Wiesn-Plakat-Skandal: Künstler wehrt sich gegen KI-Vorwürfe - Stadt München bestätigt Prüfung
Wiesn-Plakat: Künstler wehrt sich gegen KI-Vorwürfe

Wiesn-Plakat im Fokus: KI-Vorwürfe und klare Stellungnahmen

Die Enthüllung des diesjährigen Wiesnplakats hat eine lebhafte Debatte über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Kunst entfacht. Nach der feierlichen Präsentation durch Wiesnchef Christian Scharpf (SPD) am 6. Februar 2026 wurden bei vielen Experten und Beobachtern Zweifel laut, ob das regenbogenbunte Motiv des Thalhausener Grafikers Florian Huber tatsächlich ohne KI-Unterstützung entstanden ist.

Experten kritisieren vermeintliche KI-Spuren

Der Münchner Grafikdesigner Simon Marchner äußerte in einem vielbeachteten Instagram-Video deutliche Kritik. "Im Bild gibt es einige deutliche Hinweise auf den Einsatz von KI", erklärte er und verwies auf die Gestaltung des Riesenrads, die er als "ganz typisch für KI" bezeichnete. Auch die Darstellung der Frauenkirche beschrieb er als "geometrisches Irgendetwas", das auf algorithmische Erstellung hindeute.

Marchner, der selbst bereits am Wiesnplakat-Wettbewerb teilgenommen hat, nannte den Vorwurf "ein Schlag ins Gesicht für alle Künstlerinnen und Künstler, die versuchen mit fairen Mitteln ihrer Leidenschaft nachzugehen". Er forderte die Stadt München auf, den Gewinnerentwurf erneut zu überprüfen und öffentlich Stellung zu beziehen.

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Stadt München bestätigt strenge Prüfverfahren

Das für den Wettbewerb verantwortliche Wirtschaftsreferat (RAW) reagierte umgehend auf die Vorwürfe. Sprecherin Maren Kowitz erklärte gegenüber der AZ, dass alle Einsendungen "von einem Grafik-Team überprüft" würden. Tatsächlich sei bereits eine Einsendung disqualifiziert worden, "weil sich der Vorwurf der unerlaubten KI-Nutzung erhärtet hat".

Zum Gewinnermotiv von Florian Huber betonte Kowitz: "Er hat alle seine einzelnen Arbeitsschritte und die verwendeten Bildbearbeitungsprogramme transparent offengelegt." Die Prüfer hätten "keine Hinweise auf den Einsatz eines KI-Bildgenerators erkennen lassen". Huber habe bereits 2021 den dritten Platz belegt und sei sowohl beim Publikumsvoting als auch bei der Jury überzeugend gewesen.

Künstler verteidigt seinen kreativen Prozess

Florian Huber selbst reagierte verständlich auf die Vorwürfe. Im Telefonat mit der AZ erklärte er seinen Arbeitsprozess detailliert: "Ich habe erst eine Ursprungsskizze gemacht und darauf eine Vektorgrafik erstellt und koloriert." Er betonte nachdrücklich: "Ich habe keine KI verwendet, das ist alles noch einmal durchgecheckt worden, auch die Vorentwürfe."

Der Grafiker räumte ein, dass KI in der Kunst "grundsätzlich ein schwieriges und sensibles Thema" sei. Er habe der Jury jedoch alle Daten zur Einsicht zur Verfügung gestellt und stehe vollständig zu seinem kreativen Prozess.

Wettbewerbsregeln und Preisgeld

Im Reglement des Wiesnplakat-Wettbewerbs heißt es ausdrücklich: "Sämtliche künstlerischen oder grafisch üblichen Arbeitstechniken sind möglich. Als Arbeitstechnik gilt ausdrücklich nicht der Einsatz von KI-Bildgeneratoren." Dieses Verbot besteht seit 2024 und soll faire Wettbewerbsbedingungen gewährleisten.

Der Sieger des Plakatwettbewerbs erhält 2.500 Euro Preisgeld sowie weitere 5.000 Euro für die vollständige Abtretung der Nutzungsrechte an die Stadt München. Das Motiv wird anschließend auf dem offiziellen Masskrug und zahlreichen Merchandising-Artikeln wie T-Shirts und Taschen verwendet.

Die Kontroverse zeigt, wie sensibel das Thema KI in kreativen Bereichen mittlerweile behandelt wird und welche Herausforderungen sich für Wettbewerbsorganisatoren bei der Überprüfung der Einreichungen ergeben.

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