Direktorin der Leipziger Buchmesse: „Die digitale Welt lässt keinen Zufall zu“
Astrid Böhmisch lenkt seit nunmehr zwei Jahren die Geschicke der Leipziger Buchmesse mit fester Hand und klarer Vision. In einem exklusiven Gespräch äußert sie sich besorgt über die stetig abnehmende Leselust in der Gesellschaft, betont jedoch gleichzeitig die unverzichtbare Rolle von Buchmessen für die Zukunft der gesamten Branche. Ihre Begeisterung für die vier intensiven Messetage im März ist spürbar, ebenso wie die Notwendigkeit, in ihrer Position oftmals schnelle und entschlossene Entscheidungen treffen zu müssen.
Vorbereitungen auf Hochtouren: Die Messe als lebendiger Organismus
Derzeit befindet sich Böhmisch in den finalen Vorbereitungsphasen für die kommende Schau, die vom 19. bis 22. März auf dem traditionsreichen Leipziger Messegelände ihre Tore öffnen wird. Das imposante Messehaus mit seinem charakteristischen gläsernen Bau und dem kuppelförmigen Dach bietet von innen einen beeindruckenden Anblick. Olivenbäume im Erdgeschoss gedeihen prächtig unter dem einfallenden Licht, während die eigentliche Betriebsamkeit im ersten Stockwerk stattfindet.
Dort, in der Schaltzentrale der Buchmesse, arbeiten junge Mitarbeiter konzentriert an bunt gestalteten Schreibtischreihen in einem modernen Großraumbüro. Diese ruhige Atmosphäre steht in starkem Kontrast zur erwarteten Lebendigkeit der Messetage, wenn tausende Besucher, Autoren und Verlagsvertreter zusammenkommen.
Sinkende Leselust und die Antwort der Buchmessen
„Die digitale Welt lässt einfach keinen Zufall mehr zu“, erklärt Böhmisch mit Nachdruck. Algorithmen bestimmen zunehmend, welche Inhalte uns erreichen und welche nicht. Diese Entwicklung bereitet der Messeleiterin erhebliche Sorgen, da sie einen direkten Einfluss auf die Leselust der Bevölkerung hat. Buchmessen wie die in Leipzig schaffen hingegen einen Raum für unerwartete Entdeckungen, spontane Begegnungen und das physische Erlebnis von Literatur.
Genau in dieser Eigenschaft sieht Böhmisch die Zukunft der gesamten Buchbranche. Während digitale Plattformen oft in Filterblasen operieren, ermöglichen Messen einen offenen, vielseitigen und persönlichen Austausch, der für die kulturelle Vitalität unverzichtbar ist.
Schnelle Entscheidungen und Verantwortung
Die Position als Direktorin erfordert nicht nur langfristige strategische Planung, sondern auch die Fähigkeit zu unmittelbaren Entscheidungen. Ein aktuelles Beispiel hierfür war die kurzfristige Absage einer geplanten Buchvorstellung des Autors Maximilian Krah. Böhmisch betont, dass solche Entscheidungen stets mit großer Verantwortung und im Interesse der Messe sowie ihrer Besucher getroffen werden müssen.
Die Leipziger Buchmesse versteht sich nicht nur als Handelsplatz, sondern auch als kulturelles Forum, das gesellschaftliche Diskurse abbildet und mitgestaltet. Die Auswahl der teilnehmenden Autoren und Veranstaltungen unterliegt daher strengen inhaltlichen und ethischen Kriterien.
Mit Spannung blickt Astrid Böhmisch nun auf die bevorstehenden Messetage. Sie ist überzeugt, dass die Leipziger Buchmesse mit ihrem einzigartigen Mix aus Literatur, Debatten und Begegnungen einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, der sinkenden Leselust entgegenzuwirken und die Buchbranche zukunftsfähig zu halten.



