Wim Wenders betont die empathische Rolle des Kinos als Gegenpol zur Politik
Der renommierte Regisseur Wim Wenders (80), der in diesem Jahr als Jurypräsident der Berlinale fungiert, hat in einer Pressekonferenz zum Festivalstart die einzigartige Position des Kinos als Gegengewicht zur Politik hervorgehoben. Wenders, bekannt für Werke wie „Perfect Days“ und „Paris Texas“, äußerte sich deutlich zur Abgrenzung zwischen filmischer Kunst und politischem Handeln.
Kino muss sich aus der Politik heraushalten
„Wir müssen uns aus der Politik heraushalten“, erklärte Wenders mit Nachdruck. Er führte aus, dass das Kino, wenn es dezidiert politische Filme produziere, sich auf das Feld der Politik begebe. Doch genau das sei nicht seine Aufgabe: „Wir sind das Gegengewicht zur Politik.“ Stattdessen müsse das Kino die Arbeit der Menschen machen und nicht die der Politiker. Diese Aussage traf Wenders als Reaktion auf eine Frage zur Positionierung der Berlinale-Jury im Nahostkonflikt.
Die empathische Kraft des Films
Wenders betonte die unglaubliche Fähigkeit des Kinos, Mitgefühl und Empathie zu wecken – etwas, das er in Nachrichten und Politik vermisst. „Die Nachrichten sind nicht empathisch. Die Politik ist nicht empathisch, aber Filme sind es. Und das ist unsere Pflicht“, sagte der Regisseur. Er argumentierte, dass man durch Nachrichten allein noch nichts verstehe, während ein Kinobesuch tiefere Einsichten ermögliche: „Man weiß so viel mehr, wenn man aus dem Kino kommt und eine Person in ihrer Situation sieht, ihr Leiden erlebt und sieht, wie sie lieber leben möchte.“
Filme können die Welt verändern
Obwohl kein Film jemals direkt die Idee eines Politikers verändert habe, so Wenders, könnten Filme dennoch die Vorstellungen der Menschen darüber beeinflussen, wie sie leben sollten. Er wies auf eine große Diskrepanz auf diesem Planeten hin: zwischen Menschen, die ihr Leben leben wollen, und Regierungen, die andere Ziele verfolgen. „Ich denke, Filme greifen diese Diskrepanz auf, hoffentlich“, fügte Wenders hinzu. Damit unterstrich er die transformative, wenn auch nicht politische, Wirkung des Kinos.
Berlinale 2026: Jury und Wettbewerb
Wenders leitet in diesem Jahr die Internationale Jury der Berlinale, die über die Vergabe des Goldenen Bären entscheidet. Das Festival, das am Donnerstagabend eröffnet wurde, läuft noch bis zum 22. Februar. Insgesamt gehen 22 Filme aus verschiedenen Ländern ins Rennen um die begehrte Auszeichnung. Die Berlinale bleibt damit ein wichtiger Schauplatz für filmische Kunst, die nach Wenders‘ Worten als empathisches Gegengewicht zur oft harten Realität der Politik fungiert.



