Der Künstler Timm Ulrichs ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 86 Jahren, wie der Kunstverein Hannover mitteilte. Ulrichs galt als einer der bedeutendsten Vertreter der Konzeptkunst in Deutschland und prägte über ein halbes Jahrhundert die Kunstszene mit provokanten und humorvollen Arbeiten.
Ein Leben als Kunstwerk
Bereits 1961 erklärte sich Ulrichs selbst zum „ersten lebenden Kunstwerk“ und präsentierte sich in einem Glaskasten. Diese Aktion war typisch für seinen Ansatz, die Grenzen zwischen Kunst und Leben aufzulösen. Er ließ sich „The End“ auf das rechte Augenlid tätowieren, um seinen eigenen Tod als Filmabspann zu inszenieren, und lief nackt als „menschlicher Blitzableiter“ über ein Feld.
Provokation und Humor
Ulrichs war bekannt für seinen hintergründigen Humor. Auf der Art Cologne posierte er mit dunkler Brille, Blindenstock und einem Schild mit der Aufschrift „Ich kann keine Kunst mehr sehen!“. Er ließ seinen eigenen Grabstein meißeln und schuf aus Betonabgüssen seines Schädels ein „Kopfsteinpflaster“. Der Kunstverein Hannover würdigte ihn als „streitbar, scharfsinnig, hintergründig humorvoll und rigoros“.
Pionier der Konzeptkunst
Der gebürtige Berliner, der in Hannover und Berlin lebte, war emeritierter Professor der Kunstakademie Münster. Er gründete 1959 die „Werbezentrale für Totalkunst, Banalismus und Extemporismus“, über die er Plakate und Postkarten vertrieb. Damit trug er zur Demokratisierung der Kunst bei. 2020 erhielt er den Käthe-Kollwitz-Preis für bildende Künstler.
Forschung statt Warenproduktion
Ulrichs verstand Kunst als Forschung, nicht als Warenproduktion. „Die meisten Künstler sind Facharbeiter, die von Bild zu Bild nur kleine Schritte gehen. Für mich ist Kunst Forschung, nicht Warenproduktion. Ich habe nie versucht, ein Markenzeichen zu entwickeln“, sagte er einmal. Seine Arbeiten umfassten Film, Fotografie, Skulpturen und Konkrete Poesie.
Die Bildhauerin Christiane Möbus, eine langjährige Weggefährtin, würdigte ihn als „einen der Größten bei uns im Land“ und betonte seine internationale Bedeutung. „Seine Arbeiten bleiben gegenwärtig und stark. Da ist nichts von einer modischen Attitüde drin“, sagte sie. Ulrichs hinterlässt ein vielseitiges Werk, das weiterhin inspiriert.



