End“ tätowieren – als Abspann für seinen Tod und gleichzeitig letzten Film. Er ließ seinen eigenen Grabstein meißeln und rannte nackt als „menschlicher Blitzableiter“ mit einer fünf Meter langen Metallstange auf einem Feld herum. Aus Beton-Abgüssen seines eigenen Schädels schuf er ein „Kopfsteinpflaster“.
Ulrichs war ein Meister der Selbstinszenierung. Seine Werke forderten den Kunstbetrieb heraus und hinterfragten die Grenzen zwischen Kunst und Leben. Mit seinem Tod verliert die Kunstwelt einen ihrer originellsten und unkonventionellsten Vertreter.



