Protest gegen Bolloré: Über 100 Autoren verlassen Grasset-Verlag nach Entlassung von Verlagschef
Autoren verlassen Grasset-Verlag aus Protest gegen Bolloré

Massiver Autorenprotest: Grasset-Verlag verliert über hundert Schriftsteller nach umstrittener Führungswechsel

In einem beispiellosen Schritt haben in Frankreich 115 Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihren kollektiven Austritt aus dem renommierten Grasset-Verlag angekündigt. Dieser Protest richtet sich gegen die vermutete Einflussnahme des rechten Milliardärs Vincent Bolloré, der als Investor der Hachette-Gruppe fungiert, zu der auch Grasset gehört. Die Autoren befürchten eine Unterwanderung der verlegerischen Unabhängigkeit durch ideologische Interessen.

Entlassung von Olivier Nora als Auslöser

Der unmittelbare Anlass für diese Massenabkehr ist die überraschende Entlassung des langjährigen Verlagschefs Olivier Nora, der 26 Jahre an der Spitze von Grasset stand. Nora hatte am Dienstag seinen Rückzug ohne Angabe von Gründen bekanntgegeben. Er soll durch Jean-Christophe Thiery ersetzt werden, der als enger Vertrauter von Vincent Bolloré gilt. In einem offenen Brief prangern die Autoren diesen Schritt als inakzeptablen Angriff auf die verlegerische Unabhängigkeit an und betonen, dass Nora stets die Meinungsvielfalt verteidigt habe.

Zu den prominenten Unterzeichnern des Protestschreibens zählen literarische Größen wie Virginie Despentes, Frédéric Beigbeder und Bernard-Henri Lévy. Sie erklären: Wir wollen keine Geiseln in einem ideologischen Krieg sein, der den Autoritarismus in der Kultur und in den Medien verbreiten will. Die Autorin Colombe Schneck kommentierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: Der Abgang von Olivier Nora war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wir können nicht zulassen, dass alle Verlage der Hachette-Gruppe zu rechtsradikalen Häusern werden.

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Bollorés wachsender Einfluss auf französische Medien

Vincent Bolloré, der 2023 die Hachette-Gruppe übernommen hat, steht politisch am äußeren rechten Rand und hat in den vergangenen Jahren den Aufstieg des Rechtspopulisten Jordan Bardella gefördert. Bardella ist Chef der Partei Rassemblement National und ein möglicher Präsidentschaftskandidat. Bollorés Medienimperium, zu dem unter anderem die Sender iTélé und Europe1 sowie die Zeitung JDD gehören, hat sich seit seiner Übernahme klar rechtsaußen positioniert, was durch mehrseitige Interviews mit Bardella unterstrichen wurde.

Die protestierenden Autoren verpflichten sich, ihre Bücher künftig nicht mehr bei Grasset zu verlegen. Einige erwägen sogar rechtliche Schritte, um die Rechte an bereits verlegten Werken zurückzuerlangen. Die Hachette-Gruppe hat auf diesen geschlossenen Rückzug bisher nicht reagiert. Dieser Vorfall unterstreicht die wachsenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Einflussnahme in Frankreichs Verlagswesen.

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