Don DeLillos vergessene Eishockey-Satire: Wie »Heated Rivalry« zur Neuauflage führte
DeLillos Eishockey-Roman: Vom Verleugnen zur Neuauflage

Wie eine TV-Serie Don DeLillos vergessene Eishockey-Satire wiederbelebte

Don DeLillo, der große Chronist amerikanischer Befindlichkeiten, ist für epische Werke wie »Unterwelt« bekannt. Doch in den Achtzigerjahren wagte sich der Autor an ein ungewöhnliches Projekt: Gemeinsam mit der ehemaligen Werbekollegin Sue Buck verfasste er unter dem Pseudonym Cleo Birdwell die fiktiven Memoiren der ersten Frau in der NHL. Das Buch »Amazons« blieb jahrzehntelang ein Geheimtipp – bis der Hype um die Serie »Heated Rivalry« den vergessenen Roman zurück ins Rampenlicht brachte.

Ein literarisches Pseudonym und seine Geschichte

»Amazons« erschien 1980 bei Granada Books und präsentierte sich als satirische Autobiografie der Eishockeyspielerin Cleo Birdwell. Der Roman enthielt zahlreiche explizite und humorvolle Sexszenen, wie die New York Times in einer aktuellen Besprechung feststellte. Obwohl DeLillos Autorschaft als offenes Geheimnis galt – Figuren wie der Sportreporter Murray Jay Siskind tauchten später in »Weißes Rauschen« wieder auf –, distanzierte sich der Autor stets von dem Werk. Bei Autogrammstunden weigerte er sich konsequent, Exemplare zu signieren.

Der »Heated Rivalry«-Effekt: Vom Nischenphänomen zum Kult

Die TV-Serie »Heated Rivalry«, die eine schwule Liebesgeschichte im Eishockeymilieu erzählt, löste um die Jahreswende 2025/2026 einen veritablen Hype aus. Obwohl die Serie auf Rachel Reids »Game Changers«-Buchreihe basiert, zog der Erfolg unweigerlich Vergleiche zu DeLillos frühem Werk nach sich. War der Großautor dem Trend etwa Jahrzehnte voraus? Diese Frage befeuerte das Interesse an der längst vergriffenen Satire, für die auf dem Antiquariatsmarkt hohe Summen geboten wurden.

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Das überraschende Ja zur Neuauflage

Im Februar 2026 kam es zu einem entscheidenden Mittagessen bei Don DeLillo. Anwesend waren sein langjähriger Lektor Nan Graham und die Schriftstellerin Dana Spiotta. DeLillos Ehefrau Barbara Bennett hatte zuvor bis tief in die Nacht in »Amazons« gelesen und gelacht. Diese Episode scheint den Autor umgestimmt zu haben. Auf die Frage nach einer möglichen Neuauflage antwortete er schließlich: »Ach, was zur Hölle, warum nicht!«

Allerdings bleibt das Pseudonym erhalten: Die Neuauflage erscheint weiterhin unter dem Namen Cleo Birdwell. Als subtiles Eingeständnis wird jedoch eine Visitenkarte abgebildet, die DeLillo gern verteilt. Sie trägt die Aufschrift: »I don't want to talk about it – Don DeLillo«. Damit würdigt der Autor indirekt sein eigenes Werk, ohne es offiziell zu beanspruchen.

Literarische Fingerübung oder verstecktes Meisterwerk?

Jonathan Lethem, selbst Schriftsteller und großer DeLillo-Verehrer, schätzt an »Amazons« besonders, dass der Autor darin »alle Bremsen rausgenommen hat«. In einer Zeit, als DeLillos kommerzieller Durchbruch noch ausstand, erlaubte er sich mit dieser Zusammenarbeit eine ungewöhnliche Fingerübung. Die satirische Auseinandersetzung mit Sport, Geschlechterrollen und amerikanischer Popkultur zeigt eine andere Seite des später so ernsthaften Autors.

Die Wiederentdeckung durch »Heated Rivalry« unterstreicht, wie zeitgenössische Medienphänomene vergessene literarische Schätze neu beleben können. DeLillos zögerliche Zustimmung zur Neuauflage markiert nicht nur eine späte Rehabilitation des Werkes, sondern auch eine ironische Volte in der Rezeptionsgeschichte eines der bedeutendsten amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

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