Wim Wenders bei Berlinale: Filme als Gegengewicht zur Politik und Empathie-Stifter
Wenders: Filme sind Gegengewicht zur Politik bei Berlinale

Wim Wenders bei Berlinale: Filme als Gegengewicht zur Politik und Empathie-Stifter

Die Berlinale eröffnet mit einem politischen Drama, das Frauen in Afghanistan in den Fokus rückt. Jurypräsident Wim Wenders (80) erklärt, wie Filme in schwierigen Zeiten die Welt verändern können – nicht durch direkte Einflussnahme auf Politiker, sondern durch die Veränderung der Vorstellungen der Menschen über ihr Leben.

Kino als Gegengewicht zur Politik

Wim Wenders, von Festivalchefin Tricia Tuttle (55) als "Mr. President" bezeichnet, betont, dass Filmschaffende sich aus der Politik heraushalten müssen. "Wir müssen die Arbeit der Menschen machen und nicht die Arbeit der Politiker", sagt er. Dies äußerte er in Reaktion auf eine Frage zur Positionierung der Jury im Nahostkonflikt, wobei Tuttle einlenkte, dass man lieber über Filme sprechen wolle.

Wenders hebt hervor, dass Nachrichten zwar informieren, aber nicht empathisch seien. "Aber man weiß so viel mehr, wenn man aus dem Kino kommt und eine Person in ihrer Situation sieht, ihr Leiden erlebt und sieht, wie sie lieber leben möchte. Das Kino hat die unglaubliche Kraft, Mitgefühl und Empathie zu wecken. Die Politik ist nicht empathisch, aber Filme sind es. Und das ist unsere Pflicht."

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Eröffnungsfilm 'No Good Men' thematisiert Afghanistan

Zur Eröffnung zeigt die Berlinale "No Good Men" von Regisseurin Shahrbanoo Sadat. Der Film erzählt von einer Kamerafrau in Kabul, die überzeugt ist, dass es in Afghanistan keine guten Männer gibt. Kurz vor der Rückkehr der Taliban nähert sie sich einem Kollegen auf einem Reportereinsatz an. Sadat, die 2021 aus Afghanistan evakuiert wurde und nun in Hamburg lebt, arbeitete sechs Jahre an diesem Projekt.

Die Evakuierungen 2021 führten zu chaotischen Szenen am Flughafen, als Tausende versuchten, das Land zu verlassen. Sadat harrte 72 Stunden lang mit anderen Menschen aus und konnte dank Kontakten in der Filmbranche fliehen. Sie hatte zuvor eine Wohnung gekauft, um zu bleiben, doch die unsichere Lage nach dem Abzug der US-Truppen und der Bundeswehr zwang sie zur Flucht, um Familienmitglieder in Sicherheit zu bringen.

Patriarchale Strukturen im Fokus

Mit ihrem Film will Sadat auf die patriarchalen Strukturen in Afghanistan aufmerksam machen. "Jetzt mit den Taliban ist es natürlich noch schlimmer. Aber auch vorher war es nicht ideal", sagt die 35-Jährige. Sie beobachtet, dass Männer Frauen oft ihre Erfahrungen absprechen. Die Berlinale-Eröffnung mit ihrem Film macht sie emotional, zumal sie kurzerhand die Hauptrolle übernahm, nachdem eine Darstellerin abgesagt hatte.

Gedreht wurde in Deutschland, unter anderem auf dem Gelände des Bundesarchivs in Hoppegarten bei Berlin, und mit Archivaufnahmen aus Afghanistan. Die Berlinale setzt damit auf eine junge Regisseurin und weniger auf Hollywoodstars, obwohl zur Eröffnung Schauspielerin Michelle Yeoh erwartet wurde, die mit einem Goldenen Ehrenbären geehrt wird.

Festivalverlauf und Gäste

Die Berlinale endet am 22. Februar und erwartet weitere Gäste wie Pamela Anderson, Ethan Hawke und Charli xcx. Ein Streik bei der Lufthansa hat laut Festivalsprecherin keine wesentlichen Auswirkungen auf die Anreise. Auf der Gästeliste zur Eröffnung standen auch Iris Berben, Daniel Brühl und andere Prominente, was die internationale Ausstrahlung des Festivals unterstreicht.

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